Martin R. Textor
 
Umweltveränderung und Klimawandel

Gliederung:
Umweltzerstörung
Umweltverschmutzung
Ausstoß von Kohlendioxid
Klimawandel
Folgen für Deutschland
Tabellarische Übersicht

Umweltzerstörung

Auf der Unterseite "Welt" werden mit der Ernährungs- und Wasserkrise zwei große Probleme der Gegenwart und Zukunft angesprochen. Dort wird deutlich, wie stark die Umwelt durch Überbevölkerung und Urbanisierung beansprucht wird. Durch den Klimawandel, durch Erosion und Versteppung, durch Monokulturen und den Anbau von Pflanzen, die auf dem Weltmarkt gefragt sind, aber vor Ort nur dank der rücksichtslosen Ausbeutung von Boden und Wasserressourcen wachsen, werden immer mehr Landstriche - vor allem in Entwicklungsländern - unfruchtbar.

Zu problematisieren ist aber auch die zunehmende Umweltzerstörung durch das Abholzen der Urwälder. Rund 55% des Amazonas-Regenwaldes könnten bis zum Jahr 2030 zerstört werden. In Asien sind drei Viertel der Urwälder bereits gerodet. In Afrika sind nur noch 8% des Urwalds unberührt. Weltweit wird jedes Jahr die dreifache Fläche der Schweiz vernichtet - mit verheerenden Folgen für das Klima, produzieren die tropischen Regenwälder doch 40% des Sauerstoffs in der Atmosphäre. Große Urwaldflächen fallen der Holzwirtschaft, der Brandrodung, der Öl- und Gasförderung, dem Bergbau und dem Bau von Wasserkraftanlagen zum Opfer. Mehr als die Hälfte der neu gewonnenen Biosprit-Flächen sind vorher unberührter Regenwald gewesen.

Die Zerstörung der Umwelt führt zu einem starken Rückgang an Biodiversität. Beispielsweise leben mehr als zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in den Urwäldern (schätzungsweise 30 Millionen); viele von ihnen sind aufgrund der Abholzung vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Aber auch aufgrund neuer natürlicher Krankheitskeime, der Zuwanderung von Arten aus anderen Ökosystemen, der Zunahme extremer Wetterereignisse, des Verlusts an halbnatürlichem Land, der Versauerung der Meere usw. ist die biologische Vielfalt gefährdet. Laut dem United Nations Environmental Programme (UNEP) verschwinden rund 50.000 Spezies pro Jahr - bis zum Jahr 2100 könnte die Hälfte aller Arten ausgestorben sein (etwa 30% der Amphibien, 24% der Säugetiere und 12% der Vögel). Und falls die Überfischung nicht gestoppt wird, wird es im Jahr 2050 laut UN keine kommerzielle Fischerei mehr geben. Damit wäre 1 Milliarde Menschen ihrer einzigen Proteinquelle beraubt.

In den 1990er Jahren entwarfen William Rees (University of British Columbia) und Mathis Wackernagel (Präsident von Global Footprint Network) das Konzept des "ökologischen Fußabdrucks". Sie berechneten anhand des Ressourcenverbrauchs und der angewandten Technologien die Zahl der Menschen, die nachhaltig auf der Erde leben könnten. Dabei gingen sie von weltweit rund 9 Milliarden Hektar ökologisch produktiven Landes aus, also bei 6 Milliarden Menschen von 1,5 Hektar pro Kopf. Der ökologische Fußabdruck eines Menschen beträgt in Ländern wie Indien 0,4 Hektar, in Europa 3 bis 4 Hektar und in den USA 5,1 Hektar. Gemessen an diesen Zahlen übersteigt der Ressourcenverbrauch die Tragfähigkeit der Erde bereits um 30% - die Menschheit lebt also weit über ihre ökologischen Verhältnisse. Nur wenn das globale Bevölkerungswachstum gebremst werden kann und der Umweltzerstörung Einhalt geboten wird, kann die Erde "lebenswert" bleiben.

Umweltverschmutzung

Während in den OECD-Staaten die Umweltverschmutzung reduziert wurde, wird sie in den Schwellen- und Entwicklungsländern aufgrund des zunehmenden Rohstoffabbaus und der rasanten Industrialisierung immer größer. Zudem hat der von der Welthandelsorganisation (WTO) vorangetriebene Abbau von Handelshemmnissen dazu geführt, dass viele Staaten Gesetze zum Umwelt- und Verbraucherschutz "verwässert" haben. Und so leidet auch die Gesundheit der Menschen: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben rund 3 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung und 14 Millionen an Krankheiten bedingt durch den Konsum chemisch - vor allem aber bakteriell (!) - verseuchten Wassers.

Ferner nimmt weltweit die Müllproduktion zu, da mehr Menschen immer mehr konsumieren: Beispielsweise werden technische Geräte (Smartphones, Fernseher, PKWs usw.) schneller ersetzt, um von neuen technologischen Entwicklungen zu profitieren, wird viel Kleidung entsorgt, weil sie nicht mehr aktuellen Modetrends entspricht, wird mehr Verpackungsmaterial aufgrund des wachsenden Internethandels vermüllt, wird mehr Einweggeschirr von Imbissen, Garküchen und Lieferdiensten verwendet. Da es insbesondere in Industriestaaten immer weniger Platz für Deponien gibt, wird ein zunehmender Anteil des Mülls verbrannt, recycelt - oder in arme Länder verschifft. In Schwellen- und Entwicklungsländern wird nur ein Teil des Müllaufkommens eingesammelt; der Rest verschmutzt Straßen und Umwelt. Besonders problematisch ist Plastikmüll, da z.B. Plastiktüten je nach eingesetztem Kunststoff erst nach 100 bis 500 Jahren vollständig zerfallen sind. Plastikmüll sammelt sich auch in den Ozeanen an und bildet in einigen Meeresdriftströmungswirbeln schon richtige Teppiche. Zudem wird er durch Wellenbewegung und UV-Licht pulverisiert und gelangt so in die Nahrungskette.

Ferner trägt die Umweltverschmutzung zur rasanten Ausdehnung der Todeszonen in den Weltmeeren bei: Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg ihre Zahl auf 500 an. Inzwischen sind die Todeszonen in der Gesamtheit größer als Neuseeland. Die Ursache liegt vor allem in der Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen: Phosphate und Nitrate gelangen über die Flüsse in die Meere und führen zu einer Algenblüte. Beim Zersetzen abgestorbener Pflanzenreste benötigen Bakterien so viel Sauerstoff, dass er für Krebse, Muscheln und Fische nicht mehr ausreicht. Die meisten Todeszonen bestehen nur während des Sommers und des Herbstes - im Winter wird das Wasser insbesondere von Stürmen durchmischt, sodass der Sauerstoffgehalt wieder ansteigt.

Ausstoß von Kohlendioxid

Die Zukunft der Menschheit wird außerdem durch den Klimawandel beeinträchtigt. Dieser wird vor allem durch den wachsenden Ausstoß von Kohlendioxid durch Kraft- und Fernheizwerke, Industrie, Gewerbe, Verkehr, Privathaushalte sowie Land- und Forstwirtschaft verursacht. Laut dem Weltklimarat sind die Kohlendioxid-Emissionen seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich 3,5% pro Jahr gestiegen - dreimal so schnell wie zwischen 1990 und 1999 und stärker als bisher prognostiziert. Nach einer Studie der Energie-Informationsbehörde (EIA) wird der Energiebedarf von 2006 bis 2030 um 44% wachsen - und der Kohlendioxid-Ausstoß von 29 auf 40 Milliarden Tonnen. Es könnten aber noch mehr werden - im Jahr 2016 waren es bereits schätzungsweise 35 Milliarden Tonnen.

Der Hauptgrund für den wachsenden Ausstoß von Kohlendioxid liegt in dem stark zunehmenden Energieverbrauch in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Indien und China, der insbesondere bei der Stromerzeugung und der Herstellung von Zement, Aluminium und Flachglas entsteht - alles Wachstumsbranchen. Die größten Kohlendioxid-Produzenten im Jahr 2016 waren laut Statista China mit 28,2%, die USA mit 16,0%, Indien mit 6,2%, Russland mit 4,5%, Japan mit 3,7% und Deutschland mit 2,2% des weltweiten Ausstoßes.

Sowohl in den reicheren als auch in den ärmeren Ländern nimmt der Konsum zu; die Produktion der benötigten Güter führt ebenfalls zu mehr Kohlendioxid. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sehen hier einen großen Nachholbedarf gegenüber den Industrieländern und bewerten deshalb wachsende Konsumausgaben und den damit verbundenen Anstieg des Lebensstandards positiv.

In den kommenden Jahren werden immer mehr PKWs den Kohlendioxid-Ausstoß ansteigen lassen: Laut dem Dritter Teil des UN-Klimaberichts könnte die Zahl der PKWs weltweit von 580 Millionen im Jahr 1997 (mit einem Beitrag zum Treibhauseffekt von rund 18%) auf 1,3 Milliarden im Jahr 2030 und auf 2 Milliarden im Jahr 2050 ansteigen. Die PKW-Verkäufe haben in den letzten Jahren aber schneller zugenommen als erwartet: Im Jahr 2017 dürfte es weltweit bereits mehr als 1,24 Milliarden PKW geben.

Aber auch die Vernichtung der Regenwälder trägt mit 20% zum weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß bei. In Indonesien verursachen die Torfbrände inzwischen Emissionen von 600 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Wissenschaftler des internationalen Global Carbon Project und der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO) errechneten, dass die Entwaldung der Tropen bis zum Jahr 2100 zwischen 87 und 130 Milliarden Tonnen Kohlendioxid verursachen wird. Selbst wenn man hier Zuckerrohr oder Ölpalmen anpflanzt, dauere es 40 bis 120 Jahre, ehe der durch die Rodung bedingte Kohlendioxid-Ausstoß durch Einsparungen bei fossilen Brennstoffen wieder wettgemacht werde - bei Mais oder Sojabohnen würde es sogar 300 bis 1.500 Jahre dauern.

Neben Kohlendioxid tragen auch andere von Menschen produzierte Gase zur Erderwärmung bei. Dazu gehören Methan, Lachgas und Aerosole - insbesondere kleine Rußpartikel in der untersten Atmosphärenschicht (Troposphäre). Dasselbe gilt für die Abwärme: Etwa die Hälfte der von Menschen erzeugten Energie wird zu Abwärme, von der nur der kleinere Teil in den Weltraum abgestrahlt wird. Der größere Teil bleibt hingegen in der unmittelbaren Umgebung.

Einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF und der Allianz-Versicherung zufolge wird der Klimawandel nicht langsam und stetig verlaufen, sondern aufgrund von Rückkoppelungen immer schneller. Beispielsweise werden höhere Temperaturen am Amazonas mehr Wasser verdunsten lassen. Der Regenwald verdorrt, und die toten Bäume setzen Kohlendioxid frei. Zudem wird bei zunehmender Trockenheit mit mehr Feuersbrünsten gerechnet.

Ferner könnte sich der Kohlendioxid-Anstieg beschleunigen, wenn der Permafrostboden weitflächig auftaut. Hier sind rund 1 Billion Tonnen Kohlenstoff gespeichert - seit Beginn der Industrialisierung sind von Menschen "nur" knapp 100 Milliarden Tonnen freigesetzt worden. In Permafrostböden ist außerdem viel Methangas gebunden, das als Klimagas etwa 20- bis 25-mal so wirksam wie Kohlendioxid ist. Methan ist aber auch in gefrorenen Sedimenten auf dem Grund der Weltmeere enthalten. Sollten diese wegen der Erwärmung des Meerwassers auftauen, könnte das freigesetzte Methan die Weltdurchschnittstemperatur um bis zu 6 Grad ansteigen lassen.

Große Mengen von Methan werden außerdem von Nutztieren produziert, deren Zahl aufgrund der wachsenden Nachfrage steigen wird: Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird der Fleischkonsum von derzeit 300 Millionen Tonnen auf 460 Millionen Tonnen im Jahr 2050 zunehmen.

Ferner dürfte in den kommenden Jahren immer weniger Kohlendioxid von den Weltmeeren aufgenommen werden. Bisher bleibt von jeder Tonne des vom Menschen freigesetzten Kohlendioxids die Hälfte bis ein Drittel in der Atmosphäre; der Rest wird von den Ozeanen absorbiert. Das Wasser ist jedoch mit dem gelösten Kohlendioxid zunehmend gesättigt. Laut der südkoreanischen Pohang University of Science and Technology hat sich die Absorption von Kohlendioxid im Japanischen Meer gegenüber der Periode von 1992 bis 1999 bereits halbiert. Zudem sinkt im wärmeren Meer weniger Oberflächenwasser in die Tiefe, verlangsamt sich also die Wasserzirkulation, die das Kohlendioxid in die Tiefe transportiert und nährstoffreicheres Wasser aufsteigen lässt. Letzteres bedeutet weniger Nahrung für Phytoplankton - mit negativen Folgen für die Sauerstoffproduktion der Weltmeere und für die Fischbestände, da Plankton am Anfang der Nahrungskette steht.

Klimawandel

Der wachsende Ausstoß von Kohlendioxid verursacht einem weltweiten Temperaturanstieg - nach den meisten Prognosen um 2 bis 6 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Mit jedem Grad Aufheizung nehmen die tropischen Wirbelstürme um 30% zu. Zugleich geht die durchschnittliche Dicke der Eisschicht in der Arktis zurück. In den letzten 30 Jahren konnte ein signifikanter Rückgang der vom Meereis bedeckten Fläche im September (Meereisminimum) von ca. 13% pro Dekade ermittelt werden. Nach Schätzungen soll die Arktis schon in 20 bis 30 Jahren im Sommer eisfrei sein. Je kleiner die Eisfläche wird, umso weniger Sonnenstrahlen werden reflektiert - auch dadurch wird die Erderwärmung beschleunigt.

Aufgrund des Klimawandels steigt der Meeresspiegel um 3,2 mm pro Jahr. Zur Jahrhundertwende könnte er zwischen einem halben und 2 Metern höher liegen als heute. Der Anstieg wird zu etwa 40% durch das Schmelzen von Inlandeis und zu etwa 60% durch die mit dem Temperaturanstieg verbundene Ausdehnung des Meerwassers verursacht.

Bis 2100 könnten erhöhte globale Temperaturen und Dürren bis zu 70% des Amazonas-Regenwaldes vernichten; er würde durch Gras- und Strauchsavannen ersetzt werden. In Südeuropa, im Südwesten der USA, in Südwestasien, in Sub-Sahara-Arika, im Mittleren Osten und in weiten Teilen Australiens könnten Trockenperioden spätestens ab 2050 das regionale Klima bestimmen und zu mehr Wald- bzw. Buschbränden und zu Ernteeinbußen führen. Hingegen steigt die Überschwemmungsgefahr z.B. im Westen Südamerikas, in Ostchina sowie im Norden Australiens und Neuseelands. In gemäßigten Regionen Südamerikas, in Kanada und in Nordeuropa wird der Klimawandel zu einer Vergrößerung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen und zu höheren Ernteerträgen führen. Zudem wachsen manche Pflanzen schneller bei höheren Kohlendioxid-Konzentrationen.

Der Klimawandel wird den größten Schaden in armen Ländern anrichten, die einerseits ihn nur zum kleineren Teil verursacht haben und andererseits über die geringsten Ressourcen für eine Anpassung verfügen. Alleine das Abschmelzen der Himalaya-Gletscher würde 1 Milliarde Menschen mit Wassermangel konfrontieren. In Indien wären 70% der Bevölkerung von Dürren unmittelbar betroffen, weil ihre Existenz von der Landwirtschaft abhängt. In Nordchina werden sich wüstenähnliche Gebiete weiter ausbreiten.

Dem UN-Klimabericht zufolge könnten Dürren, aber auch Überschwemmungen, in vielen afrikanischen, zentralasiatischen und südostasiatischen Ländern zu staatlichem Zerfall und großen Bevölkerungswanderungen führen. So geht das UN-Flüchtlingshilfswerk von rund 250 Millionen Klimaflüchtlingen bis zum Jahr 2050 aus. Damit kämen zu den jährlich 10 Millionen Flüchtlingen in Obhut des UNHCR weitere 6 Millionen hinzu. Nach einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung könnte aufgrund des Klimawandels die Zahl schwacher und fragiler Staaten zunehmen und sich die Häufigkeit von Verteilungskonflikten erhöhen.

Der Versicherungskonzern Allianz und die Umweltstiftung WWF rechnen aufgrund des Klimawandels mit Schäden in Billionen-Höhe. Alleine der Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter bedrohe 136 Millionenstädte an den Küsten und gefährde Vermögenswerte von mehr als 18 Billionen Euro. Sogar ganze Staaten könnten von der Erdoberfläche verschwinden: Beispielsweise bestehen die Malediven aus 1.196 Inseln, deren höchste Erhebung 2,40 m über dem Meeresspiegel liegt. Sollte dieser auch nur um einen halben Meter ansteigen, würde ein Großteil der Inseln unbewohnbar. Die Erderwärmung hat schon jetzt dazu geführt, dass in Ländern wie Bangladesch Böden und Grundwasser durch den Anstieg des Meeresspiegels versalzen.

Folgen für Deutschland

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland dürften aber relativ gering sein: Nach langfristigen Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird die Jahresmitteltemperatur bis 2100 um bis zu 4 Grad steigen. So werden die Sommer heißer und trockener werden. Bis zum Jahr 2050 rechnet der DWD in Südwestdeutschland, dem Rheinland sowie den Regionen Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit jährlich 3 bis 15 zusätzlichen Hitzetagen mit über 30 Grad im Schatten. Bis zum Jahr 2100 könnten es in Süddeutschland sogar 30 zusätzliche Hitzetage sein - und damit rund doppelt so viele wie heute. Steigende Todesraten durch Hitzekollaps oder Herzinfarkt sowie die Schädigung der Bronchien und Lunge durch Ozon und Smog dürften zu den Folgen gehören. Auch lässt die Leistungsfähigkeit von Erwerbstätigen bei hohen Temperaturen rapide nach.

Bisher nur im Süden bekannte Krankheiten wie z.B. Malaria werden mit der Verschiebung der Klimazonen gen Deutschland vorrücken. Auch ist in Zukunft mit einer größeren Verbreitung von Frühsommer-Meningoenzephalitis und Borreliose, von Magen-Darm-Krankheiten, Allergien und Hautkrebs zu rechnen. Für die EU wird von einer Zunahme der Sterblichkeit um 1 bis 4% pro Grad der Erwärmung ausgegangen.

Unter der Trockenheit werden die Schifffahrt und vor allem die Kraftwerksbetreiber leiden: Über die Hälfte des aus der Natur entnommenen Wassers wird in Deutschland von der Energiewirtschaft verbraucht. Steht nicht genügend Flusswasser zum Kühlen zur Verfügung, müssten einige Kraftwerke abgeschaltet werden, sodass es zu Stromausfällen kommen wird. Gleichzeitig wird ein steigender Energieaufwand für Klimaanlagen erwartet.

Ferner können Hitze und Trockenheit regional zu Ernteeinbußen führen. Die Landwirtschaft kann aber trotzdem mit steigenden Erträgen rechnen, da neue Getreidearten gezüchtet werden, die mit weniger Wasser auskommen und resistenter gegen Hitze sind. Auch könnte es zu einem Fichtensterben in den Wäldern kommen. Wärme- und trockenheitstolerante Baumarten wie Buche, Eiche oder Ahorn werden zunehmend Nadelbäume ersetzen. Waldbrände werden häufiger werden, und Schädlinge wie Eichenprozessionsspinner und Borkenkäfer werden zu einer noch größeren Plage werden.

Laut dem Bundesamt für Naturschutz könnten 5 bis 30% der einheimischen Spezies wegen des Klimawandels verschwinden. Jedoch wandern immer mehr Arten aus Südeuropa und anderen Regionen zu (z.B. Bienenfresser, Feuerlibellen, Sandmücken, Purpurreiher, goldgelbe Laufkäfer), bleiben ehemalige "Sommergäste" wie Stare, Stieglitz oder Kiebitz bereits über den Winter in Deutschland.

Die Winter werden künftig in Deutschland deutlich milder und feuchter ausfallen als heute; der Heizbedarf wird sinken. Beispielsweise wird sich in Bayern bis zum Jahr 2050 die Zahl der Tage mit Dauerfrost halbieren. Es wird aber mit schweren Stürmen und sintflutartigen Regenfällen im Winter gerechnet, verbunden mit Hochwasser und Murenabgängen in den Bergen. Mangels Frost und Schnee wird der Wintersport in große Bedrängnis kommen: Der Klimaforscher Christoph Schneider von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule geht davon aus, dass zwischen 2020 und 2030 die Zahl der Schneetage in Lagen unter 900 Meter aufgrund des Klimawandels erheblich zurückgehen wird. Spätestens ab dem Jahr 2040 wird es dort keinen kommerziellen Wintersport mehr geben. Dann werden in den Alpen auch Talstationen in 1.200 bis 1.400 Meter Höhe in Bedrängnis geraten.

Außerdem müssen sich die Küstenländer auf höhere Sturmfluten einstellen. Das Forschungszentrum Geesthacht geht davon aus, dass Sturmfluten an der Nordsee bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 1,1 Meter höher sein könnten als bisher. Der derzeitige Küstenschutz müsse spätestens ab 2030 verbessert werden. Der Umweltorganisation WWF zufolge könnte der Meeresspiegel bis 2050 um 55 cm steigen. Dadurch würden wertvolle Lebensräume wie Salzwiesen, Auwälder und Flachwasserzonen in den Flussmündungen von Elbe, Weser, Ems und Eider verloren gehen. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter würden an der Nord- und Ostsee 14.000 Quadratkilometer Küste und Hinterland unter der Wasserlinie liegen - derzeit Lebensraum von mehr als 3 Millionen Menschen.

Es gibt allerdings auch ein negativeres Szenario für Europa: So könnte ein durch die Erwärmung der Atmosphäre bedingtes Zusammenbrechen des Golfstroms zu einer neuen "Eiszeit" führen. Diese könnte innerhalb von drei Jahren einsetzen und z.B. Skandinavien in eine Eiswüste verwandeln. Schließlich liegt Europa auf den gleichen Breitengraden wie Mittelsibirien, Südgrönland und Nordkanada...

Einige Fachleute negieren den Klimawandel bzw. die damit verbundenen Folgen. Sie verweisen z.B. darauf, dass allein in den letzten 2.000 Jahren mehrere Phasen der Erderwärmung bzw. -abkühlung beobachtet wurden. So war die Weltdurchschnittstemperatur zur Römerzeit und während der mittelalterlichen Wärmeperiode höher als heute. Vor zuletzt 6.000 bis 7.000 Jahren war die Arktis sogar periodisch eisfrei. Zudem würden Pflanzen von einem Kohlendioxid-Anstieg in der Atmosphäre profitieren: Zu Zeiten der Dinosaurier war der Anteil des Kohlendioxids drei- bis fünfmal so hoch wie heute - und das Pflanzenwachstum enorm. Dementsprechend würden auch die landwirtschaftlichen Erträge größer sein.

Insbesondere in den USA gibt es einige Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass man in Zukunft die Folgen des Klimawandels durch "Geoengineering" mildern wird - z.B. durch die Reduzierung der Sonneneinstrahlung mit Hilfe des Versprühens kleinster Partikel in der Stratosphäre, durch die Düngung der Ozeane zwecks Förderung des Algenwachstums (benötigt Kohlendioxid) oder durch das Weißstreichen von Dächern (reflektiert Sonnenstrahlen).


Tabellarische Übersicht

Zeitraum Zukunftsentwicklungen

2010-2019

  • CO2-Emissionen steigen um 3,5% pro Jahr
  • Ozon-Werte nehmen um 6% pro Jahrzehnt zu
  • mehr Wetterkatastrophen wegen Klimawandels
  • 43.000 Quadratkilometer Wald werden pro Jahr abgeholzt
  • Waldsterben an der Westküste der USA und Kanadas setzt sich fort
  • Umweltverschmutzung und -zerstörung nehmen in Asien, Afrika und Südamerika stark zu (z.B. immer mehr Abwasser und Müll, mehr saurer Regen, Wasserverschmutzung durch Chemikalien)
  • jedes Jahr sterben etwa 50.000 Spezies wegen Habitat-Zerstörung aus
  • Umweltschutz wird immer mehr zu einem Anliegen der gesamten Bevölkerung - weltweit
  • zunehmende Wasserknappheit in Afrika, Nordchina, Australien, den USA (westlich des Mississippi) und dem Nahen Osten: Dürren mit Ernteausfällen; Gefahr von bewaffneten Konflikten um Wasserrechte

2020-2029

  • 2020: Folgen des Klimawandels: 75 bis 250 Mio. Menschen leiden unter Wassermangel
  • bewässerte Flächen versalzen zunehmend (2020: 20%, 2050: 50% aller Flächen)
  • 2025: Ozonschicht über Europa und Nordamerika vollständig wiederhergestellt
  • Great Barrier Riff ohne Leben
  • viele Inseln der Malediven unter Wasser
  • Kilimandscharo schneefrei

2030-2039

  • 2030: globaler CO2-Ausstoß um mehr als 40% gestiegen
  • 2030: Verbrennung von Kohle für zwei Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich
  • 2030: Kosten des Klimawandels liegen laut EU weltweit bei über 100 Mrd. Euro
  • mehr tropische Wirbelstürme, Tornados, Hitzewellen und andere extreme Wetterereignisse
  • 2030: rund 55% des Amazonas-Regenwaldes zerstört
  • viele Gletscher verschwunden; mehr Bergrutsche, da Felsen nicht mehr durch Permafrost stabilisiert werden
  • Arktis im Sommer eisfrei
  • Aralsee ausgetrocknet
  • Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion weltweit um 2-6% (in China sogar um 12%)

2040-2049

  • Pegel der Nord- und Ostsee viel höher als heute; Sturmfluten laufen höher auf
  • Urlaubsstrände am Mittelmeer überschwemmt
  • viele Südseeinseln überflutet
  • die Nordwestpassage ist zu einer der bedeutendsten Schifffahrtsrouten geworden
  • Deutschland: trockenere und heißere Sommer, Gefahr von Wasserknappheit (Ernteeinbußen, Stromausfall mangels Kühlwassers für Kraftwerke); niederschlagsreichere und wärmere Winter, Gefahr von Überschwemmungen
  • Deutschland: kein kommerzieller Wintersport mehr in Lagen unter 1.000 Metern
  • EU: Zunahme der Sterblichkeit um 1-4% pro Grad der Erwärmung: Kreislaufkollaps, Herzinfarkt, Schädigung der Bronchien und der Lunge durch Ozon usw. treten häufiger auf
  • mehr Allergiker, da Klimaerwärmung und höhere CO2-Werte zur Produktion von mehr und größeren Pollen führen sowie das Wachstum von Schimmelpilzen und die Vermehrung von Hausstaubmilben begünstigen

2050-2059

  • 2050: CO2-Level bei 550 ppm (2013: 400 ppm)
  • 2050: Durchschnittstemperatur um bis zu zwei Grad gestiegen
  • Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter bedroht 136 Millionenstädte und Sachwerte von mehr als 18 Billionen Euro
  • Abschmelzen der Himalaya-Gletscher: 1 Mrd. Menschen leiden unter Wassermangel; weniger landwirtschaftlich nutzbares Land
  • 2050: Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion weltweit um 5-11%
  • Südasien: Mais-, Weizen- und Reisernte wegen des Klimawandels um 10-17% gesunken (1,6 Mrd. Asiaten durch Hungersnöte gefährdet)
  • Dürren bestimmen das Klima in Südeuropa, Irak, Afghanistan, Australien, Kalifornien und anderen Ländern; viele Waldbrände
  • in Europa mehr Infektionskrankheiten durch Erreger, die früher nur in subtropischen Regionen vorkamen
  • etwa 30% der Amphibien, 23% der Säugetiere und 12% der Vögel sind ausgestorben oder vom Aussterben bedroht
  • Aussterben von Pflanzenarten; rund 70% aller Korallenriffe sind zerstört
  • 2050: alle Meere leer gefischt (kein kommerzieller Fischfang mehr möglich)
  • 2050: der Regenwald ist weitgehend abgeholzt
  • bis 2050 etwa 200 Mio. Klimaflüchtlinge
  • bis 2059 könnten sich die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels in Deutschland auf 800 Mrd. Euro summiert haben

2060-2100

  • 2080: Temperatur ist um 2,8 Grad gestiegen
  • 2080: 70 Mio. Afrikaner durch Fluten aufgrund des steigenden Meeresspiegels gefährdet
  • 2080: Weinanbau in Großbritannien; in Südeuropa statt Rebflächen Dattelpalmen, Agaven und Weizenfelder
  • 2100: Durchschnittstemperatur um 3-6 Grad gestiegen
  • 2100: der Meeresspiegel ist um mehr als einen Meter gestiegen: bis zu einem Viertel der Erdbevölkerung von Überflutung betroffen (große Teile von Bangladesch, Indien, Sri Lanka, China, Vietnam und den USA unter Wasser)
  • Grönland ist weitgehend eisfrei; es wird Forst- und Landwirtschaft betrieben
  • Norddeutschland: Sommer um bis zu 5 Grad wärmer, Sommerniederschlag um bis zu 40% niedriger als 2009; Sturmfluten um mehr als 1 Meter höher
  • Süddeutschland: 30 zusätzliche Tage mit über 30 Grad im Schatten; milde Winter mit mehr Niederschlägen und schweren Stürmen
  • 2100: etwa die Hälfte aller Spezies ausgestorben