Martin R. Textor
 
Wirtschaft und Arbeitsleben

Gliederung:
Wirtschaftsentwicklung
Globalisierung
Zukunftsbranchen
Wettbewerbsfähigkeit
Rohstoffknappheit
Eine neue Arbeitswelt
Alterung der Arbeitnehmerschaft
Mehr "Weiblichkeit"
Der Wandel der Beschäftigungsstruktur
Das Arbeitsleben
Tabellarische Übersicht

Wirtschaftsentwicklung

Bedingt durch den Übergang zur Wissensgesellschaft und den sich weiter beschleunigenden technischen Fortschritt wird die Wirtschaft immer mehr durch Forschung und Entwicklung, wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Technologien geprägt. Auch werden die Produktzyklen immer kürzer: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dauerte der Weg von der Idee über die Erfindung bzw. das Patent bis hin zur Massenproduktion 40 Jahre; Mitte des 20. Jahrhunderts waren es 30 Jahre; heute sind es nur noch 6 Monate und bei manchen Produkten sogar gerade einmal 6 Wochen. Gründe für die rasante Verkürzung von Produktionszyklen sind beispielsweise die Nutzung von Computern mit besseren Leistungen, die Zusammenarbeit via Internet, die "schlanke Produktion", innovative Herstellungsverfahren und die weltweite technologische Kooperation. Zudem müssen immer wieder neue Produkte auf dem Markt platziert werden, da sie immer schneller von der Konkurrenz kopiert und vielleicht sogar billiger angeboten werden. Unternehmen, die einen Technologiesprung verpassen, werden innerhalb weniger Monate von ihren Wettbewerbern überholt.

Globalisierung

Während manche Fachleute angesichts protektionistischer Bestrebungen einzelner Regierungen, wegen unterschiedlicher Ländergesetze und aufgrund der zu erwartenden Rohstoffkrise eine Verlangsamung, wenn nicht gar eine Verringerung der Globalisierung erwarten, halten viele Unternehmen eine Beschleunigung und Vertiefung der Globalisierung für wahrscheinlicher: Sie setzen auf Expansion. So wird insbesondere die Macht großer Konzerne weiter wachsen. Viele weltweit operierende Unternehmen haben bereits eine größere Wirtschaftskraft als manche Länder. Die Politik hat der zunehmenden multinationalen Konzernmacht immer weniger entgegenzusetzen.

In den kommenden Jahren werden alte und neue Wirtschaftsmächte mehr miteinander wetteifern. Schon jetzt fließen die Kapitalströme in beide Richtungen, kaufen chinesische, indische oder mexikanische Unternehmen nordamerikanische bzw. europäische Firmen auf. Auch geht die Zeit zu Ende, in der multinationale Unternehmen in den Schwellenländern hauptsächlich einfache Arbeiten zu geringen Kosten ausführen ließen. So produzieren Länder wie China, Südkorea oder Taiwan immer mehr hochwertige Güter, geben viel Geld für Forschung und Entwicklung aus und verfügen über gut ausgebildete Fachkräfte. Hochtechnologiestandorte und Innovationszentren sind inzwischen über den ganzen Globus verbreitet.

Laut einer Studie von Fritz Breuss, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, wird Europa seinen gegenwärtigen Weltmarktanteil nicht verlieren - trotz der von Wirtschaftsvertretern kritisierten hohen Sozialstandards und niedrigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Dazu würde der stetig wachsende Binnenmarkt beitragen, in dem rund drei Viertel des gesamten Handels stattfinden (inkl. assoziierter Staaten, von EFTA und Türkei). Der Erfolg der EU beruht laut Breuss auf der Ausweitung des Binnenhandels und auf der Abfederung sozialer Härten. Jedoch würde durch die Globalisierung weiter Druck auf die Löhne ausgeübt werden.

Aber auch außerhalb der EU werden sich neue Chancen ergeben. So bieten die führenden Schwellenländer einem Technologie- und Exportland wie Deutschland immer größer werdende Märkte, auf denen es seine Güter verkaufen kann. Selbst wenn Indien oder China in naher Zukunft billige Autos nach Deutschland liefern sollten, werden sie dafür hochwertige Fahrzeuge importieren. Beispielsweise verkauften BMW, Audi, Mercedes und Porsche in China mit insgesamt 959.000 Neuwagen im Jahr 2012 so viele Autos wie in keinem anderen Markt der Welt. Dort ist die Mittelschicht auf 80 Millionen Menschen angewachsen. Im Jahr 2020 werden es wahrscheinlich sogar 700 Millionen sein - mehr als in Amerika und Europa zusammen.

Derzeit finden deutsche Waren auf dem Weltmarkt reißenden Absatz, und so kämpfen die Bundesrepublik und China schon seit 2009 darum, wer für das jeweilige Jahr zum Exportweltmeister gekürt wird. Die 100 größten deutschen Unternehmen erzielen bereits rund 60% der Umsätze im Ausland; bei den Maschinenbauern sind es sogar vier Fünftel. Während 1995 noch 46,6% der deutschen Exporte in Länder der heutigen Eurozone gingen, waren es 2012 nur noch 37,5%. In den kommenden Jahren werden China und andere Schwellenländer noch wichtigere Absatzmärkte werden, da hier Wirtschaft und Konsum schneller wachsen werden als in Europa. Problematisch ist jedoch, dass sich derzeit das Exportgeschäft auf einige wenige Branchen - insbesondere die Autoindustrie und den Maschinenbau - konzentriert und die deutsche Wirtschaft in wichtigen Schwellenländern wie z.B. Indien oder Mexiko wenig präsent ist.

Sehr erfolgreich auf dem Weltmarkt sind mittelständische Unternehmen, die flexibler reagieren können als börsennotierte. Zudem können sie langfristig investieren, müssen in ihren Bilanzen nicht immer große Gewinne ausweisen - und können in Deutschland ähnlich günstig produzieren wie in Asien, da dort die Löhne für gut qualifizierte Fachkräfte stark angestiegen sind. Rund 1.300 Unternehmen sind in ihrer Nische Weltmarktführer - fast die Hälfte aller "Hidden Champions" befindet sich in Deutschland. Mittelständischen Unternehmen gelingt es auch immer besser, sich durch eigene Niederlassungen, neue Vertriebspartner und Joint-Ventures weitere Märkte zu erschließen.

Allerdings zeigt sich die Globalisierung auch darin, dass ausländische Investoren einen immer größeren Anteil an den Aktien deutscher Unternehmen besitzen. Laut dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2014 gehören 57% aller Aktien - und sogar knapp 64% der Aktien von DAX-Konzernen - Ausländern bzw. ausländischen Fonds, die somit zunehmend Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen gewinnen und einen großen Teil der Dividenden erhalten. Dies hängt damit zusammen, dass Deutsche seltener in Aktien (-fonds) investieren als Menschen in anderen hoch entwickelten Ländern. Da sich andere Geldanlagen aufgrund der niedrigen Zinsen kaum noch rentieren, steigen auch die Privatvermögen in diesen Ländern stärker an als in Deutschland.

Zukunftsbranchen

Will Deutschland auf dem Weltmarkt bestehen, muss es sich in Richtung eines "kreativen Kapitalismus" (Matthias Horx) weiterentwickeln. Das verlangt mehr Forschung und Entwicklung, mehr Ideenreichtum und Innovation, mehr Bildung und Weiterqualifizierung. Vor allem aber muss auf Branchen mit Zukunft gesetzt werden.

Dazu gehört z.B. der Umweltsektor. Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass die Zahl der in der Ökobranche Beschäftigten von 1,8 Millionen Personen im Jahr 2006 auf 2,7 Millionen im Jahr 2030 ansteigen wird. Alleine im Bereich erneuerbarer Energien könnten 2020 eine Million Menschen arbeiten. Im Jahr 2008 wurden in Deutschland jede dritte Solarzelle und fast jedes zweite Windrad produziert. Inzwischen haben aber chinesische Unternehmen die Marktführerschaft in der Solarbranche übernommen (und holen auch bei der Herstellung von Windturbinen immer mehr auf): Im Jahr 2012 vereinten sie fast die Hälfte des globalen Umsatzes auf sich. In Deutschland gab es hingegen eine Insolvenz nach der anderen - so schnell kann ein technologischer Vorsprung verloren gehen...

Als eine weitere Zukunftsbranche gilt die Biotechnologie, die eine immer größere Rolle in der Industrie, in der Landwirtschaft und im Gesundheitswesen spielen wird. Nach einer OECD-Studie könnte sie im Jahr 2030 bis zu 2,7% des Bruttoinlandsprodukts in den Industrieländern und einen noch größeren Anteil in den Entwicklungsländern ausmachen (heute: unter 1%) - falls Barrieren wie rechtliche Hemmnisse, fehlende Investitionen, mangelnde soziale Akzeptanz usw. beseitigt würden.

Auch die Agrarchemiebranche sieht ihre Zukunft positiv. Da die Weltbevölkerung bis 2030 um 40% gegenüber 1995 wachsen wird, muss im gleichen Zeitraum die Getreideproduktion um 50% zunehmen. Dies ist laut der Welternährungsorganisation (FAO) nur möglich, wenn beim Anbau 37% mehr Mineraldünger eingesetzt wird. Der Industrieverband Agrar (IVA) rechnet in den kommenden Jahren mit Rekordumsätzen bei Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Saatgut.

Mitbedingt durch das Bevölkerungswachstum und die zunehmende Urbanisierung, aber auch zwecks Schaffung eines modernen Energienetzes, haben Infrastrukturprojekte eine große Zukunft - also Investitionen in Straßen, Flughäfen, Telekommunikation, Kanalisation, Strom- und Wasserversorgung. Die OECD taxiert den weltweiten Investitionsbedarf bis 2030 auf 70 Billionen US $.

Eine entsprechende Infrastruktur wird auch für die weiter zunehmende Zahl von Autos benötigt werden. Der Shell-Konzern erwartet, dass sich der globale PKW-Bestand von derzeit 700 Millionen Fahrzeugen bis 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar auf mehr als 2 Milliarden PKWs ansteigen könnte. So wird die Automobilindustrie in Deutschland boomen. Allerdings produzieren die hiesigen Konzerne und ihre Zulieferer zunehmend in den Ländern, in denen die meisten Käufer zu finden sind, da dann die Transportkosten wegfallen. Zudem nimmt die Konkurrenz zu, da immer mehr preiswerte PKWs von Herstellern aus China, Indien und anderen Schwellenländern produziert werden.

Die Weltraumwirtschaft gilt ebenfalls als eine Zukunftsbranche: Insbesondere in den USA ist die kommerzielle Raumfahrt stark ausgebaut worden. Sie übernahm weitgehend den Transport von Kommunikations- und Fernsehsatelliten sowie die Versorgung der Internationalen Weltraumstation (ISS). Für die Zukunft sind z.B. Weltraumtourismus und die Rohstoffgewinnung auf Mond und Asteroiden geplant.

In den kommenden Jahren wird auch der Designwirtschaft - dem Fabbing - eine immer größere Bedeutung zukommen. Hier stellen 3-D-Drucker ("Fabber") Gegenstände her, indem sie nach einem vorgegebenen Design Schicht auf Schicht aufeinander drucken und dabei die in den Druckerpatronen vorhandenen Kunststoffe, Metalle und sonstigen Materialien nutzen. Fabber können bereits Bestandteile von Motoren, Ersatzteile von Maschinen, Prothesen, Zahnimplantate, Architekturmodelle, Prototypen, Skulpturen und viele andere Gegenstände herstellen. Der weltweite Umsatz lag 2013 bei rund 2 Milliarden US $ und könnte bis 2020 auf mehr als 10 Milliarden $ steigen.

3-D-Drucker können von Privatleuten bereits für 1.600 Euro erworben werden. Bei einem solchen Preis könnte die "Fabrik im Wohnzimmer" Realität werden. So wird erwartet, dass in ca. 20 Jahren die meisten Privathaushalte Fabber haben und damit Kleidung, Spielsachen, Ersatzteile, Modeschmuck u.a. selbst herstellen werden. Die Designs können entweder gekauft (z.B. schon jetzt bei der Firma Ponoko) oder mit Hilfe von CAD/CAM-Software erstellt werden. Im letztgenannten Fall können ganz individuelle Produkte hergestellt werden. Selbst wenn die Druckerpatronen relativ teuer sind, könnte doch viel Geld gespart werden, weil weniger Material und Energie benötigt werden (z.B. keine Verpackung, kein Transportkosten). Auch Menschen in ärmeren Länder könnten mit Fabbern Gegenstände billig herstellen - oder Designs entwickeln und verkaufen.

Eine große Zukunft wird der Informations- und Kommunikationstechnologie vorausgesagt. Derzeit sind in Deutschland rund 85.000 Unternehmen auf diesem Gebiet tätig. Sie erwirtschaften den fünftgrößten Anteil am Weltmarkt - nur die Konkurrenz in USA, China, Japan und Brasilien ist erfolgreicher. Allein die deutsche Games-Branche erreichte 2012 einen Umsatz von 1,85 Milliarden Euro. Der Anteil des Internet am deutschen Bruttoinlandsprodukt lag laut der Unternehmensberatung McKinsey bei 3,2% (2012). Hier gibt es durchaus noch Nachholbedarf: Beispielsweise waren es in Schweden 6,3%, in Japan 4,0% und in den USA 3,8% bzw. im Durchschnitt der Industrieländer 3,7%.

Klassisches E-Commerce wird in Zukunft gegenüber Social Commerce an Bedeutung verlieren - der Orientierung an erfahrenen Online-Nutzern, die nicht in irgendwelchen Katalogen herumklicken wollen, sondern auch im Internet nach Shopping-Erlebnissen, Spaß und sozialer Interaktion suchen. Amazon und Ebay haben gezeigt, wie man User aktiv einbinden kann; andere Web-Unternehmen bauen jetzt darauf auf. So werden in Zukunft vor allem solche Verkaufskonzepte erfolgreich sein, die den Austausch zwischen Usern, Konsumenten und Produzenten fördern. Durch den nutzergetriebenen Handel wird ein digitaler "Weltbasar" entstehen.

Da das Internet eine zunehmende Zahl kleiner und kleinster Märkte umfasst, wird es für Unternehmen immer wichtiger, die Treue von Kunden zu erlangen, damit diese weiterhin auf ihrer Website einkaufen und diese weiterempfehlen. Hingegen wird es immer schwieriger werden, neue Kunden zu gewinnen, werden einmalige Käufe an Bedeutung verlieren. Deshalb werden Unternehmen zunehmend interaktive Elemente in ihre Websites einbauen, Anfragen schnell beantworten, Kundenkommentare integrieren, Newsletter verschicken, RSS-Feeds zum Abonnement anbieten sowie nach Einkäufen E-Mails mit der Bitte um Feedback versenden. Zudem werden sie immer häufiger versuchen, auch unabhängig von ihrer Website im Internet präsent zu sein und die Diskussion über ihre Produkte in sozialen Netzwerken, Blogs und Online-Foren zu beeinflussen. Sie werden anderen Websites Artikel oder Videos zur Verfügung stellen, dort Werbung schalten und das Internetradio nutzen.

Im Jahr 2013 wurden vom Einzelhandel rund 10% der Waren auf dem Versandweg verkauft - in 10 Jahren könnten es bereits 25% sein. Dementsprechend nimmt der LKW-Verkehr zu: Alleine die Deutsche Post liefert 1 Milliarde Pakete pro Jahr aus. Das Transportwesen wird auch in den kommenden Jahren ausgebaut werden, zumal viele Unternehmen eine Lieferung am selben Tag anstreben.

In Deutschland und anderen hoch entwickelten Ländern werden sich Unternehmen zunehmend auf die wachsende Konsumentengruppe der Senioren einstellen. Schon heute stammt jeder dritte Euro, der in Deutschland privat ausgegeben wird, von einem Menschen über 60 Jahre; 2050 werden es mehr als 40% sein. Michael Cirkel vom Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) erwartet, dass bis 2020 die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Dienstleistungen und Produkte für ältere Menschen um 800.000 wachsen wird.

Die Wirtschaft interessiert sich vor allem für die "Best Ager", die relativ fitten, meist gut situierten Senioren. Diese dürften in Zukunft mehr Geld für Unterhaltung, Bildung, Kultur, Reisen, Wellness sowie Gesundheits-, Finanz- und Versicherungsleistungen ausgeben. Beispielsweise wird die Versicherungsbranche mehr spezielle Senioren-Policen verkaufen, über die bei einem Unfall oder einem sonstigen Unterstützungsbedarf bestimmte Dienstleistungen wie z.B. Kochen, Einkäufe und Wohnungsreinigung finanziert werden.

Die Industrie entwickelt immer häufiger Produkte, die den Bedürfnissen von Senioren angepasst sind. So baut die Automobilindustrie zunehmend Funktionen wie rückenfreundliche Sitze oder Fahrerassistenzsysteme in PKWs ein, während die Bauindustrie ebenerdige Bungalows baut und vorhandene Wohnungen von Barrieren befreit. Hightech-Geräte werden von Senioren nur gekauft werden, wenn sie sich leicht bedienen lassen. So werden z.B. Handys für ältere Personen entwickelt, die schlecht sehen bzw. hören oder die kleine Tasten nur schwer bedienen können. Diese Handys verfügen über große Displays und Tastaturen, haben einen extralauten Klingelton bzw. eine optische Anrufanzeige, sind für Hörgeräte geeignet und besitzen eine Notruffunktion. Auch benötigen Senioren immer mehr medizinische Geräte und Hilfsmittel.

Um die Versorgung von (älteren) Menschen in bevölkerungsarmen Regionen sicherzustellen, werden (neue) Betriebs- und Vertriebsformen - wie die Bündelung verschiedener Serviceleistungen, Kioske, Kleinstmärkte, mobile Verkaufswagen oder Bringdienste - entwickelt werden. Auch benötigen viele Senioren Essens-, Reinigungs- und Betreuungsdienste. Mehr soziale Dienstleistungen als heute werden privat (z.B. auf Gegenseitigkeit) oder privatwirtschaftlich organisiert sein.

Schließlich werden mehr Seniorenheime, ambulante Dienste sowie geriatrische und gerontopsychiatrische Abteilungen in Krankenhäusern benötigt. So wird sich die Zahl der Heimplätze bis 2050 nahezu verdreifachen - auf rund 2 Millionen. Der Grund für diese Entwicklung ist die wachsende und besonders häufig auf Hilfe angewiesene Altersgruppe der über 80-Jährigen, die im Jahr 2050 fast dreimal so groß sein dürfte wie 2005. Da sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2050 auf mehr als 4 Millionen verdoppeln wird, dürfte der Pflegebereich zu einem "Jobmotor" werden: Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten soll laut einer Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft von derzeit 545.000 auf bis zu 1,6 Millionen im Jahr 2050 ansteigen. Unter Berücksichtigung einer jährlichen Produktivitätssteigerung von 0,5% wären es immerhin noch 1,2 Millionen Pflegejobs. Laut dem Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen könnten dann sogar bis zu 10% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig tätig sein. Ob es dazu kommt, wird davon abhängen, ob die benötigten Mittel von der Pflegeversicherung, den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Sozialämtern aufgebracht werden können und ob sich bei dem derzeit recht niedrigen Einkommen und den schlechten Arbeitsbedingungen genügend Pflegekräfte finden lassen.

Jüngere Menschen werden vermutlich mehr Geld für die individuelle Gesundheitsprävention ausgeben: Hier wächst z.B. die Nachfrage in den Bereichen Wellness, Entspannungstechniken, Stressmanagement, Gesundheitstourismus, Bioprodukte und Nachsorge. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger könnten in der Gesundheitswirtschaft bis 2030 rund 2 Millionen Jobs neu geschaffen werden. Während 2005 etwa jeder Siebte in diesem Bereich beschäftigt war, wird es dann jeder Fünfte sein. Der Anteil der Gesundheitswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt könnte von derzeit 10% auf fast 13% wachsen. Die Kosten für den Gesundheitsmarkt würden bis 2030 um 67% zunehmen.

In der Freizeitindustrie gelten z.B. Fitnessangebote für junge Erwachsene und Singles, Kurzurlaube für kinderlose Paare, Tagesausflüge für Familien sowie Kreuzfahrt-, Themenpark- und Städtetourismus als Wachstumsbereiche. Schon heute investieren die Deutschen jährlich 250 Milliarden Euro in ihre Freizeitgestaltung - zwischen 10 und 20% ihres Haushaltseinkommens. Vermutlich werden immer mehr künstliche Erlebniswelten geschaffen werden, wird es mehr inszenierte Kultur (z.B. Musikfestivals, Events, besondere Kunstausstellungen) und mehr Massenkultur geben.

Auch in 20 Jahren werden Pauschalreisen, Ferntourismus oder die Kombination von Billigflug und Luxushotel üblich sein, wobei die Preise zuvor im Internet abgeglichen und dort zunehmend gebucht werden wird. Außerdem wird auf Urlaubsberichte in sozialen Netzwerken und auf Bewertungen von Reiseanbietern zurückgegriffen werden. Wellnessreisen werden häufiger - und preiswerter - sein. Ähnliches dürfte für den Ökotourismus gelten - und den "Voluntourism", bei dem soziales Engagement im Urlaub gezeigt wird (z.B. Arbeitseinsätze in Behinderteneinrichtungen oder in Entwicklungsländern). Mehr Touristen als heute werden das extreme Abenteuer suchen oder ein Computerspiel bzw. einen Agenten-Thriller nachspielen wollen. Zudem wird die reale Urlaubswelt zunehmend durch eine virtuelle ergänzt werden. Allerdings wird es auch mehr Nichtreisende (aus Geldnot) und Sparreisende geben.

Laut dem Institut für Tourismus- und Freizeitforschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur wird sich die touristische Nachfrage der über 65-Jährigen bis 2050 vervierfachen. Darunter werden arme und reiche Rentner, gesunde und kränkelnde Personen, lebenslange Partner sowie Todesfall- oder Scheidungs-Singles sein. Die Senioren würden sich keinen reinen Erholungsurlaub wünschen, da sie sich das ganze Jahr hindurch der Gesundheit widmen können, sondern werden nach Kulturgenuss, nicht alltäglichen Bildungsangeboten bzw. unbeschwerter Geselligkeit suchen. Daneben gäbe es Senioren, die alles bereist und erlebt haben und nun Urlaubsquartiere auswählen, wo sie sich "daheim" fühlen, und Rentner, die an Urlaubsziele ihrer Kindheit zurückkehren möchten - oft in Gesellschaft ihrer Enkel. Die Angebote der Hotels und Reiseanbieter müssten alle Typen älterer Touristen berücksichtigen.

In Zukunft wird auch die "Schattenwirtschaft" weiterhin eine große - oder vielleicht noch größere - Rolle spielen, mitbedingt durch die steigende Steuer- und Abgabenlast. Hier werden viele arbeitslose Menschen ein Zusatzeinkommen finden, zumal Sozialleistungen aufgrund der zunehmenden Zahl der Rentenempfänger bzw. Pflegebedürftigen und der wachsenden Staatsverschuldung tendenziell sinken dürften.

Wettbewerbsfähigkeit

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wird zu einem großen Teil von der Innovationsfähigkeit der Unternehmen abhängen. Betrachtet man z.B. die Zahl der internationalen Patentanmeldungen bei der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO), so lag die Bundesrepublik im Jahr 2012 mit einem Anteil von 9,7% auf dem dritten Platz (USA: 26,3%, Japan: 22,5%). Allerdings ist die Zahl der Patentanmeldungen zwischen 2008 und 2012 konstant geblieben (in jedem der beiden genannten Jahre 18.885 Anmeldungen), während die Anmeldungen aus Japan von 28.760 auf 43.660, aus China von 6.120 auf 18.627 und aus Südkorea von 7.899 auf 11.848 stiegen. So erwartet die WIPO, dass China in Kürze Deutschland überholen wird. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht die Bundesrepublik aber recht gut da: Im Jahr 2012 wurden nur 7.739 Patentanmeldungen aus Frankreich, 4.895 aus Großbritannien, 2.836 aus Italien und 1.687 aus Spanien registriert. Derzeit stammt ein Siebtel aller in Europa angemeldeten Patente aus Deutschland.

In den letzten Jahren stiegen die Ausgaben deutscher Unternehmen für Forschung und Entwicklung wieder an; allein im Jahr 2012 wurden 138 Milliarden Euro investiert. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Allerdings ist die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft nicht nur von entsprechenden Investitionen abhängig, sondern auch von Faktoren wie z.B. der Qualität des Bildungssystems, der Gründerkultur und dem vorhandenen Wagniskapital. Die Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO) und INSEAD haben im Jahr 2012 eine Rangordnung der Länder hinsichtlich ihrer Innovationsfähigkeit erstellt: Hier erreichte Deutschland nur den 15. Platz; auf den vordersten Positionen lagen Schweiz, Schweden und Singapur. Die USA kamen auf den 10., Japan kam auf den 25. und China auf den 34. Platz.

Laut Weltbank wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft durch ein vergleichsweise schlechtes Bildungssystem und eine veraltete Infrastruktur gefährdet, vor allem aber durch einen zu stark regulierten Arbeitsmarkt (z.B. üppiger Kündigungsschutz), durch zu viel Bürokratie bei Unternehmensgründungen und durch zu hohe Lohnnebenkosten. Letzteres gilt aber nur im internationalen Vergleich - nicht aber im europäischen: So lagen im Jahr 2012 die Lohnnebenkosten (berechnet auf 100 Euro Bruttoverdienst) in Deutschland bei 27 Euro, im EU-Durchschnitt aber bei 32 Euro. Die Arbeitskosten sind in Deutschland zwischen 2001 und 2010 langsamer gestiegen als im EU-Durchschnitt und haben dazu beigetragen, dass sich die Wirtschaft in diesem Zeitraum positiver entwickelt hat als in anderen europäischen Ländern. Seit 2011 steigen die Arbeitskosten aber schneller an und lagen 2012 mit 31 Euro pro Stunde um 32% über dem EU-Durchschnitt von 23,50 Euro. Weitere überdurchschnittlich hohe Tarifabschlüsse könnten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährden.

Rohstoffknappheit

Ein großes Problem - insbesondere für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland - sind die weltweit immer schneller schwindenden Rohstoffvorkommen. Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird z.B. die Produktion von konventionellem Erdöl und Erdgas bis 2035 fallen, was aber teilweise durch die zunehmende Gewinnung dieser Energieträger aus Tonsteinen und Ölsanden, aus der Tiefsee und aus Erdgaskondensat kompensiert werden dürfte. Die hier eingesetzten Verfahren sind jedoch risikoreicher, sodass die Gefahr von Umweltkatastrophen steigt. Auch dürfte vermehrt in Naturschutzgebieten wie den amerikanischen Nationalparks nach Öl- und Gasvorkommen gesucht werden.

Zugleich wächst weltweit die Nachfrage nach Energie - insbesondere in den Schwellenländern (z.B. in China um ca. 7% pro Jahr). So ist in den kommenden Jahrzehnten mit Engpässen bei der Versorgung und mit steigenden Preisen zu rechnen. Auf längere Sicht sind Konflikte um die letzten Erdöl- und Erdgas-Reserven vorprogrammiert, werden die mächtigeren Staaten versuchen, möglichst viele Ressourcen für sich zu reservieren. Aber die Regierungen werden sich auch bemühen, den Verbrauch durch Effizienzstandards, Steuern oder Emissionshandelssysteme einzuschränken und erneuerbare Energien vermehrt zu nutzen.

Außerdem wird die Wirtschaft versuchen, Erdöl zunehmend zu ersetzen - nicht nur als Heiz- und Kraftstoff (90% der derzeitigen Nutzung), sondern auch als Grundstoff für Kleidung, Kosmetik, Medizinprodukte, Plastik, Spielzeug, Computer usw. Beispielsweise enthalten rund 40% aller Textilien Erdöl. Solche Kunstfasern könnten z.B. durch Naturfasern aus Baumwolle und Hanf, aber auch durch biotechnisch hergestellt Fasern (etwa aus Milchsäure) ersetzt werden. Ferner könnten viele Ausgangsprodukte für die chemische Industrie mit Hilfe der Biotechnologie erzeugt werden, z.B. durch Bakterien- und Hefeenzyme aus organischen Abfällen. So könnte der Anteil von Bioplastik bis zum Jahr 2030 von heute 0,2% auf 15 bis 20% steigen.

Auch in der Landwirtschaft muss Erdöl ersetzt werden - hier wird es für Düngemittel, Pestizide, Produktion, Kühlung und Transport benötigt. So dürfte die Ernährung in Zukunft saisonaler, regionaler und teurer werden - zumal die Landwirtschaft immer mehr Flächen für die Erzeugung von Biomasse benötigen wird. Diese soll nicht nur Grundstoffe für die chemische Industrie liefern, sondern auch Treibstoff für Kraftfahrzeuge. Wenn weniger Getreide bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung produziert wird, werden mehr Menschen unter Mangelernährung und Hunger leiden.

Die Kohle wird ebenfalls knapp werden, zumal der Bedarf der Schwellenländer stark zunimmt - China und Indien haben bereits einen Anteil von 45% an der Nachfrage nach Steinkohle. Es wird geschätzt, dass der weltweite Verbrauch von etwa 4,3 Milliarden Tonnen Steinkohleeinheiten im Jahr 2006 auf circa 7 Milliarden Tonnen im Jahr 2030 ansteigen wird. Steinkohle wird somit immer teurer werden - die Preise haben sich bereits zwischen 2007 und 2009 mehr als verdoppelt.

Vor diesem Hintergrund setzen immer mehr Länder auf die atomare Energie. So werden weltweit 70 Kernkraftwerke gebaut; mehr als 170 AKWs sind in Planung. Im Jahr 2035 soll die Produktion atomarer Energie um 73% höher liegen als 2009. Die Uranvorkommen sind jedoch begrenzt - und es gibt noch immer keine Lösung für das Problem der Atommüllentsorgung.

Aber auch bei anderen Rohstoffen wachsen die Nachfrage und damit der Preis. Vor allem die Schwellenländer Asiens haben einen immer größer werdenden Bedarf an Industriematerialien wie Erze, Beton oder Asphalt. Beispielsweise wird laut dem Bergbaukonzern BHP Billiton die Gesamtkupfernachfrage von 2008 bis 2032 rund 680 Millionen Tonnen betragen - zwischen 1900 und heute wurden weltweit nur 608 Millionen Tonnen gefördert. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass alleine in China 5 Milliarden Quadratmeter asphaltierter Straßen, 170 Massentransportsysteme und 5 Millionen Gebäude mit 40 Milliarden Quadratmeter Wohn- und Geschäftsfläche bis 2030 gebaut werden müssen.

Je knapper die Rohstoffe werden, umso gewinnbringender wird das Recycling. Zudem kann nur auf diesem Wege die alleine schon aufgrund des Bevölkerungswachstums zunehmenden Müllmengen entsorgt werden (EU-Bürger produzieren etwa 520 kg Müll pro Jahr, Menschen in Entwicklungsländern 200 kg). So werden 2025 weltweit rund 2,2 Milliarden Tonnen Müll produziert werden - fast doppelt so viel wie 2013 (1,3 Milliarden Tonnen).

Aufgrund der steigenden Rohstoffpreise und höher werdender Löhne in den Schwellenländern könnte es in den kommenden Jahren zu einer Regionalisierung in der Wirtschaft kommen: Wenn die Herstellungskosten in fernen Ländern und die Transportkosten zu hoch werden, wird das Insourcing das Outsourcing ersetzen. Ganze Produktionszweige werden dann wieder an die Verbrauchsorte verlagert; die ausgelagerten Jobs kehren zurück.

Das gilt ebenfalls für Lebensmittel, die z.B. in den USA derzeit im Durchschnitt 1.500 Meilen weit transportiert werden: Auch sie werden in Zukunft vorwiegend aus der Region bezogen werden. Die Transportkosten für Lebensmittel könnten sogar gänzlich eingespart werden, indem in Städten "vertikale Bauernhöfe" gebaut werden: Professor Dickson D. Despommier von der Columbia University schlägt vor, Nutzpflanzen in Hochhäusern mit durchsichtigen Wänden und Decken zu züchten. Dies könnte ohne Erde in Hydrokulturen oder in aeroponischen Systemen erfolgen (hier werden die frei liegenden Pflanzenwurzeln in regelmäßigen Abständen von einem Sprühnebel aus Wasser und Nährstofflösung benetzt). In einem vertikalen Bauernhof könnte die 10- bis 20-fache Menge an Pflanzen wie auf einer gleich großen Farm geerntet werden, zumal auch mehrere Ernten im Jahr möglich sind. So könnte ein 30-stöckiger Bauernhof von der Größe eines Straßenblocks rund 50.000 Menschen versorgen. Zudem würden die Pflanzen Sauerstoff liefern.

Einige Zukunftsforscher wie z.B. John Michael Greer rechnen damit, dass Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran nur sehr bedingt durch andere Energieträger ersetzt werden können. Je mehr die Förderung in den kommenden 150 Jahren zurückgehen wird - bei gleichzeitig steigender Weltbevölkerung -, umso mehr werde es zu einer De-Industrialisierung kommen, die zu einem kontinuierlich geringer werdenden Lebensstandard führen wird. Um die eigenen Ressourcen zu schützen, werden viele Länder protektionistische Maßnahmen treffen, was den Welthandel bremsen dürfte. Es käme somit zu einer Zurückentwicklung zu wenig technisierten lokalen Kulturen.

Eine neue Arbeitswelt

Neben der wachsenden Konkurrenz durch Schwellenländer sowie der Rohstoffverknappung und -verteuerung wird der zunehmende Fachkräftemangel zu einer großen Herausforderung für die Wirtschaft in Deutschland (und in anderen hoch entwickelten Ländern): So werden in den kommenden 5 bis 10 Jahren mehr als 20% der Arbeitnehmer in Dax-Konzernen in Rente gehen - Menschen aus geburtenstarken Jahrgängen. Seit den 1950er Jahren sind aber die Geburtenzahlen von mehr als 1,1 Millionen auf rund 715.000 im Jahr gesunken. So rücken immer weniger junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt nach - bis 2030 wird es knapp 7 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger geben als heute. Die Konkurrenz der Arbeitgeber um die weniger werdenden Berufsanfänger wird größer werden, was sich wahrscheinlich auch auf die Anfangslöhne und -gehälter auswirken und zu einer Verringerung des Abstands zum Endeinkommen führen wird.

Die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group ermittelte, dass im Jahr 2030 bereits 40% der Berufseinsteiger einen Migrationshintergrund haben werden. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland sähe es düster aus, wenn dann wie heute zwei Fünftel der Schüler mit Migrationshintergrund als "Risikoschüler" eingestuft würden. Diese wären für die meisten Arbeitsplätze nicht qualifiziert.

Nach einer Studie des Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmens Prognos AG werden dem deutschen Arbeitsmarkt schon im Jahr 2015 fast 3 Millionen Kräfte fehlen, davon gut 1 Million Fachkräfte mit Hochschulabschluss, 1,3 Millionen Beschäftigte mit Berufsausbildung und rund 550.000 Arbeitskräfte ohne Berufsausbildung. Bis 2030 werde die Fachkräfte-Lücke auf 5,2 Millionen anwachsen; dann werden 2,4 Millionen Akademiker gesucht werden. Aufgrund des Arbeitskräftemangels drohe ein Wohlstandsverlust von 3,8 Billionen Euro. Die Prognos AG empfiehlt deshalb den Unternehmen, ihre (älteren) Mitarbeiter gezielt fortzubilden und flexibler einzusetzen. Laut Bundesagentur für Arbeit könnte dem Arbeitskräftemangel teilweise dadurch begegnet werden, dass Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeitvolumen von Frauen erhöht werden, die Lebensarbeitszeit verlängert und die Arbeitsmarktteilhabe hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund verbessert wird.

Allerdings könnte der Fachkräftemangel durch die Digitalisierung verringert werden. So geht das Zentrum für empirische Wirtschaftsforschung davon aus, dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren rund 12% der Arbeitsplätze wegen Automatisierung, Roboterisierung usw. wegfallen werden. Dies dürfte den demografisch bedingten Rückgang der Zahl von Personen im Erwerbsalter zumindest teilweise kompensieren.

In der sich anbahnenden Wissensgesellschaft werden die Arbeitgeber vor allem höher qualifizierte Arbeitnehmer benötigen. Hingegen wird die Zahl der einfach qualifizierten Arbeitnehmer der Prognos AG zufolge von derzeit 9 Millionen auf 8 Millionen im Jahr 2030 sinken. So wird es laut dem Accenture-Deutschlandchef Stephan Scholtissek bald zu einem Kampf um qualifizierte Mitarbeiter kommen. Ferner wird vermutlich die Zuwanderung für Ausländer erleichtert werden. Allerdings sind höher qualifizierte Personen vor allem in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien zu finden - diese werden aber auch in ihrer Heimat immer mehr attraktive Jobangebote vorfinden.

Wer in der Wissensgesellschaft den Anschluss verpasst hat, wird nur noch geringe berufliche Chancen haben. Zu diesen Personen gehört das Viertel aller Schulabgänger, das nach einer Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) nicht über ausreichende Kenntnisse im Rechnen und Schreiben verfügt. Viele von ihnen erhalten keinen Ausbildungsplatz. So haben rund 16% der Menschen im Alter von 25 bis unter 35 Jahren keinen berufsqualifizierenden Abschluss erworben.

Hinzu kommt, dass in Deutschland die Qualität der Bildung im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrug ist: Beispielsweise ist im OECD-Vergleich die deutsche Absolventenquote nicht nur in naturwissenschaftlich-technischen Fächern gering, sondern auch bei allen anderen akademischen Qualifikationen. Problematisiert werden ferner die niedrige Abiturientenquote und der hohe Anteil der Studienabbrecher in Deutschland. In Asien wächst hingegen das Angebot an Hochschulabsolventen in allen für die Wirtschaft relevanten Fächern nahezu explosionsartig an: Alle Fächer eingerechnet, erhalten jedes Jahr 7,5 Millionen Inder und Chinesen einen Universitätsabschluss.

Alterung der Arbeitnehmerschaft

Als Folge der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland werden die Belegschaften immer älter werden. So wird die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren bis 2030 voraussichtlich um rund 2,5 Millionen auf nur noch 7,5 Millionen zurückgehen. Ihnen werden voraussichtlich ca. 10,9 Millionen Personen im Alter zwischen 55 und 65 Jahren gegenüber stehen. Das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer wird von derzeit 42 auf 48 Jahre im Jahr 2050 steigen. Die mittleren Jahrgänge werden dann weniger Aufstiegschancen vorfinden, da höhere Positionen immer länger von älteren Arbeitnehmern blockiert sein dürften.

Da 2030 fast jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein wird, empfiehlt die Arbeitsgruppe "Altern in Deutschland", der 23 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen angehören, dass Berufsarbeit bis ins fortgeschrittene Alter hinein die Regel sein sollte. In Zukunft müssten auch über 65-Jährige Geld verdienen - und sei es auch nur, um ihren Lebensstandard zu halten. Eine Frühverrentung wird aufgrund der hohen Abschlagszahlungen sowieso immer unattraktiver. Allerdings sollte die Lohnpolitik so geändert werden, dass Arbeitnehmer nicht mehr automatisch mit jedem Berufsjahr mehr verdienen, denn schon jetzt sind ältere Arbeitnehmer vielen Unternehmen zu teuer.

Die Alterung des Erwerbspersonenpotenzials wird die Arbeitgeber zu einer Änderung ihrer bisher stark jugendzentrierten Personalpolitik zwingen und sie viel seltener von der Möglichkeit der in Deutschland - im Gegensatz z.B. zu den USA oder zu Großbritannien - noch weit verbreiteten Frühverrentung Gebrauch machen lassen. Je mehr das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer ansteigt und je weniger jüngere Arbeitssuchende auf dem Arbeitsmarkt vorzufinden sind, umso wichtiger werden Fort- und Weiterbildung - schließlich müssen dann Innovation und Produktivitätszuwächse vermehrt von älteren Arbeitnehmern geleistet werden. Da diese häufiger unter Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, unter Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen leiden, wird das betriebliche Gesundheitsmanagement immer wichtiger werden. Einerseits müssen Stress und Arbeitsbelastungen reduziert werden, andererseits sind Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitskraft (wie Fitnessangebote und Hilfen für Workaholics) nötig.

Einige Zukunftsforscher wie z.B. Horst W. Opaschowski glauben, dass Arbeitgeber von der doppelten Erfahrung hoch qualifizierter älterer Mitarbeiter - ihrer Lebens- und Berufserfahrung - profitieren werden. Auch sollten sie deren "kristalline Intelligenz" besser nutzen: den reichhaltigen Fundus von Langzeiterfahrungen, Organisationsgeschick und Faktenwissen. Zudem könnten ältere Arbeitnehmer leichter die Wünsche von Senioren erkennen und sie besser beraten.

Wenn ältere Mitarbeiter zusammen mit jungen Kollegen (Produktions-) Teams bilden, könnte dies durchaus zu einem neuen Erfolgsrezept für die deutsche Wirtschaft werden, da jede Seite von den Stärken der anderen profitieren würde. Dasselbe gilt, wenn junge Menschen aus (außer-) europäischen Ländern in solche Arbeitsgruppen integriert würden und ihre besonderen Kompetenzen oder ihr Wissen über den jeweiligen Exportmarkt einbringen könnten.

Je größer aber die Altersunterschiede in Teams werden, umso stärker müssen Unterschiede im Lern- und Arbeitsstil von jüngeren und älteren Mitarbeitern berücksichtigt werden. Beispielsweise haben sich ältere Manager vor allem durch Kurse und das Lesen von Fachtexten weitergebildet und kommunizieren eher verbal, während jüngere Menschen zunehmend das informelle und handlungsorientierte Lernen bevorzugen sowie das Internet und ihr (dortiges) Netzwerk von Kontakten nutzen. Auch kommunizieren sie mehr mit Hilfe visueller Informationen. Manche jüngere Manager ziehen Instant Messages Arbeitstreffen vor oder teilen ihre Erkenntnisse lieber über Blogs, Wikis und Podcasts mit als durch Präsentationen. Der Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung am Arbeitsplatz müssen deshalb in Zukunft aus einer Mischung von Veranstaltungen, Trainings, direkter Anleitung, Simulationen, Spielen, Konferenzen, Blogs und schriftlichen Informationen bestehen.

Mehr "Weiblichkeit"

In den kommenden Jahren wird die Arbeitswelt zunehmend "feminisiert" werden: Spätestens im Jahr 2030 werden mehr Frauen als Männer erwerbstätig sein. So schrumpft die Zahl der Hausfrauen immer mehr - aber auch die Zeitdauer von geburtenbedingten Berufsunterbrechungen, da Kleinkinder früher und länger in Tagesbetreuung gegeben werden und (Grund-) Schulen immer häufiger ganztägig sind oder eine Nachmittagsbetreuung anbieten. Zudem müssen mehr Frauen arbeiten, weil sie alleinstehend sind, weil ein Einkommen allein nicht ausreicht, weil sie bei generell sinkenden Rentenansprüchen eine eigene Altersversorgung aufbauen wollen oder weil sie als Geschiedene bzw. Alleinerziehende nicht mehr wie früher Unterhalt für sich selbst erhalten. Und immer mehr Frauen wollen arbeiten, weil sie eine gute Berufsausbildung erworben oder ein Studium abgeschlossen haben, weil sie durch ein eigenes Einkommen unabhängig bleiben möchten oder weil sie Selbstverwirklichung und Anerkennung im Beruf suchen.

Da junge Frauen inzwischen im Durchschnitt bessere Schul-, Berufs- und Hochschulabschlüsse erwerben als Männer, da sie immer häufiger keine Kinder bekommen (derzeit bleib mehr als ein Fünftel aller Frauen kinderlos) und da die Familiengründung seltener als früher ein Karrierehindernis ist (wegen einer nur kurzen Elternzeit und der Ganztagsbetreuung von Kindern), werden sie zunehmend in Führungspositionen hinein rücken. Damit werde die Wirtschaft laut dem Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski bis 2030 vom patriarchalischen System Abschied nehmen. Dann würde ein anderer Führungsstil an Bedeutung gewinnen: Frauen würden pragmatischer denken und effizienter arbeiten, Sitzungen straffer leiten, volatile Investitionen meiden, langfristig planen und besser mit Geld umgehen. Gleichzeitig werden die Karrierechancen für Männer aufgrund der hohen Qualifikation vieler Frauen geringer werden. Hinzu kommt, dass in der Wissensgesellschaft traditionell männliche Eigenschaften wie körperliche Arbeitskraft, Aggressivität und Risikobereitschaft weniger gefragt sind als eher weibliche Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Sozialkompetenz, Informations- und Zeitmanagement.

Der Wandel der Beschäftigungsstruktur

In Fabriken werden in den kommenden Jahren immer mehr Arbeitsgänge von Robotern übernommen werden. So werden weniger Menschen als Arbeiter tätig sein. Der Dienstleistungssektor wird hingegen an Bedeutung gewinnen, wobei aber auch hier einfache Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden. Jedoch werden in den nächsten 10 bis 20 Jahren Computer keine Aufgaben übernehmen können, die höhere menschliche Fähigkeiten voraussetzen - wie kreatives Denken, Symbolverständnis, Hypothesenbildung, Fantasie, kommunikative Kompetenzen, Empathie, Menschenkenntnis, Führungsfähigkeiten, Verantwortungsbewusstsein usw.

Voraussichtlich werden hoch qualifizierte Personen - auch aufgrund des größer werdenden Fachkräftemangels und der zunehmenden Konkurrenz zwischen den Arbeitgebern - immer besser verdienen. Schon heute liegt das Lebenseinkommen eines Universitätsabsolventen laut einer ifo-Studie um 387.000 Euro netto über dem Lebenseinkommen eines Menschen mit abgeschlossener Lehre; bei Fachhochschulabsolventen sind es durchschnittlich 267.000 Euro und bei Meistern bzw. Technikern 129.000 Euro mehr. Allerdings müssen hoch qualifizierte Personen auch eine hohe Arbeitsleistung erbringen und stehen zunehmend unter einem enormen Leistungsdruck. Sie werden häufiger als Selbständige tätig sein, zum Teil mit erfolgsabhängiger Entlohnung.

Ferner wird es immer mehr "Schein-Selbständige" geben, die nur für eine Firma arbeiten und entsprechend der erledigten Aufträge bezahlt werden. Auch die Zahl der Selbständigen, die sich als Crowdworker um kleine Aufträge auf Online-Plattformen bewerben, wird zunehmen. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Selbständigen zwischen 2002 und 2014 von 3,4 auf 4,2 Millionen an. Darunter fallen aber auch die Solo-Selbständigen, deren Anzahl von 1,7 auf 2,3 Millionen zunahm. Ihr Einkommen ist oft relativ niedrig: Selbständige ohne Beschäftigte verdienten im Jahr 2014 im Mittel nur 1.496 Euro netto pro Monat, wobei es sich hier um den Median handelte.

Niedriger qualifizierte Stellen werden seltener werden. So werden in Zukunft selbst für relativ einfache Arbeiten gute IT- und Fremdsprachenkenntnisse erforderlich sein. Beispielsweise müssen Automechaniker schon jetzt mit Computern und Elektronik umgehen können. Auch benötigen sie ein Grundvokabular in Englisch, da viele Programme in dieser Sprache abgefasst sind. Die Konkurrenz um niedriger qualifizierte Stellen wird immer größer werden - was schon in den letzten Jahren zu einer geringeren Entlohnung geführt hat.

Die Gruppe der Festangestellten - mit Kündigungsschutz, Tarifgehalt und Extraleistungen wie Betriebsrente - wird kleiner werden. Immer mehr Arbeitnehmer werden Teilzeitjobs oder befristete Stellen annehmen müssen, zeitweise freiberuflich tätig sein bzw. zwischen verschiedenen Beschäftigungsformen wechseln, mal mehr, mal weniger verdienen. Unsichere, kurzzeitige oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, eine Abfolge mehrmonatiger Praktika, Werk- und Zeitarbeitsverträge, Leiharbeit und Zweitjobs werden häufiger werden und zu einer unsicheren Einkommenssituation führen. Dies wird keinesfalls nur für gering qualifizierte Arbeitnehmer gelten, sondern auch für viele Akademiker mit einem "falschen" Hochschulabschluss. Nachstehende Tabelle zeigt, dass diese Entwicklungen schon seit Jahren den Arbeitsmarkt prägen (aufgrund der guten Konjunktur jedoch seit 2011 mit sinkender Tendenz) - derzeit ist mehr als ein Fünftel aller Erwerbstätigen atypisch beschäftigt.

Atypische Beschäftigung bei Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren*
Jahr
atypisch Beschäftigte
befristet
Beschäftigte
Teilzeitbe-
schäftigte
unter 20
Wochenstd.
geringfügig
Beschäftigte
Zeitarbeit-
nehmer
1991
1.968.000
2.555.000
654.000
-
2001
2.212.000
4.127.000
1.816.000
-
2006
2.725.000
4.861.000
2.661.000
563.000
2012
2.640.000
4.937.000
2.489.000
717.000
2013
2.524.000
4.969.000
2.444.000
679.000
*nicht in Bildung oder Ausbildung oder einem Wehr-/Zivil- sowie Freiwilligendienst; Gruppen nicht überschneidungsfrei
Quelle: Statistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus

In den letzten Jahren waren vor allem jüngere Menschen von atypischen Beschäftigungsverhältnissen betroffen - Frauen etwas häufiger als Männer. Oft wurden sie eingegangen, als Auszubildende nicht von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wurden. Die unsichere berufliche Situation und das geringe Einkommen erschweren die Lebens- und Familienplanung und sind oft mit einem gewissen Zukunftspessimismus verbunden. Bei zunehmendem Wirtschaftswachstum und abnehmender Zahl junger Menschen dürften aber atypische Beschäftigungsverhältnisse in den kommenden Jahren seltener werden.

Menschen, die wenig verdient haben und häufiger arbeitslos waren, werden im Alter nur geringe Rentenansprüche haben. Viele (Schein-) Selbständige - insbesondere solche mit einem Einkommen unter 1.000 Euro und solche im Alter von 20 bis 29 Jahren - betreiben überhaupt keine Altersvorsorge. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes der Selbständigen legt jeder Zehnte keinen einzigen Cent zurück, ein weiteres Fünftel weniger als 1.000 Euro im Jahr. Als Folge drohen im Alter Armut bzw. Abhängigkeit von der Sozialhilfe.

Trotz Bevölkerungsrückgang und Fachkräftemangel wird es auch in absehbarer Zeit eine hohe Arbeitslosenquote geben. Un- und angelernte Arbeitnehmer sowie solche ohne verwertbare Qualifikationen werden es noch schwerer als heute haben, eine Beschäftigung zu finden. Da der Staat aufgrund der hohen Ausgaben für Senioren und Kranke voraussichtlich nur noch sehr begrenzte Leistungen für Langzeitarbeitslose erbringen kann, wird deren Lebensstandard niedrig sein. Der existenzielle Druck wird noch größer als heute, das Vertrauen in die Politik noch kleiner sein. Manche wenig qualifizierte Menschen werden aber in Selbsthilfenetzwerken ein Auskommen oder in der Schattenwirtschaft einen Zusatzverdienst finden - allerdings auf niedrigem Niveau.

Das Arbeitsleben

Die "klassische" Biographie mit den Phasen Ausbildung, Vollzeitbeschäftigung (am selben Ort) und Ruhestand wird man in Zukunft immer weniger finden. Viele Arbeitnehmer werden ein- oder mehrmals ihren Beruf wechseln; zwischen den Arbeitsstellen werden also häufig Ausbildungszeiten bis hin zu einem (neuen) Studium liegen. Die Loyalität gegenüber dem einzelnen Arbeitgeber wird abnehmen, weil Beschäftigungsverhältnisse zunehmend als zeitlich begrenzt wahrgenommen werden. Arbeitnehmer werden auch häufig den Wohnort wechseln - entweder weil sie eine andere Stelle antreten oder weil sie vom Arbeitgeber versetzt wurden. Diese Mobilität wird zu mehr Vereinzelung und zu mehr Wochenend-Ehen führen. Bei multinationalen Unternehmen wird der neue Arbeitsplatz oft im Ausland liegen, sodass Ehepartner und Kinder entweder im Heimatland bleiben oder ebenfalls umziehen müssen - mit all den damit verbundenen Problemen (z.B. Aufgabe der eigenen Stelle, Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, Erlernen einer Fremdsprache, Schulwechsel).

"Klassische" Stellen mit einer Arbeitszeit zwischen 8 und 17 Uhr werden immer seltener werden. So werden mehr Beschäftigte im Schichtdienst, an Abenden, in der Nacht und an Wochenenden tätig sein müssen. Während laut Statistischem Bundesamt im Jahr 1992 erst 22% der Erwerbstätigen samstags, 11% sonntags, 15% abends und 7% nachts arbeiteten, waren es 2014 schon 26%, 14%, 26% und 9%. Ein großer Teil der Arbeitnehmer wird aber auch flexible Arbeitszeiten haben. Insbesondere "Wissens-" und "Kreativarbeiter" werden immer häufiger ihren Berufsalltag frei gestalten können und sogar nachts oder zu Hause arbeiten dürfen, wenn davon eine Produktivitätssteigerung erwartet wird.

Viele Selbständige werden über die volle Orts- und Zeitsouveränität verfügen, da sie dank Smartphone und Internet überall und jederzeit erreichbar sind. Aufgrund der beruflichen Anforderungen werden Manager und andere höher qualifizierte Arbeitnehmer häufiger Arbeit nach Hause mitbringen und am Abend oder am Wochenende erledigen. So wird der berufsbedingte Stress weiter zunehmen. Laut dem "DGB-Index Gute Arbeit" fühlten sich im Jahr 2015 schon 23% der Arbeitnehmer im Beruf sehr häufig gehetzt; bei 29% war dies oft der Fall. Bereits 34% der Befragten berichteten, dass sie in den letzten 12 Monaten mehr Arbeit in der gleichen Zeit als vorher schaffen mussten. Nach einer anderen DGB-Studie arbeitete im Jahr 2015 mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer/innen länger als vertraglich vereinbart. 33% der Vollzeitbeschäftigten verbrachten mehr als 45 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz - 17% sogar mehr als 48 Stunden.

Jedoch könnte es in Zukunft auch mehr Erwerbstätige geben, denen ihre Freizeit oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so wichtig sind, dass sie auf den beruflichen Aufstieg verzichten. Deshalb berichten schon jetzt einige Unternehmen von Schwierigkeiten, wenn sie Führungspositionen mit Personen aus dem eigenen Hause besetzen wollen. Je knapper das Fachkräfte-Angebot wird, umso schwieriger wird es auch, Mitarbeiter zu halten, die mit ihrer hohen Arbeitsbelastung unzufrieden sind, sich zu stark gestresst fühlen, Probleme mit ihren Vorgesetzten haben oder ihres Erachtens zu wenig Wertschätzung erfahren.

Auch in den nächsten 40 Jahren werden die meisten Menschen in Büros und Geschäften tätig sein. Telearbeit wird eine Randerscheinung bleiben: Selbst in den USA arbeiten nur 11 Millionen Menschen ausschließlich und weitere 35 Millionen gelegentlich von zu Hause aus. Die ständige Produktivitätssteigerung bewirkt, dass immer weniger Mitarbeiter immer mehr leisten müssen. Da Innovationszyklen einander immer schneller folgen, wird die Beschleunigung der Arbeit weiter zunehmen. Kenntnisse und Fertigkeiten werden immer rascher veralten: Ohne lebenslanges Lernen geht nichts mehr.

Die Arbeitnehmer müssen sich stärker spezialisieren, da sie nur noch in ganz kleinen Bereichen auf dem Laufenden sein können. Sie werden sich immer intensiver mit Informationen befassen, um auf diese Weise einen Wissensvorsprung vor der Konkurrenz zu erlangen. Aufgrund der zunehmenden Informationsüberflutung werden sie auch mehr Zeit für das Wissensmanagement benötigen.

Die meisten Beschäftigten stehen der Digitalisierung der Arbeitswelt positiv gegenüber. So sind laut dem "Deutsche Post Glücksatlas 2015" 71% der befragten Berufstätigen der Meinung, dass die Kommunikation mit Kunden und Kollegen durch die neuen Technologien leichter geworden sei, 61% berichten von einer Steigerung ihrer Produktivität, 57% freuen sich, dass die digitale Technik ständig weiterentwickelt wird, und 55% meinen, dass diese ihren Berufsalltag eher erleichtert habe. Allerdings hat die Digitalisierung für 10% der Befragten das Arbeitsleben erschwert, 40% fühlen sich stärker überwacht, für 47% ist die Berufstätigkeit durch die neuen Technologien stressiger geworden, 53% sehen die ständige Erreichbarkeit für Kunden, Vorgesetzte und Kollegen eher negativ, und 60% erleben größere Schwierigkeiten bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit.

Bedingt durch die hohe Spezialisierung werden sich die meisten Tätigkeiten nur noch in Kooperation mit anderen erledigen lassen. So müssen Unternehmer und Manager effektive Teams aufbauen, ihnen viel Verantwortung übertragen und ihren Mitgliedern Respekt und Wertschätzung erweisen, um deren Leistungsmotivation zu erhalten. Schon jetzt erfolgt die Mitarbeiterführung weitgehend durch die Vorgabe von Zielen; in Zukunft muss auch vermehrt darauf geachtet werden, dass die jeweilige Tätigkeit als sinnvoll erlebt wird, da qualitativ hochwertige Arbeitsleistungen nur intrinsisch motiviert erbracht werden. Der Arbeitsplatz wird zum Ort des Gesprächsaustausches und der gegenseitigen Anregung werden - viele hervorragende Ideen entstehen in Besprechungen mit Kollegen.

Die Menschen werden vermehrt in zeitlich begrenzten Projekten arbeiten, wobei sich mit jedem Projekt auch die Zusammensetzung des Teams ändern kann. Deren Mitglieder werden immer seltener denselben Arbeitgeber haben - im jeweiligen Projekt werden Mitarbeiter von mehreren Unternehmen bzw. Zulieferern mit Kunden und Wissenschaftlern aus Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Nur so können noch auf effiziente Weise neue Waren und Dienstleistungen entwickelt werden - die Produktlebenszyklen werden sich weiter verkürzen, die Entwicklung neuer Produkte wird mehr Spezialkenntnisse aus verschiedenen Technologie- bzw. Wissensfeldern verlangen, deren Vermarktung wird immer sorgfältiger geplant werden müssen. Zudem werden in der Projektwirtschaft die Kosten und Risiken von mehreren Unternehmen bzw. Institutionen geteilt. Im Jahr 2007 lieferte die Projektwirtschaft nur etwa 2% der Wertschöpfung in Deutschland - 2020 könnten es laut der Deutschen Bank Research schon 15% sein.

Die Projektarbeit wird den Arbeitnehmern zum einen mehr Flexibilität und geistige Wendigkeit abverlangen: Sie werden immer wieder an anderen Orten und mit anderen Menschen zusammenarbeiten müssen. Allerdings wird auch häufiger von Videokonferenzen Gebrauch gemacht werden - schon jetzt werden spezielle Büros mit mehreren Bildschirmen und Kameras ausgestattet, können Powerpoint-Präsentationen oder Statistiken gleichzeitig an verschiedenen Orten betrachtet und diskutiert werden. Unternehmen werden damit zu Netzwerken, deren räumlich verstreute Mitglieder sich unabhängig von Ort und Zeit austauschen. Zum anderen wird von den Arbeitnehmern immer mehr Kreativität verlangt werden - aus "Made in Germany" muss "Created in Germany" werden, da die Produktion der Güter häufig in anderen Ländern erfolgen wird. Hier kann sich positiv auswirken, wenn möglichst unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten - Unterschiede mit dem größten Kreativitätspotenzial sind solche zwischen Jung und Alt sowie zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturräumen.

Bei einer so komplexen und schnelllebigen Wirtschaft werden Unternehmer und Manager nicht mehr über das Wissen und die Kompetenzen verfügen, um auch nur einen Nischenmarkt zu überblicken. So müssen sie mit anderen Fachleuten - z.B. in Zulieferbetrieben und Forschungseinrichtungen - intensiv kooperieren, was durch Internet, Smartphones, Videokonferenzen usw. erleichtert wird. In Zukunft werden sie auch mehr mit freiberuflich tätigen Fachleuten zusammenarbeiten, die nur an einem bestimmten Projekt mitwirken oder mehrere Unternehmen beraten. Manager müssen zu perfekten "Netzwerkern" werden, die im Internet, auf Tagungen, durch persönliche Kontakte und auf sozialen Websites (wie LinkedIn oder Xing) erfolgreich nach neuen Mitarbeitern mit den gerade benötigten Qualifikationen und nach Kooperationspartnern suchen.

Aufgrund des schnellen Wandels und den damit verbundenen (Planungs-) Unsicherheiten werden Unternehmer und Manager mehr vorwärts gerichtet denken und langfristig investieren müssen. Dazu sind klare Ziele, eine gute Planung, Zusammenarbeit mit anderen bei der Umsetzung von Zielen sowie die Kommunikation erzielter Erfolge notwendig. Neben Fachwissen und der analytischen, problemorientierten Reflexion werden synthetisches und integratives Denken, interpersonale und koordinierende Kompetenzen sowie Kreativität immer wichtiger.

Ferner wird es mehr Kontakte zwischen Produzenten und Kunden geben, die weniger in Geschäften bzw. im Großhandel einkaufen, sondern mehr direkt beim Hersteller via Internet. Die Kunden wollen auf diese Weise Geld sparen (ander Unternehmen auch durch das direkte Verhandeln von Preisen) und alle vom Produzenten angebotenen Optionen kennen lernen. Zudem werden die Ansprüche der Kunden in Bezug auf Preis, Flexibilität, Innovation und spezifischer Dienstleistungen weiter steigen.

In der Studie "Zukunft der Arbeitswelt 2030" fordern Professoren der TU Darmstadt und der Universität Mainz, dass sich Arbeitgeber stärker mit den veränderten Lebensweisen der Arbeitnehmer befassen müssten. Beispielsweise hätten viele Führungskräfte und Beschäftigte Probleme mit der zunehmenden Vermischung von Berufsarbeit und Privatleben. So bedingen die ständige Erreichbarkeit durch Smartphone und Internet sowie die Möglichkeit, von zu Hause aus Dateien auf dem Server der Arbeitsstelle bearbeiten zu können, dass die Arbeitszeit immer mehr die Freizeit durchdringt - auch an den Wochenenden. Ferner würden die Fälle von Workaholismus und psychischen Erkrankungen steigen. Auch müsse berücksichtigt werden, dass es neben den erfolgreichen "Selbstmanagern" - die aufgrund immer komplexerer Aufgaben mehr Entscheidungs- und Handlungsspielräume gewinnen, an ihren Aufgaben wachsen und psychosozial gesund bleiben - bei weitem mehr Arbeitnehmer gibt, die Schwierigkeiten mit ihrem Emotionsmanagement und dem Gefühl haben, von der Arbeit zerrieben zu werde.

Allerdings gaben bei dem "Deutsche Post Glücksatlas 2015" 69% der Berufstätigen an, dass sie mit ihrer Arbeit sehr zufrieden sind. Weitere 26% sind zufrieden und nur 5% unzufrieden. Nennenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder Altersgruppen wurden nicht ermittelt. Die meisten Befragten berichten von netten Arbeitskollegen, haben einen sicheren Arbeitsplatz, üben eine abwechslungsreiche Tätigkeit aus und haben ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen sieht positiv, wie die eigene Leistung anerkannt wird, dass sie eigene Ideen verwirklichen können, dass sie Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben und dass ihre Arbeit erfüllend ist, einen Nutzen für die Allgemeinheit hat und mit Familie bzw. Freizeit vereinbart werden kann. So scheint der Wandel der Arbeitswelt noch nicht zu einer geringeren Arbeitszufriedenheit geführt zu haben.


Tabellarische Übersicht

Zeitraum Zukunftsentwicklungen

2010-2019

  • Rezession dauert zunächst an, weiterhin "Kreditklemme"
  • Wirtschaft und Finanzsektor werden zunehmend von Staat/EU reguliert
  • die Globalisierung verlangsamt sich, da die Wirtschaftspolitik mehr an der Situation im eigenen Land ausgerichtet eird. Abnehmender Einfluss von Organisationen wie Weltbank, IMF, Welthandelsorganisation usw.
  • nach der Wirtschaftskrise: weniger Betriebe wegen vieler Konkurse, westliche Unternehmen zunehmend im Besitz von Asiaten und Arabern
  • immer mehr riesige Konzerne und immer mehr kleine Unternehmen, aber immer weniger mittelgroße
  • frei gesetzte, ehemals gut bezahlte (Fach-) Arbeiter nehmen schlechter bezahlte (Teilzeit-) Dienstleistungsjobs an
  • weiter schrumpfendes Angebot an Arbeitsplätzen für nicht oder schlecht Qualifizierte <-> weiter zunehmender Fachkräftemangel: Arbeit entweder schlechter oder besser als bisher bezahlt
  • Anwerbung von Fachkräften aus asiatischen Ländern
  • weiter wachsende Frauenerwerbsquote bei immer besser werdenden Karrierechancen
  • mehr Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und -ort gefordert (zunehmend Sonntagsarbeit)
  • von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft: zunehmende Bedeutung von Spezialwissen, Wissensmanagement, IT-Kenntnissen
  • von der Arbeits- zur Leistungsgesellschaft: immer mehr Leistungsdruck
  • 2013: die Fördermenge der 450 größten Erdölfelder der Welt ist um 38% auf 52 Mio. Barrels pro Tag gefallen
  • weniger Outsourcing aufgrund steigender Transportkosten
  • Innovationszyklen folgen immer schneller aufeinander - derzeit innerhalb von fünf bis sieben Jahren: dem lebenslanges Lernen kommt eine große Bedeutung zu; die meisten Tätigkeiten lassen sich nur noch in der Kooperation mit anderen erledigen
  • Einbindung von Kunden und Zulieferern in Produktentwicklung
  • 2015: laut Gesetz müssen in den Staaten Kalifornien und New York 25% und in 18 anderen US-Bundesstaaten mindestens 10% der Elektrizität aus erneuerbaren Quellen kommen
  • 2015: in vielen großen Unternehmen ist die Zahl der Managementebenen gegenüber 1995 halbiert worden. Nur noch ein Drittel so viele Manager (weniger Aufstiegsmöglichkeiten)
  • Zeitalter der Festangestellten mit Kündigungsschutz, Tarifgehalt und Extraleistungen wie Betriebsrente geht zu Ende. Jeder zweite Büroarbeitsplatz ist z.B. durch Fachkräfte in Fernost oder flexible Leiharbeiter gefährdet. Mehr Scheinselbständige
  • Outsourcing von sekundären Funktionen und peripheren Aufgaben
  • die meisten Wissenschaftler und Ingenieure leben in Asien: westliche Länder outsourcen zunehmend Forschung und Entwicklung
  • proportionale Abnahme des Nord-Süd-Handels im Vergleich zum Ost(asien)-Süd-Handel
  • mehr Unternehmensgründungen durch junge Menschen
  • weiter abnehmende Bedeutung der Gewerkschaften
  • 2016: ein knappes Drittel des in den USA produzierten Mais wird für die Herstellung von Ethanol verwendet
  • Biotechnologie, Pharmazie, Kosmetik, Nahrungsergänzung und gesunde Lebensmittel sind Wachstumsmärkte der Zukunft
  • neue Erlebnisindustrien und Konsumwelten
  • bargeldloser Handel (auch wegen immer mehr Falschgeld im Umlauf), Abschaffung der Supermarktkassen dank RFID
  • 2015: digitales Geld wird überall in den USA akzeptiert werden
  • Vermarktung über das Internet wird für kleine Firmen und Selbständige immer wichtiger
  • klassisches E-Commerce verliert gegenüber Social E-Commerce an Bedeutung
  • 2019: Zahl der Paketsendungen liegt in Deutschland bei mehr als 3,5 Mrd. (2000: 1,6 Mrd.)
  • Vertrauen der Kunden in Hersteller, Händler und Expertenwissen nimmt stetig ab, während das Vertrauen in Meinungswissen aus dem Internet steigt
  • mehr Internetkriminalität: Betrug, Identitätsdiebstahl, Hacking - aber auch Nutzung von Persönlichkeitsprofilen
  • Shopping-Center auf der grünen Wiese verlieren an Bedeutung; Trend zurück in die Stadt

2020-2029

  • 2020: "Peak Oil": Preise für Treibstoff, Heizöl und Strom steigen immer weiter an. Auch die chemische Industrie leidet, da Erdöl zur Herstellung vieler Produkte benötigt wird
  • 2020: Anteil der EU am Welthandel von knapp 25% auf unter 20% gefallen
  • 2020: Indien wird der drittgrößte Automarkt
  • 2020: Projektwirtschaft liefert etwa 15% der Wertschöpfung in Deutschland
  • mehr altersgemischte Produktionsteams
  • abnehmende Macht von Managern gegenüber Spezialisten: mehr Teamarbeit; statt Anweisungen grobe Zielvorgaben plus Feedback
  • mehr Konkurrenz um junge Arbeitnehmer (höheres Einkommen), schlechtere Aufstiegschancen von Mitarbeitern zwischen 30 und 50, da die meisten Führungspositionen von älteren Personen blockiert sind
  • Unternehmen investieren mehr in Fort- und Weiterbildung älterer Arbeitnehmer: Wissen veraltet immer schneller. Zunehmende Leistungsfähigkeit älterer Menschen
  • Berufswechsel wird zur Regel; mehr dritte und vierte Karrieren
  • 2020: Anteil des Erdöls am Energieverbrauch ist von 40% (1999) auf 37% gefallen
  • 2020: rund 1 Mio. Beschäftigte im Bereich erneuerbarer Energien in Deutschland
  • 2020: 2 Mio. Barrels Öl pro Tag werden aus Ölschiefer gewonnen
  • 2020: weltweit rund 750.000 Elektroautos
  • 2020: der Anteil von in Aquakultur gezüchteten Fischen und Meeresfrüchten erreicht 50%; zunehmende Knappheit an Fischfutter (Fischmehl)
  • 2020: Anstieg des internationalen Tourismus von derzeit 842 Mio. auf 1,6 Mrd. Reisen; weltweit sind knapp 14% aller Beschäftigten im Tourismus tätig
  • 2025: ca. 1.000 Atomkraftwerke weltweit
  • 2025: China größte Wirtschaftsmacht der Welt. Ökonomische Macht und Wohlstand nehmen - relativ gesehen - in westlichen Ländern ab, in asiatischen Ländern zu
  • Chinesisch als zweitwichtigste Handelssprache
  • 2025: 1,1 Mrd. PKW weltweit (heute: 800 Mio.)
  • China überholt die USA als weltgrößten Absatzmarkt für Neufahrzeuge
  • bis 2025: Zunahme der Verkehrsleistung der privaten Haushalte um 13% und des Güterverkehrs auf der Straße um 70% (Deutschland)
  • bis 2025: Anstieg des Strombedarfs in Deutschland um 30%
  • Agrarrohstoffe werden immer teurer
  • 2025: Weltmarkt für Pflanzenbiotechnologie 50 Mrd. $ (heute: 2,5 Mrd. $)
  • in Deutschland nimmt Anteil von Erweiterungsinvestitionen zugunsten von Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen ab
  • weniger Innovationsfähigkeit älterer Arbeitnehmer, weniger Risikobereitschaft älterer Unternehmer und Manager
  • der Beginn des Rentenalters wird gegen 70 tendieren. Viele Rentner werden "Nebenjobs" haben, weil die Rente nicht ausreicht. Spartrend
  • mehr seniorenfreundliche Produkte
  • neue Betriebs- und Vertriebsformen in bevölkerungsschwachen Gebieten bzw. für Senioren: Bündelung verschiedener Serviceleistungen, Kioske, mobile Verkaufswagen, Bringdienste, Kleinstmärkte usw.
  • mehr Freizeit-, Wellness- und Reiseangebote für Senioren

2030-2039

  • 2030: in China wird es fast viermal und in Indien etwa dreimal so viele Mittelschichtskonsumenten wie in den USA geben
  • 2030: Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs um 45% gegenüber 2009
  • 2030: Verbrauch von Erdöl steigt von derzeit 83 Mio. Barrels pro Tag auf 118 Mio. Barrels
  • 2030: 46 Mio. PKW in Deutschland, aber um 20% gegenüber dem Jahr 2009 gesunkener Mineralölbedarf
  • 2030: Primärenergiebedarf in der BRD um 15% niedriger
  • 2030: weltweit ist der Anteil der Atomenergie von 16% (2009) auf rund 30% (rund 400 neue AKWs) und der Anteil der Kohle von 26% auf 29% gestiegen
  • 2030: in der EU erreicht die Windkraft einen Anteil von 25% am Energiemix
  • 2030: klimabedingter Rückgang der Erzeugung von Weizen, Rindfleisch, Milch und Zucker um 2 bis 6% (weltweit)
  • 2030: Getreidepreise werden um 120 bis 180% ansteigen
  • mehr vierte und fünfte Karrieren ("earn while you learn", "learn while your partner earns")
  • lebensbegleitende (Berufs-) Bildung
  • endgültiger Abschied von "Normalarbeitsverhältnissen": mehr (Schein-) Selbständige, mehr Zweitjobs, mehr geringfügige Beschäftigung
  • immer mehr Beschäftigte, die an verschiedenen Orten leben, müssen miteinander kooperieren: virtuelle Besprechungen sind die Regel
  • 2030: in Deutschland fehlen rund 5 Mio. Fachkräfte
  • 2030: mehr Frauen als Männer erwerbstätig
  • stagnierende bzw. schrumpfende Wirtschaft wegen Bevölkerungsrückgang, wegen weniger Innovation (zu wenig junge Mitarbeiter), wegen Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit und wegen weniger Konsum
  • die deutsche Landwirtschaft und Agrarindustrie profitieren von der wachsenden Weltbevölkerung, dem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion in vielen Ländern (aufgrund des Klimawandels) sowie dem zunehmenden Fleisch- und Milchkonsum
  • weniger verfügbares Einkommen bei Erwerbstätigen (höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) und bei Senioren (niedrige Renten)
  • Auswanderung junger Menschen: Flucht vor der Steuer- und Abgabenlast
  • Abschied vom Rentenalter: Erwerbstätigkeit so lange man will - oder muss
  • mehr Selbsthilfenetze und Schattenwirtschaft
  • Umstrukturierung des Konsums: wachsende Nachfrage bei Gesundheitspflege, Freizeit, Beherbergung und Bildung, abnehmende Nachfrage bei Nahrung und Bekleidung; mehr Sparkonsum
  • 2030: Anteil der Gesundheitswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 10% (2009) auf fast 13% gestiegen
  • 2032: doppelt so viele Flugzeuge wie 2012
  • mehr Inlands-, Wellness-, Senioren-, Kreuzfahrt-, Themenpark- und Städtetourismus; Reisebüros als Erlebnisvermittler (z.B. Weltraumreisen für 20.000 Euro)
  • mehr Sparreisende - und mehr Nichtreisende (aus Geldnot)

2040-2049

  • zurückgehender Export, weil die Unternehmen die steigenden Sozialversicherungsbeiträge in die Preise hinein rechnen müssen
  • Stellenabbau, weil aufgrund der hohen Lohnnebenkosten immer mehr Arbeit nicht bezahlbar ist
  • zurückgehender Konsum, da Arbeitnehmer immer höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen
  • 2045: etwa 45% der gegenwärtigen Arbeitsplätze in den USA sind durch Automatisierung und künstliche Intelligenz verloren gegangen
  • von der Wissensgesellschaft zur "hyper-human" Wirtschaft: Wissen jederzeit im Internet abrufbar; zunehmende Bedeutung von Intuition, Vorstellungskraft, Kreativität, Problemlösefähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Überredungskunst, psychologischem/ kulturspezifischem Wissen, Systemdenken usw.
  • Europa als Erlebnispark für reiche Asiaten und Amerikaner

2050-2059

  • 2050: Indien drittgrößte und Brasilien viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt
  • 2050: Kaufkraft der E-7-Länder (China, Indien, Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko, Türkei) ist von derzeit 65% der Kaufkraft der G-7-Staaten (USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada) auf 200% angestiegen
  • bis 2050: Zahl der Erwerbspersonen geht von rund 43 Mio. auf knapp 34 Mio. zurück
  • der Osten Deutschlands ist trotz bester Infrastruktur verödet: weniger als 9 Mio. Menschen leben noch in den neuen Bundesländern und in Berlin
  • Anteil der Festangestellten an allen Beschäftigten sinkt von jetzt 77% auf bis zu 30%
  • bis 2050: Zahl der Unternehmensgründungen geht von etwa 250.000 pro Jahr auf rund 195.000 zurück
  • bis 2050: Zahl der Pflegekräfte könnte sich von derzeit 545.000 auf 1,8 Mio. erhöhen: bis zu 10% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
  • bis 2050 wird sich der Anteil der Haushalte Älterer an den gesamten Konsumausgaben in Deutschland von derzeit 32% auf 42% erhöhen
  • sinkende Konsumausgaben: von 1.023 Mrd. (2020) auf 935 Mrd. Euro (2050)
  • 2050: weltweite Nachfrage nach Energie gegenüber heute verdoppelt. Auch für den PKW-Verkehr wird doppelt soviel Energie benötigt wie 2012
  • die Erdölreserven sind weitestgehend aufgebraucht; Gasvorkommen werden noch 20 Jahre und Kohlevorkommen 60 Jahre ausreichen
  • Zahl der Atomreaktoren weltweit könnte von derzeit 439 auf 1.400 steigen
  • 2050: erneuerbare Energien decken in Deutschland rund die Hälfte des Energiebedarfs
  • 2050: Weltraumwirtschaft erzielt einen Umsatz von mindestens 2 Billionen $
  • 2050: klimabedingter Rückgang der Erzeugung von Weizen, Rindfleisch, Milch und Zucker weltweit um 5 bis 11%
  • 2050: totaler Zusammenbruch der Fischereiindustrie (Weltmeere leergefischt)
  • nahezu alle Produkte werden wegen der hohen Rohstoffpreise recycelt: sie werden - auch mit Hilfe der Nanotechnologie - in ihre Bestandteile zerlegt