Martin R. Textor
 
Wirtschaft
Zeitraum Neue Entwicklungen

2010-2019

  • Rezession dauert zunächst an, weiterhin "Kreditklemme"
  • Wirtschaft und Finanzsektor werden zunehmend von Staat/EU reguliert
  • die Globalisierung verlangsamt sich, da die Wirtschaftspolitik mehr an der Situation im eigenen Land ausgerichtet eird. Abnehmender Einfluss von Organisationen wie Weltbank, IMF, Welthandelsorganisation usw.
  • nach der Wirtschaftskrise: weniger Betriebe wegen vieler Konkurse, westliche Unternehmen zunehmend im Besitz von Asiaten und Arabern
  • immer mehr riesige Konzerne und immer mehr kleine Unternehmen, aber immer weniger mittelgroße
  • frei gesetzte, ehemals gut bezahlte (Fach-) Arbeiter nehmen schlechter bezahlte (Teilzeit-) Dienstleistungsjobs an
  • weiter schrumpfendes Angebot an Arbeitsplätzen für nicht oder schlecht Qualifizierte <-> weiter zunehmender Fachkräftemangel: Arbeit entweder schlechter oder besser als bisher bezahlt
  • Anwerbung von Fachkräften aus asiatischen Ländern
  • weiter wachsende Frauenerwerbsquote bei immer besser werdenden Karrierechancen
  • mehr Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und -ort gefordert (zunehmend Sonntagsarbeit)
  • von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft: zunehmende Bedeutung von Spezialwissen, Wissensmanagement, IT-Kenntnissen
  • von der Arbeits- zur Leistungsgesellschaft: immer mehr Leistungsdruck
  • 2013: die Fördermenge der 450 größten Erdölfelder der Welt ist um 38% auf 52 Mio. Barrels pro Tag gefallen
  • weniger Outsourcing aufgrund steigender Transportkosten
  • Innovationszyklen folgen immer schneller aufeinander - derzeit innerhalb von fünf bis sieben Jahren: dem lebenslanges Lernen kommt eine große Bedeutung zu; die meisten Tätigkeiten lassen sich nur noch in der Kooperation mit anderen erledigen
  • Einbindung von Kunden und Zulieferern in Produktentwicklung
  • 2015: laut Gesetz müssen in den Staaten Kalifornien und New York 25% und in 18 anderen US-Bundesstaaten mindestens 10% der Elektrizität aus erneuerbaren Quellen kommen
  • 2015: in vielen großen Unternehmen ist die Zahl der Managementebenen gegenüber 1995 halbiert worden. Nur noch ein Drittel so viele Manager (weniger Aufstiegsmöglichkeiten)
  • Zeitalter der Festangestellten mit Kündigungsschutz, Tarifgehalt und Extraleistungen wie Betriebsrente geht zu Ende. Jeder zweite Büroarbeitsplatz ist z.B. durch Fachkräfte in Fernost oder flexible Leiharbeiter gefährdet. Mehr Scheinselbständige
  • Outsourcing von sekundären Funktionen und peripheren Aufgaben
  • die meisten Wissenschaftler und Ingenieure leben in Asien: westliche Länder outsourcen zunehmend Forschung und Entwicklung
  • proportionale Abnahme des Nord-Süd-Handels im Vergleich zum Ost(asien)-Süd-Handel
  • mehr Unternehmensgründungen durch junge Menschen
  • weiter abnehmende Bedeutung der Gewerkschaften
  • 2016: ein knappes Drittel des in den USA produzierten Mais wird für die Herstellung von Ethanol verwendet
  • Biotechnologie, Pharmazie, Kosmetik, Nahrungsergänzung und gesunde Lebensmittel sind Wachstumsmärkte der Zukunft
  • neue Erlebnisindustrien und Konsumwelten
  • bargeldloser Handel (auch wegen immer mehr Falschgeld im Umlauf), Abschaffung der Supermarktkassen dank RFID
  • 2015: digitales Geld wird überall in den USA akzeptiert werden
  • Vermarktung über das Internet wird für kleine Firmen und Selbständige immer wichtiger
  • klassisches E-Commerce verliert gegenüber Social E-Commerce an Bedeutung
  • Vertrauen der Kunden in Hersteller, Händler und Expertenwissen nimmt stetig ab, während das Vertrauen in Meinungswissen aus dem Internet steigt
  • mehr Internetkriminalität: Betrug, Identitätsdiebstahl, Hacking - aber auch Nutzung von Persönlichkeitsprofilen
  • Shopping-Center auf der grünen Wiese verlieren an Bedeutung; Trend zurück in die Stadt

2020-2029

  • 2020: "Peak Oil": Preise für Treibstoff, Heizöl und Strom steigen immer weiter an. Auch die chemische Industrie leidet, da Erdöl zur Herstellung vieler Produkte benötigt wird
  • 2020: Anteil der EU am Welthandel von knapp 25% auf unter 20% gefallen
  • 2020: Indien wird der drittgrößte Automarkt
  • 2020: Projektwirtschaft liefert etwa 15% der Wertschöpfung in Deutschland
  • mehr altersgemischte Produktionsteams
  • abnehmende Macht von Managern gegenüber Spezialisten: mehr Teamarbeit; statt Anweisungen grobe Zielvorgaben plus Feedback
  • mehr Konkurrenz um junge Arbeitnehmer (höheres Einkommen), schlechtere Aufstiegschancen von Mitarbeitern zwischen 30 und 50, da die meisten Führungspositionen von älteren Personen blockiert sind
  • Unternehmen investieren mehr in Fort- und Weiterbildung älterer Arbeitnehmer: Wissen veraltet immer schneller. Zunehmende Leistungsfähigkeit älterer Menschen
  • Berufswechsel wird zur Regel; mehr dritte und vierte Karrieren
  • 2020: Anteil des Erdöls am Energieverbrauch ist von 40% (1999) auf 37% gefallen
  • 2020: rund 1 Mio. Beschäftigte im Bereich erneuerbarer Energien in Deutschland
  • 2020: 2 Mio. Barrels Öl pro Tag werden aus Ölschiefer gewonnen
  • 2020: weltweit rund 750.000 Elektroautos
  • 2020: der Anteil von in Aquakultur gezüchteten Fischen und Meeresfrüchten erreicht 50%; zunehmende Knappheit an Fischfutter (Fischmehl)
  • 2020: Anstieg des internationalen Tourismus von derzeit 842 Mio. auf 1,6 Mrd. Reisen; weltweit sind knapp 14% aller Beschäftigten im Tourismus tätig
  • 2025: ca. 1.000 Atomkraftwerke weltweit
  • 2025: China größte Wirtschaftsmacht der Welt. Ökonomische Macht und Wohlstand nehmen - relativ gesehen - in westlichen Ländern ab, in asiatischen Ländern zu
  • Chinesisch als zweitwichtigste Handelssprache
  • 2025: 1,1 Mrd. PKW weltweit (heute: 800 Mio.)
  • China überholt die USA als weltgrößten Absatzmarkt für Neufahrzeuge
  • bis 2025: Zunahme der Verkehrsleistung der privaten Haushalte um 13% und des Güterverkehrs auf der Straße um 70% (Deutschland)
  • bis 2025: Anstieg des Strombedarfs in Deutschland um 30%
  • Agrarrohstoffe werden immer teurer
  • 2025: Weltmarkt für Pflanzenbiotechnologie 50 Mrd. $ (heute: 2,5 Mrd. $)
  • in Deutschland nimmt Anteil von Erweiterungsinvestitionen zugunsten von Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen ab
  • weniger Innovationsfähigkeit älterer Arbeitnehmer, weniger Risikobereitschaft älterer Unternehmer und Manager
  • der Beginn des Rentenalters wird gegen 70 tendieren. Viele Rentner werden "Nebenjobs" haben, weil die Rente nicht ausreicht. Spartrend
  • mehr seniorenfreundliche Produkte
  • neue Betriebs- und Vertriebsformen in bevölkerungsschwachen Gebieten bzw. für Senioren: Bündelung verschiedener Serviceleistungen, Kioske, mobile Verkaufswagen, Bringdienste, Kleinstmärkte usw.
  • mehr Freizeit-, Wellness- und Reiseangebote für Senioren

2030-2039

  • 2030: in China wird es fast viermal und in Indien etwa dreimal so viele Mittelschichtskonsumenten wie in den USA geben
  • 2030: Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs um 45% gegenüber 2009
  • 2030: Verbrauch von Erdöl steigt von derzeit 83 Mio. Barrels pro Tag auf 118 Mio. Barrels
  • 2030: 46 Mio. PKW in Deutschland, aber um 20% gegenüber dem Jahr 2009 gesunkener Mineralölbedarf
  • 2030: Primärenergiebedarf in der BRD um 15% niedriger
  • 2030: weltweit ist der Anteil der Atomenergie von 16% (2009) auf rund 30% (rund 400 neue AKWs) und der Anteil der Kohle von 26% auf 29% gestiegen
  • 2030: in der EU erreicht die Windkraft einen Anteil von 25% am Energiemix
  • 2030: klimabedingter Rückgang der Erzeugung von Weizen, Rindfleisch, Milch und Zucker um 2 bis 6% (weltweit)
  • 2030: Getreidepreise werden um 120 bis 180% ansteigen
  • mehr vierte und fünfte Karrieren ("earn while you learn", "learn while your partner earns")
  • lebensbegleitende (Berufs-) Bildung
  • endgültiger Abschied von "Normalarbeitsverhältnissen": mehr (Schein-) Selbständige, mehr Zweitjobs, mehr geringfügige Beschäftigung
  • immer mehr Beschäftigte, die an verschiedenen Orten leben, müssen miteinander kooperieren: virtuelle Besprechungen sind die Regel
  • 2030: in Deutschland fehlen rund 5 Mio. Fachkräfte
  • 2030: mehr Frauen als Männer erwerbstätig
  • stagnierende bzw. schrumpfende Wirtschaft wegen Bevölkerungsrückgang, wegen weniger Innovation (zu wenig junge Mitarbeiter), wegen Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit und wegen weniger Konsum
  • die deutsche Landwirtschaft und Agrarindustrie profitieren von der wachsenden Weltbevölkerung, dem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion in vielen Ländern (aufgrund des Klimawandels) sowie dem zunehmenden Fleisch- und Milchkonsum
  • weniger verfügbares Einkommen bei Erwerbstätigen (höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) und bei Senioren (niedrige Renten)
  • Auswanderung junger Menschen: Flucht vor der Steuer- und Abgabenlast
  • Abschied vom Rentenalter: Erwerbstätigkeit so lange man will - oder muss
  • mehr Selbsthilfenetze und Schattenwirtschaft
  • Umstrukturierung des Konsums: wachsende Nachfrage bei Gesundheitspflege, Freizeit, Beherbergung und Bildung, abnehmende Nachfrage bei Nahrung und Bekleidung; mehr Sparkonsum
  • 2030: Anteil der Gesundheitswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 10% (2009) auf fast 13% gestiegen
  • mehr Inlands-, Wellness-, Senioren-, Kreuzfahrt-, Themenpark- und Städtetourismus; Reisebüros als Erlebnisvermittler (z.B. Weltraumreisen für 20.000 Euro)
  • mehr Sparreisende - und mehr Nichtreisende (aus Geldnot)

2040-2049

  • zurückgehender Export, weil die Unternehmen die steigenden Sozialversicherungsbeiträge in die Preise hinein rechnen müssen
  • Stellenabbau, weil aufgrund der hohen Lohnnebenkosten immer mehr Arbeit nicht bezahlbar ist
  • zurückgehender Konsum, da Arbeitnehmer immer höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen
  • von der Wissensgesellschaft zur "hyper-human" Wirtschaft: Wissen jederzeit im Internet abrufbar; zunehmende Bedeutung von Intuition, Vorstellungskraft, Kreativität, Problemlösefähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Überredungskunst, psychologischem/ kulturspezifischem Wissen, Systemdenken usw.
  • Europa als Erlebnispark für reiche Asiaten und Amerikaner

2050-2059

  • 2050: Indien drittgrößte und Brasilien viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt
  • 2050: Kaufkraft der E-7-Länder (China, Indien, Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko, Türkei) ist von derzeit 65% der Kaufkraft der G-7-Staaten (USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada) auf 200% angestiegen
  • bis 2050: Zahl der Erwerbspersonen geht von rund 43 Mio. auf knapp 34 Mio. zurück
  • der Osten Deutschlands ist trotz bester Infrastruktur verödet: weniger als 9 Mio. Menschen leben noch in den neuen Bundesländern und in Berlin
  • Anteil der Festangestellten an allen Beschäftigten sinkt von jetzt 77% auf bis zu 30%
  • bis 2050: Zahl der Unternehmensgründungen geht von etwa 250.000 pro Jahr auf rund 195.000 zurück
  • bis 2050: Zahl der Pflegekräfte könnte sich von derzeit 545.000 auf 1,8 Mio. erhöhen: bis zu 10% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
  • bis 2050 wird sich der Anteil der Haushalte Älterer an den gesamten Konsumausgaben in Deutschland von derzeit 32% auf 42% erhöhen
  • sinkende Konsumausgaben: von 1.023 Mrd. (2020) auf 935 Mrd. Euro (2050)
  • 2050: weltweite Nachfrage nach Energie gegenüber heute verdoppelt
  • Ölreserven sind aufgebraucht; Gasvorkommen werden noch 20 Jahre und Kohlevorkommen 60 Jahre ausreichen
  • Zahl der Atomreaktoren weltweit könnte von derzeit 439 auf 1.400 steigen
  • 2050: erneuerbare Energien decken in Deutschland rund die Hälfte des Energiebedarfs
  • 2050: Weltraumwirtschaft erzielt einen Umsatz von mindestens 2 Billionen $
  • 2050: klimabedingter Rückgang der Erzeugung von Weizen, Rindfleisch, Milch und Zucker weltweit um 5 bis 11%
  • 2050: totaler Zusammenbruch der Fischereiindustrie (Weltmeere leergefischt)
  • nahezu alle Produkte werden wegen der hohen Rohstoffpreise recycelt: sie werden - auch mit Hilfe der Nanotechnologie - in ihre Bestandteile zerlegt

Anhang