Martin R. Textor
 
Gesellschaft
Zeitraum Neue Entwicklungen

2010-2019

  • mehr Single-Haushalte
  • weiter ansteigendes Heiratsalter; mehr Eheschließungen zwischen Personen aus verschiedenen Ethnien; mehr gleichgeschlechtliche Paare
  • (karriereorientierte) Paare schieben Wunsch nach Kindern immer weiter hinaus
  • mehr Infertilität, mehr Reproduktionsmedizin
  • mehr "elternreiche" Kinder; mehr Wahlverwandtschaft
  • zunehmender Individualismus, noch mehr Optionen für die Lebensgestaltung
  • Wertewandel, weiter abnehmende Bedeutung tradierter Werte und Kulturformen; Religiosität weitgehend außerhalb der großen Kirchen
  • weiterhin kulturelle Spaltung der Gesellschaft
  • mehr inszenierte Kultur (z.B. Musikfestivals, Events, besondere Kunstausstellungen) und Massenkultur
  • Integration von Migranten weitgehend gescheitert, mehr soziale Spannungen und Kulturkonflikte
  • aus Orientierungslosigkeit wachsendes Interesse an Sekten, extremen Gruppierungen oder radikalen politischen Bewegungen
  • weiter zurückgehendes Vertrauen in Staat und Politik; "Massenflucht" aus Parteien und Gewerkschaften setzt sich fort; mehr Einfluss von Nichtregierungsorganisationen
  • unsicherer Datenschutz, zunehmende Nutzung von Persönlichkeitsprofilen
  • abnehmende Privatheit (soziale Websites <-> Überwachungstechnologien)
  • Internet privat wenig zur Wissensbeschaffung genutzt: überwiegend für Entertainment und Kontaktpflege
  • mehr virtuelle soziale Kontakte, multiple Rollen/ Identitäten in virtuellen Welten und Communities
  • bis 2013: Betreuungsangebote für 35% der unter Dreijährigen
  • Rückgang der Schülerzahlen: Aufgabe von Schulstandorten (mit der Folge längerer Schulwege), Abbau von Mehrzügigkeit, Reduzierung des Bildungsangebots in bevölkerungsärmeren Regionen (weniger Spezialisierungsmöglichkeiten), an vielen Berufsschulen Zusammenfassen von Auszubildende in verschiedenen Berufen zu einer Klasse
  • Bildungssystem verliert weiter an Qualität: zu wenig Abiturienten, zu wenig Studierende, zu viele Studienabbrecher, zu wenig hochqualifizierter Nachwuchs (insb. in Natur- und Ingenieurswissenschaften)
  • etwas bessere Chancen für Kinder aus sozial schwachen Familien und mit Migrationshintergrund dank besonderer Förderprogramme
  • immer mehr universitäre und erwachsenenbildende Kurse (als Videokonferenzen) und Vorträge im Internet
  • mehr Frauen als Männer erreichen höhere Schul- und Hochschulabschlüsse
  • zunehmende Kluft zwischen "wissensnahen" und "wissensfernen" Gruppen
  • zunehmende Armut (Hartz4-Empfänger, Langzeitarbeitslose, Leiharbeiter, Scheinselbständige, Rentner u.a.); mehr überschuldete Haushalte; noch mehr Kinderarmut
  • weniger Bedarf an - und Geld für - kulturelle Einrichtungen, außerschulische Bildungsstätten, Sport- und Erholungsanlagen
  • Vergötterung des Körpers: Sport, Fitness, Beauty, Wellness
  • weitere Ökonomisierung und staatliche Regulierung sozialer Dienstleistungen
  • bipolare Städte: zwischen Wohnungsnot und Wohnungsleerstand, zwischen Wohlstands- und prekären Stadtteilen, zwischen deutschen und ethnischen Quartieren
  • zunehmender Bedarf an altengerechten Wohnungen

2020-2029

  • 2020: Bundesländer dürfen keine Schulden mehr machen - außer in Notlagen
  • mehr strukturelle Kinderfeindlichkeit, da Kinder immer seltener werden
  • mehr Vier- und Fünfgenerationenfamilien: zunehmende Bedeutung vertikaler Beziehungen
  • 2020: die Hälfte der Deutschen nutzt soziale Netzwerke im Internet
  • 2020: Standardrente (nach 45 Arbeitsjahren mit Durchschnittseinkommen): ca. 1.280 Euro. Rentenbeiträge liegen deutlich über 20%
  • Gesundheitszustand der (insb. älteren) Menschen verbessert sich weiter (gesunder Lebensstil, mehr Sport/ Fitness), aber mehr Übergewichtige
  • bis 2020: Ausgaben für Gesundheitsleistungen wachsen um 74%; Beschneidung der Ansprüche zu erwarten
  • bis 2020: Zahl der Pflegebedürftigen steigt von 2,13 Mio. (2005) auf 2,8 Mio. Menschen; höhere Beiträge zur Pflegeversicherung nötig
  • mehr geriatrische und gerontopsychiatrische Abteilungen und Pflegebetten in Krankenhäusern
  • immer mehr alte Menschen leben und sterben alleine: Herausforderung für Altenarbeit und Hospizbewegung
  • passive Sterbehilfe - und auch aktive?
  • mehr Alten- und Pflegeheime, mehr Tages- und Kurzzeitpflegeplätze, mehr Sozialstationen, mehr pflegerische, hauswirtschaftliche und Mahlzeitendienste
  • mehr Begegnungs-, Freizeit-, Kultur-, Service- und Beratungsstellen für Senioren
  • bis 2020: rund 1,4 Millionen leerstehende Wohnungen müssen in Ostdeutschland abgerissen werden
  • zunehmender Wertverlust bei Eigenheimen und Eigentumswohnungen; viele können nicht mehr verkauft werden
  • 2025: Schuldenstand der Bundesrepublik Deutschland inklusive der Zahlungsverpflichtungen für Sozialversicherungen könnte von derzeit 70% auf knapp 100% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sein
  • bis 2025 schrumpfen immer mehr Städte und Gemeinden; in Ostdeutschland nimmt die Bevölkerung um bis zu 10% ab (die Zahl junger Erwerbstätiger sogar um bis zu 30%)
  • Wissen und das Beherrschen der Kulturtechniken werden immer weniger wichtig; Kreativität, Produktivität, Führungsfähigkeiten und interpersonale Kompetenzen werden wichtiger
  • 2025: mehr als 95% der Deutschen nutzen Internet
  • Ende der Privatsphäre: Unmengen an Daten (insbesondere aus dem Internet) über den einzelnen Menschen gespeichert; Aufenthaltsort bei eingeschaltetem Handy, Laptop oder Computer bekannt
  • 2025: viel mehr Diabetiker als heute; Kosten sind von 30 Mrd. (2009) auf ca. 240 Mrd. Euro gestiegen
  • bis 2025 könnte mehr als die Hälfte der Deutschen ohne Konfession sein (2005: jeder dritte Deutsche)
  • mehr soziale Spannungen zwischen Arm und Reich
  • Konflikte zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und neuen Migranten

2030-2039

  • Chancengleichheit zwischen West- und Ostdeutschland erst jetzt erreicht
  • 2030: 40% der Berufseinsteiger haben einen Migrationshintergrund
  • 2030: Menschen ab 55 Jahren bilden die Hälfte der Wählerschaft
  • 2030: der Altenquotient für das Renteneintrittsalter von 65 Jahren - die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen von 20 bis unter 65 Jahren - wird von derzeit 32 auf 50 oder 52 steigen
  • 2030: die Sozialabgaben werden auf mehr als 50% des Lohns ansteigen, wenn die Leistungen der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungen so hoch blieben wie 2010. Dazu kämen noch die Steuern...
  • bis 2030: Zahl der Pensionäre wird von 900.000 auf mehr als 1,5 Mio. steigen; stark reduzierte Pensionen zu erwarten
  • 2030: jeder vierte über 60-Jährige hat einen Migrationshintergrund (häufig Moslems)
  • immer mehr Menschen sind noch nach dem 65. Lebensjahr erwerbstätig
  • bis 2030 Anstieg der Zahl der Demenzkranken von 1 auf 1,5 Mio. Menschen
  • Zahl der Hautkrebsdiagnosen mit 280.000 pro Jahr doppelt so hoch wie 2009
  • Google will bis 2030 alle Bücher, die keinen Urheberschutz haben, einscannen und ihre Nutzung kostenfrei anbieten
  • 2030: Zahl der Mitglieder der Katholischen Kirche auf rund 20 Mio. und der Evangelischen Kirche auf ca. 17 Mio. gesunken. Starker Rückgang der Kirchensteuereinnahmen, zumal ein höherer Prozentsatz der Mitglieder als 2010 im Rentenalter ist
  • überwiegend Patchworkfamilien
  • Neubestimmung der Lebensqualität: gut leben statt viel haben, lieber gesund und glücklich sein als reich
  • mehr Wellnessreisen, Ökotourismus und "Voluntourism" (soziales Engagement im Urlaub)

2040-2049

  • 2040: mehr als 50% der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund
  • 2040: rund 100.000 Hunderjährige leben in Deutschland
  • 2040: mehr als 70 Rentner auf 100 Erwerbstätige
  • 100% der Rente muss versteuert werden
  • weiter zunehmende Altersarmut, zumal Rentenniveau auf ca. 40% sinken dürfte
  • Sicherheit privater Altersvorsorge zunehmend abhängig von der Wirtschaftsentwicklung, dem Realwerterhalt und der Liquidierbarkeit von Kapitalanlagen
  • 2040: 3,4 Mio. Pflegebedürftige (2009: 2,2 Mio.)
  • weitere Beschneidung der Ansprüche gegenüber Kranken- und Pflegeversicherung zu erwarten

2050-2059

  • 2050: Zahl der Einwohner sinkt von 82,4 Mio. (2008) auf knapp 69 bis 74 Mio.
  • 2050: der Altenquotient für das Renteneintrittsalter von 65 Jahren - die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen von 20 bis unter 65 Jahren - wird von derzeit 32 auf 60 bis 64 steigen
  • bis 2050: Anstieg der Lebenserwartung von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer auf 88 Jahre für Frauen und 84 Jahre für Männer
  • bis 2050 Anstieg der Zahl der Ruheständler von rund 915.000 (2005) auf etwa 1,6 Mio. und der Pensionen von 34 Mrd. (2002) auf 91,5 Mrd. Euro
  • 2050: Zahl der Demenzkranken beträgt 1,5 bis 3 Mio. Menschen
  • 2050: mehr als 4 Mio. Personen sind pflegebedürftig
  • 2050: der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung könnte bei 24,1%, zur Krankenversicherung bei etwa 25% und zur Pflegeversicherung bei 2,5% liegen
  • 2050: bleibt der Bundeszuschuss bei einem Drittel der Ausgaben, wird die reale Monatsrente von Standardrentnern nur 1.170 Euro betragen - 12 Euro mehr als 2006
  • 2050: Schuldenstand der Bundesrepublik Deutschland inklusive der Zahlungsverpflichtungen für Sozialversicherungen könnte von derzeit 70% auf knapp 240% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen sein
  • 2059: Zahl der Einwohner auf 65 bis 70 Mio. gesunken; jeder Siebte ist 80 Jahre alt und älter

Anhang