Martin R. Textor
 
Bevölkerung und Gesellschaft

Gliederung:
Demographischer Wandel
Regionale Bevölkerungsentwicklung
Alterung der Bevölkerung
Krankheiten und Pflegebedürftigkeit
Einstellungen und Ängste
Lebensgestaltung
Wohnen
Ehe und Familie
Das Glück der Menschen
Tabellarische Übersicht

Demographischer Wandel

Im Jahr 2013 lebten in Deutschland 80,8 Millionen Menschen. Laut der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von 2015 werden es 2030 zwischen 79,2 und 80,9 Millionen sowie 2060 zwischen 67,6 und 73,1 Millionen sein. Die Unterschiede zwischen den Zahlen ergeben sich dadurch, dass bei der (unteren) Variante 1 von einer Nettozuwanderung von 130.000 Menschen pro Jahr und bei der (oberen) Variante 2 von jährlich 230.000 Menschen ausgegangen wird. Weitere Annahmen sind eine gleich bleibende Geburtenziffer (d.h. Zahl der Kinder pro Frau) von 1,4 und ein moderater Anstieg der Lebenserwartung von männlichen Neugeborenen auf 84,8 Jahre und von weiblichen Neugeborenen auf 88,8 Jahre im Jahr 2060. Die prognostizierten Bevölkerungszahlen würden sich also ebenfalls ändern, wenn man Geburtenziffer oder Lebenserwartung variieren würde.

Dieser Bevölkerungsrückgang wird unaufhaltsam sein, weil in den kommenden Jahren immer kleinere Geburtsjahrgänge Familien gründen werden. Bei gleich bleibender Geburtenhäufigkeit von 1,5 Kindern pro Frau wird deshalb die Zahl der Geburten bis 2060 stetig sinken. Da gleichzeitig immer mehr Menschen aus geburtenstarken Jahrgängen sterben werden, wird das Geburtendefizit, also der Überschuss der Sterbefälle über die Geburten, von knapp 200.000 auf 450.000 bis 500.000 im Jahr 2060 zunehmen. Der Bevölkerungsrückgang kann weder durch Zuwanderungsüberschüsse aus dem Ausland noch durch eine etwas höhere Kinderzahl je Frau nennenswert begrenzt werden.

Der größte Unsicherheitsfaktor bei den Varianten 1 und 2 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung liegt in den Annahmen zur jährlichen Nettozuwanderung. So hat sich der Wanderungsgewinn in den letzten fünf Jahren vervierfacht und liegt nun bei ca. 500.000 Menschen im Jahr (2010: 127.677 Personen). Die in Variante 1 vorausgesetzte Nettozuwanderung von 130.000 Menschen pro Jahr beruht auf der Annahme, dass der Wanderungsgewinn von 500.000 im Jahr 2014 auf 100.000 Personen im Jahr 2021 sinken und dann bis 2060 konstant bleiben wird. Bei der Variante 2 wird von einem Rückgang auf 200.000 Menschen im Jahr 2021 ausgegangen (danach konstant). Diese Annahmen sind recht gewagt: Selbst wenn die Zahl der Zuwanderer aus anderen EU-Staaten (derzeit zwei Drittel aller Migranten) aufgrund der dortigen demographischen Entwicklung (Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung) sinken sollte, könnte der Zustrom von Bürgerkriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen weiter zunehmen. So steigt die Zahl der Asylsuchenden stark an: Während im Jahr 2014 nur 173.072 Asylerstanträge gestellt wurden, waren es 441.899 im Jahr 2015 und sogar 722.370 im Jahr 2016.

Deshalb legte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Jahr 2016 eine verlässlichere Prognose vor. Hier wurde von einer Nettozuwanderung von 850.000 Personen in Jahr 2016 und 693.000 Personen im Jahr 2017 ausgegangen, die langfristig auf 218.000 Personen zurückgehen werde. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungszunahme von 81,2 Millionen Personen am Jahresende 2014 auf 83,9 Millionen Menschen im Jahr 2022. Erst ab 2028 wird die Bevölkerung leicht bis auf 83,1 Millionen Personen im Jahr 2035 schrumpfen.

In den kommenden Jahren will die Wirtschaft immer mehr Fachkräfte im Ausland anwerben, um den bereits spürbaren Arbeitskräftemangel zu kompensieren (zurückgehende Zahl der Menschen im Erwerbsalter). Im Gegensatz zu früher wandern schon jetzt mehr Ausländer mit einem akademischen Abschluss ein; der Anteil der Migranten ohne Berufsabschluss ist auf weniger als ein Viertel gesunken. Diese Angaben stammen aber noch aus der Zeit vor der großen Flüchtlingswelle von 2015/16. Inzwischen hat in der Bundesrepublik fast ein Drittel aller Familien mit Kindern unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund, d.h. mindestens ein Elternteil hat ausländische Wurzeln. Im Jahr 2020 werden etwa 40% der unter 25-Jährigen einen Migrationshintergrund haben.

In den kommenden Jahren werden also noch viele Ausländer zuwandern, da für Deutschland mehr Wirtschaftswachstum als für andere EU-Staaten erwartet wird, die politische und wirtschaftliche Situation in vielen (vorder-) asiatischen und (nord-) afrikanischen Ländern angespannt bleiben dürfte und mit mehr Klimaflüchtlingen zu rechnen ist. Asylanten und Flüchtlinge werden weiterhin hohe Kosten verursachen, die eine rasch alternde Gesellschaft immer schwerer aufbringen kann. Auch könnte der wachsende Anteil von Migranten an der Bevölkerung zu mehr Fremdenfeindlichkeit und Konflikten mit Deutschen führen.

Regionale Bevölkerungsentwicklung

Aus den neuen Bundesländern ziehen immer mehr Menschen weg. Die ländlichen Regionen sind besonders betroffen, nicht aber Städte wie Potsdam, Dresden, Erfurt, Leipzig, Jena und Rostock. Da vor allem junge Menschen - und mehr Frauen als Männer - abwandern, wird es in den kommenden Jahrzehnten zu einem zusätzlichen Geburtenrückgang kommen: Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung von 16,5 auf unter 9 Millionen fallen (Abwärtsspirale).

Den sieben ostdeutschen Mitgliederverbänden im Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen zufolge müssen aufgrund des Bevölkerungsrückgangs alleine bis 2020 rund 1,4 Millionen leer stehende Wohnungen abgerissen werden. In vielen Dörfern gibt es schon jetzt keine Geschäfte, Ärzte, Apotheken und Kneipen mehr - das Wohnen dort ist nicht mehr "lebenswert". Aber sie sind mit neuen Straßen miteinander und mit den Städten verbunden. Andreas Knie, Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, fragt provokant, wer bei dem starken Bevölkerungsrückgang wohl in Zukunft die vielen Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in den neuen Ländern befahren soll...

Aber auch in Schleswig-Holstein, im Saarland sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens, Bayerns und Niedersachsens wird die Bevölkerung stark zurückgehen. Dies wird wie in Ostdeutschland zu fallenden Immobilienpreisen führen - viele Mietwohnungen werden leer stehen oder abgerissen werden, Eigenheime und Eigentumswohnungen werden immer schwerer und zumeist nur mit Verlust verkauft werden können. So werden dort lebende Menschen niedrigere Mieten als heute zahlen bzw. preisgünstiger Wohneigentum erwerben können. Allerdings werden auch hier Infrastruktur- und Dienstleistungen reduziert werden, während die Versorgungsgebühren ansteigen werden, da die Anlagen nicht mehr ausgelastet sind und weniger Einwohner für Reparaturen und Ersatzinvestitionen aufkommen. Zudem sind viele Orte schon jetzt nicht mehr an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden, was z.B. für Senioren, die nicht mehr Auto fahren können, ein großes Problem darstellt.

Hingegen werden die Ballungsräume Hamburg, Rhein-Main, Stuttgart, München, Hannover und Berlin in den nächsten Jahren eine weitere Bevölkerungszunahme erfahren. Hier wandern jüngere, besser qualifizierte Menschen zu, und so werden Unternehmen vor allem in diesen Wachstumszentren neue Arbeitsplätze schaffen (Aufwärtsspirale). Allerdings werden die Lebenshaltungskosten weit über dem Durchschnitt liegen. Auch die Immobilienpreise und Mieten werden weiterhin hoch bleiben oder sogar noch steigen. Allein in Bayern besteht nach einer Prognose des Forschungsinstituts empirica AG bis zum Jahr 2025 einen Neubaubedarf von 915.000 Wohnungen. Diese Regionen werden im Gegensatz zu Ostdeutschland mit Straßen und Schienen völlig unterversorgt sein. So werden hier weiterhin hohe Staukosten entstehen.

Da die Berufsaussichten, die Einkaufsmöglichkeiten, die medizinische Versorgung und die Freizeitangebote in den Städten besser sind, wird die Urbanisierung weiter zunehmen. Zudem ziehen mehr Senioren in die Städte zurück, während für viele junge Paare das "Eigenheim im Grünen" nicht mehr die ideale Wohnform ist, weil sie beruflich mobil bleiben wollen und für sie die Vorteile des Stadtlebens überwiegen - selbst nach der Familiengründung (z.B. bessere Kinderbetreuungsangebote, mehr Schulformen, kürzere Wege zum Arbeitsplatz).

Aufgrund der zunehmenden Aufspaltung des Arbeitsmarktes in sehr gut und eher schlecht Verdienende werden auch die Städte "bipolar" werden: Es wird einerseits reiche Stadtteile sowie andererseits arme Viertel und soziale Brennpunkte geben. Vermutlich werden sich deutsche und ethnische Quartiere mit schon jetzt drastisch unterschiedlichen Lebensbedingungen noch stärker voneinander abgrenzen. Menschen mit Migrationshintergrund werden auch in Zukunft eher in Städten leben, häufiger in Miethaushalten wohnen und über weniger Wohnraum - mit einer schlechteren Ausstattung (z.B. im technischen Bereich) - verfügen als Deutsche. Die Bildungschancen ihrer Kinder werden sich aufgrund besonderer Förderprogramme verbessern, aber vor allem bei Zugehörigkeit zur Unterschicht weiterhin unterdurchschnittlich sein. Kinder mit Migrationshintergrund werden aufgrund der sozialräumlichen Polarisierung der Wohnviertel auch andere Kindertageseinrichtungen und (Grund-) Schulen besuchen als Kinder aus der Mittelschicht.

Alterung der Bevölkerung

In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Altersstruktur der Gesellschaft stark verändern. Laut der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von 2015 waren 49,2 Millionen Menschen im Jahr 2013 im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren. Ihre Zahl wird laut nachstehender Tabelle bei einer Nettozuwanderung von 130.000 Menschen pro Jahr auf 34,4 Millionen im Jahr 2060 zurückgehen (Variante 1). Bei einer Nettozuwanderung von 230.000 Menschen pro Jahr wird es 2060 hingegen noch 37,9 Millionen Menschen im Erwerbsalter geben (Variante 2). Auch der Anteil von Menschen unter 20 Jahren wird sinken, und zwar von 14,7 auf 10,9 (Variante 1) bzw. 12,0 Millionen (Variante 2).

Hingegen wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren rasant ansteigen, weil nach 2020 die geburtenstarken Jahrgänge in dieses Alter kommen werden. Sie wird von 16,9 Millionen (2013) auf 22,3 Millionen (Variante 1) bzw. 23,2 Millionen (Variante 2) im Jahr 2060 zunehmen. Diese Entwicklung ist unausweichlich; eine Erhöhung der Zuwanderung über 230.000 Personen pro Jahr hinaus oder eine Steigerung der Geburtenrate auf über 1,4 Kinder pro Frau könnte nur zu einer geringen Abschwächung führen. Eine noch geringere Geburtenziffer oder ein schnellerer Anstieg der Lebenserwartung über die für 2060 angenommenen 84,8 Jahre für Männer bzw. 88,8 Jahre für Frauen hinaus würde hingegen den Trend verschärfen.

Prognose der Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland (13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung)
Jahr Variante unter 20-Jährige 20- bis 64-Jährige 65-Jährige und Ältere

Zahl

Anteil

Zahl

Anteil

Zahl

Anteil

2013

1

14,7

18,2%

49,2

61,0%

16,9

20,9%

2

14,7

18,2%

49,2

61,0%

16,9

20,9%

2020

1

14,3

17,6%

48,8

59,9%

18,4

22,5%

2

14,4

17,6%

49,2

60,0%

18,4

22,4%

2030

1

13,8

17,5%

43,6

55,0%

21,8

27,5%

2

14,2

17,6%

44,8

55,4%

21,9

27,0%

2040

1

12,6

16,6%

40,2

52,9%

23,2

30,5%

2

13,3

16,8%

42,3

53,6%

23,4

29,6%

2050

1

11,4

15,9%

37,7

52,5%

22,7

31,6%

2

12,3

16,2%

40,6

53,4%

23,2

30,4%

2060

1

10,9

16,2%

34,4

50,8%

22,3

33,0%

2

12,0

16,4%

37,9

51,9%

23,2

31,7%

Im Jahr 2060 wird jeder Dritte mindestens 65 Jahre alt sein - und jeder Siebte wird sogar 80 Jahre oder älter sein. Bedenkt man die hohe Lebenserwartung und den guten Gesundheitszustand vieler Senioren, so ist nicht verwunderlich, dass sich 67% der 65- bis 74-Jährigen laut der Generali Altersstudie von 2012 nicht als "alte Menschen" bezeichnen. Die meisten Senioren führen ein aktives Leben: Sie verbringen z.B. viel Zeit mit ihren Hobbys sowie mit ihren Kindern und Enkeln. Im Durchschnitt sind sie an fünf Tagen der Woche unterwegs. Außerdem sind rund 45% der Befragten für ca. vier Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig. Die meisten Senioren sind laut der Umfrage mit ihrer materiellen Situation, ihrer Wohnsituation und ihrem Leben zufrieden. In den kommenden Jahren wird sich die Gruppe der über 65-Jährigen weiter aufspalten: In "junge Senioren", "rüstig Gebliebene" und "Hochbetagte" - mit ganz unterschiedlichen Lebensstilen und -umständen.

Mit der Alterung der Bevölkerung wird der Altenquotient - die Anzahl der Menschen im Rentenalter je 100 Personen im Erwerbsalter - erheblich zunehmen. Im Jahr 2013 kamen laut der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung 34 Senioren im Alter von 65 Jahren und mehr auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. Ihre Zahl wird laut Variante 1 (Nettozuwanderung von jährlich 130.000 Menschen bis 2060) auf 56 im Jahr 2035 und 65 im Jahr 2060 ansteigen. Bei Variante 2 (Nettozuwanderung von 230.000 Menschen) wird der Altenquotient etwas niedriger sein; er wird auf 55 im Jahr 2035 und 61 im Jahr 2060 zunehmen. Selbst bei einer Altersgrenze von 67 Jahren wird der Altenquotient von 30 (2013) auf 57 (Variante 1) bzw. 54 (Variante 2) im Jahr 2060 steigen.

Im Jahr 2013 mussten 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter für 30 Kinder bzw. Jugendliche und 34 Senioren aufkommen. Es ist offensichtlich, dass sie schon 2030 nicht im gleichen Maße wie heute für dann 32 Kinder und 50 Senioren sorgen können - geschweige denn 2060 für 32 Kinder und 65 alte Menschen (Variante 1; die Zahlen für Variante 2 lauten 32 und 49 für 2030 sowie 32 und 61 für 2060). Wenn man bedenkt, dass nicht alle Menschen zwischen 20 und 64 Jahren voll erwerbstätig sind, sondern manche noch eine Ausbildung machen oder studieren, andere arbeitslos sind oder nur wenig verdienen, und wieder andere sich in der Familienphase befinden, dann geht die Tendenz dahin, dass Mitte dieses Jahrhunderts ein Arbeitnehmer fast alleine für einen Rentner aufkommen müsste.

Dies ist natürlich nicht möglich. So ist es in den kommenden Jahrzehnten unausweichlich, dass Menschen weit über ihr 65. Lebensjahr hinaus arbeiten müssen - es wird nicht länger möglich sein, dass Senioren wie 2014 im Durchschnitt 17,2 Jahre lang Rente beziehen, und Seniorinnen sogar 21,4 Jahre lang. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) müsste deshalb das Renteneintrittsalter weiter erhöht werden: bis 2030 auf 69 Jahre und bis 2041 auf 73 Jahre.

Außerdem sind Rentenansprüche stark gekürzt worden. So wird das Standardrentenniveau von 47,2% (2010) auf 43,0% (2030) sinken. Für viele Senioren - insbesondere solche, die während ihrer Erwerbstätigkeit wenig verdient haben oder längere Zeit arbeitslos waren - wird die Rente dann nicht mehr ausreichen. Laut Recherchen des Westdeutschen Rundfunks werden im Jahr 2030 fast 50% der Menschen, die in den Ruhestand eintreten, eine Rente erhalten, die nicht über dem Hartz IV-Niveau liegen wird. Sie werden dann ein Recht auf Grundsicherung im Alter haben (Ende 2016 erhielten bereits fast 526.000 Rentner Grundsicherung). Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Ausgaben hierfür zwischen 2016 und 2020 von 6,5 auf 8,8 Milliarden Euro ansteigen werden, also um 35%.

Im Jahr 2016 galten laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) 14,8% aller Senioren als arm; ihr Anteil wird also weiter zunehmen. Immer mehr Senioren werden soziale Grundsicherung beantragen oder jobben müssen (im Jahr 2015 hatten bereits knapp 904.000 Rentner einen Minijob). Wer nicht privat vorgesorgt hat oder über Vermögen verfügt, wird sich mit einem geringeren Lebensstandard abfinden müssen. Aber auch Vermögende werden unter Umständen feststellen, dass sie für ihre Aktien und Immobilien weniger als erwartet bekommen, da es mehr Verkäufer als Käufer geben könnte - was die Preise drücken würde. So ist es nicht verwunderlich, dass sich laut dem Institut für Demoskopie Allensbach bereits 55% der Deutschen Sorgen machen, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. Besonders problematisch könnte in Zukunft die Situation von älteren Menschen mit niedrigen Renten sein, die von Behinderung, psychischer Erkrankung oder Demenz betroffen - also pflegebedürftig - sind, da hier zusätzliche Kosten entstehen.

Wie hoch die Renten in Zukunft sein werden, wird weitgehend von der Wirtschaftsentwicklung abhängen. Verläuft sie positiv, könnten nahezu alle Menschen im erwerbsfähigen Alter berufstätig sein, also Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Selbst dann werden schon um das Jahr 2020 herum die Rentenversicherungsbeiträge deutlich über 20% steigen - und auch die Beiträge für Krankenkassen und Pflegeversicherung werden erhöht werden müssen, da die wachsende Anzahl älterer Menschen mehr Kosten verursachen wird.

Hinzu kommt, dass aufgrund der zurückgehenden Zahl der Erwerbstätigen auch die Steuereinnahmen sinken dürften. So geht das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln davon aus, dass z.B. das Einkommensteueraufkommen - gemessen in heutigen Preisen - von 281 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 263 Milliarden Euro im Jahr 2035 abnehmen wird. Im gleichen Zeitraum dürften die Sozialbeiträge von 330 auf 322 Milliarden Euro sinken. Sollten die Staatsausgaben steigen - z.B. wegen höherer Zuschüsse zu den Sozialversicherungen oder einer wachsenden Zahl von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen - könnten Steuererhöhungen zum Ausgleich des Defizits nötig werden.

So werden die Menschen ab 2020 weniger Geld für den Konsum haben: Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung könnten die Konsumausgaben 2050 mit 935 Milliarden Euro unter dem heutigen Niveau liegen. Damit wird die innerdeutsche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sinken. Die Unternehmen werden die steigenden Sozialversicherungsbeiträge in die Preise hinein rechnen müssen, was den Export in außereuropäische Länder erschweren dürfte. Die zurückgehende Nachfrage, sinkende Investitionen sowie die mangels junger, kreativer Arbeitskräfte geringere Innovationsfähigkeit und kaum noch wachsende Produktivität könnten dazu führen, dass viele Unternehmen abwandern und die Wirtschaft stagniert oder sogar schrumpft.

Krankheiten und Pflegebedürftigkeit

Die Alterung der deutschen Bevölkerung wird laut Fritz Beske, Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel, dazu führen, dass bis 2050 die Zahl der Menschen mit Lungenentzündung um 149%, mit altersbedingter Makuladegeneration um 125%, mit Demenz um 104%, mit Oberschenkelhalsfrakturen um 88%, mit Herzinfarkt um 75%, mit Schlaganfall um 62%, mit Krebs um 27%, mit Osteoporose um 26% und mit Diabetes mellitus um 22% gegenüber dem Jahr 2007 ansteigen wird. So gehen Schätzungen davon aus, dass die Zahl der Belegungstage in Krankenhäusern zwischen 2009 und 2030 um 13% zunehmen wird - trotz gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang.

Dementsprechend ist mit höheren Kosten im Gesundheitswesen zu rechnen. Für Menschen, die 65 Jahre alt und älter sind, müssen die Krankenkassen derzeit knapp 7.000 Euro pro Jahr aufbringen, für die jüngeren Versicherten nur 1.900 Euro. Da bis zum Jahr 2030 die Zahl der Rentner rasant zunehmen wird, müsste der Beitragssatz auf 26% ansteigen, falls alle die gleichen Leistungen wie heute beanspruchen. Dies wird für die Arbeitnehmer nicht akzeptabel sein, da sie - wie bereits erwähnt - auch mehr Rentenversicherungsbeiträge zahlen müssen. So werden die Leistungen der Krankenkassen wahrscheinlich reduziert werden.

Die Alterung der Gesellschaft wird zu einem rasch wachsenden Bedarf an sozialen Einrichtungen und Diensten für ältere und hochbetagte Menschen führen - an Begegnungs-, Freizeit-, Kultur-, Service- und Beratungsstellen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird von 2,5 Millionen im Jahr 2013 auf 3,4 Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Viele von ihnen werden auf öffentliche Unterstützung angewiesen sein, da immer häufiger Partner oder erwachsene Kinder fehlen werden, die bisher in zwei Dritteln der Fälle die Pflege übernahmen. In Zukunft werden Kinder auch häufiger an weit entfernten Orten wohnen oder Vollzeit erwerbstätig sein. Dementsprechend werden mehr geriatrische und gerontopsychiatrische Abteilungen in Krankenhäusern, mehr Alten- und Pflegeheime, mehr Tages- und Kurzzeitpflegeplätze sowie mehr ambulante pflegerische, hauswirtschaftliche und Mahlzeitendienste benötigt werden. Die Pflegeheimstudie des Beratungsinstituts Georg & Ottenströer geht davon aus, dass die Zahl der stationären Pflegeheimplätze bis 2025 von derzeit 760.000 auf bis zu 1,2 Millionen erhöht werden muss. Bis 2030, so eine Bertelsmann-Studie, werden 500.000 Pflegekräfte fehlen.

In den kommenden Jahren müssen sich Pflegeheime und ambulante Dienste zunehmend für Menschen mit Migrationshintergrund öffnen - selbst wenn ältere Migranten häufiger als deutsche Senioren mit jüngeren Familienangehörigen zusammenleben und von diesen im Bedarfsfall gepflegt werden. Im Jahr 2030 wird jeder Vierte der über 60-Jährigen in Deutschland ein Einwanderer sein - die meisten von ihnen Muslime. Werden sie pflegebedürftig und können nicht von Verwandten versorgt werden, muss die Altenpflege für sie besondere Konzepte entwickeln (z.B. Lamm statt Schwein beim Mittagessen oder ein eigener Gebetsraum im Heim mit der Möglichkeit für rituelle Waschungen). Auch müssen Pfleger ausgebildet werden, die Sprache und Kultur der Muslime kennen. Hier könnte auf Personen mit einem entsprechenden Migrationshintergrund zurückgegriffen werden.

Bei der skizzierten Entwicklung ist damit zu rechnen, dass auch die Pflegeversicherung schon bald an ihre Grenzen stoßen wird - zumal die Zahl der Beitragszahler im Jahr 2050 um ein Drittel kleiner sein wird als heute. Die Ausgaben für Pflege werden laut einem Gutachten von Professor Reinhold Schnabel, Universität Duisburg-Essen, im Jahr 2030 bei nahezu 48 Milliarden Euro liegen, von denen die gesetzliche Pflegeversicherung lediglich 32 Milliarden Euro übernehmen wird. Die übrigen Kosten müssen privat oder von den Kommunen aufgebracht werden. Dementsprechend werden sich diese Selbstbeteiligungs- und Sozialhilfeausgaben bis zum Jahr 2050 verfünffachen. Zugleich müsste der Beitragssatz der gesetzlichen Pflegeversicherung auf 3 bis 5,5% steigen.

Einstellungen und Ängste

Es ist nicht verwunderlich, dass Menschen in einer Gesellschaft, die sich so rasant verändert und die so viele Probleme vor sich her schiebt, immer mehr Angst haben. So befürchten manche, dass die sich bei Kranken- und Pflegeversicherung abzeichnenden Sparzwänge dazu führen werden, dass nicht mehr allen Menschen eine gute medizinische Versorgung garantiert werden kann und dass notwendige Operationen und Behandlungen - insbesondere bei älteren Menschen - nicht mehr durchgeführt werden. Sie rechnen damit, dass dann auch festgelegt werden wird, wie lange das Leben eines Hochbetagten verlängert werden darf und in welchen Fällen Euthanasie angezeigt ist. In den Benelux-Staaten ist inzwischen nicht nur die passive, sondern auch die aktive Sterbehilfe erlaubt.

Auch die Angst, Opfer von Straftätern oder gar von Terroristen zu werden, nimmt zu. In den letzten Jahren ist in vielen Regionen Deutschlands die Zahl der Wohnungseinbrüche rasant angestiegen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2016 listet 2,4 Millionen Straftaten im Bereich der Diebstahls- und mehr als 1,3 Millionen Straftaten im Bereich der Straßenkriminalität auf. Insgesamt wurden 6,4 Millionen Straftaten erfasst bzw. 5,9 Millionen Straftaten ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht. Ein Großteil der Tatverdächtigen (953.744 von 2.360.806 Personen) war nichtdeutsch - rechnet man ausländerrechtliche Verstöße heraus, betrug die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger 616.230. Darunter befanden sich 174.438 Asylbewerber. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger war besonders hoch bei Gewaltverbrechen (41,0% bei Raubdelikten, 38,8% bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung, 37,6% bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie 33,9% bei Straftaten gegen das Leben). Ferner nimmt die Zahl potenzieller Terroristen zu - auch von solchen mit deutschem Pass. So rechnen viele Experten mit einem Anstieg von Terrorakten.

Zudem nimmt die Angst vor einer Wohlstandswende zu, da eine alternde Arbeitnehmerschaft immer weniger mit den jungen und dynamischen Arbeitskräften in den Schwellenländern konkurrieren könne, da zu wenig Geld für die Forschung und die Entwicklung von Zukunftstechnologien ausgegeben werde, da das Bildungssystem in Deutschland im Vergleich zu denjenigen in anderen OECD-Ländern schlechter sei und somit unzureichend auf die Wissensgesellschaft vorbereite, da sichere Stellen und solche mit einem guten Einkommen immer seltener werden und da die Bürger einen immer größer werdenden Anteil ihrer Einkünfte für Steuern und Sozialabgaben verwenden müssten. Zur letztgenannten Angst trägt bei, dass die derzeit noch wachsenden Staatsschulden - Ende September 2017 lagen sie laut Bund der Steuerzahler bei knapp 2 Billionen Euro bzw. bei 24.041 Euro pro Person - von immer weniger werdenden Erwerbstätigen bzw. Steuerpflichtigen zurückbezahlt werden müssen. Und dabei war 2016 die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland mit 49,4% bei alleinstehenden Durchschnittsverdienern schon die zweithöchste im Vergleich mit 34 anderen OECD-Ländern - sie wird wohl kaum noch zu steigern sein (hinsichtlich der Steuer- und Abgabenlast einer Familie mit einem Durchschnittsverdiener und zwei Kindern kam Deutschland mit 34,0% laut der OECD-Studie allerdings auf den 9. Platz).

Viele Menschen haben auch Angst vor sozialen Spannungen, zumal die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer werden. So hat laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zwischen 1991 und 2013 die Unterschicht von 24% auf 27% der erwachsenen Bevölkerung zugenommen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Einkommensstarken von 10% auf 13%. Dies führt zu einer schrumpfenden Mittelschicht: Ihr Anteil sank von 66% auf 61%. Noch krasser sind die Veränderungen, wenn man die Einkommensschichtung in Westdeutschland aus dem Jahr 1983 heranzieht: Damals gehörten nur 23% der erwachsenen Bevölkerung zur Unterschicht und 9% zur Oberschicht, aber 69% zur Mittelschicht. Die Mitte bricht also immer mehr weg - und so hat im Gegensatz zu früher auch das Bürgertum Angst vor dem sozialen Abstieg, da immer häufiger Mittelschichtsangehörige arbeitslos werden oder schlechter bezahlte Stellen annehmen müssen.

Ein weiteres Indiz für die Spaltung der deutschen Gesellschaft ist, dass die reichsten 10% der Privathaushalte laut der Credit Suisse über 65% des Gesamtvermögens verfügen - das reichste Prozent besitzt sogar 31,5%. Die unteren 50% kommen hingegen lediglich auf 2,4% des Gesamtvermögens. 36 Milliardäre haben so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung (41 Millionen Menschen).

Hingegen waren im Jahr 2016 laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) 15,8% der Menschen in Deutschland armutsgefährdet. Bei Einheimischen lag die Armutsquote bei 12,1% und bei Menschen mit Migrationshintergrund (inkl. Flüchtlingen) bei 28,1%. Zum Jahresende 2015 erhielten knapp 8 Millionen Menschen und damit 9,7% der Bevölkerung soziale Mindestsicherungsleistungen. Darunter befanden sich rund 975.000 Asylbewerber. Laut Bundesregierung gibt es derzeit rund 335.000 Wohnungslose - inkl. 29.000 Kinder. Besonders Kinder sind von Armut betroffen. Im Jahr 2016 lebten laut WSI rund 2,7 Millionen Kinder in Armut - 20,3% aller Kinder. Trotz der guten Konjunktur war die Zahl der Kinder gegenüber 2015 angestiegen. Viele dieser Kinder und Jugendlichen haben nicht nur schlechtere Bildungs- und Lebenschancen, sondern schauen auch eher pessimistisch in die Zukunft.

Aufgrund des Zuzugs Hunderttausender Flüchtlinge befürchten viele Deutsche auch große Konflikte zwischen Einheimischen, Migranten und Flüchtlingen bzw. zwischen Christen und Muslimen sowie eine Zunahme rechtsradikaler und terroristischer Gewaltakte. Zudem wird die weitere Integration von Asylanten vor allem den unteren sozialen Schichten aufgebürdet, da sich neue Zuwanderer in deren Wohnvierteln (und nicht in von der Mittelschicht bewohnten Stadtteilen) ansiedeln werden. Dort werden Asylanten als Konkurrenten um preiswerten Wohnraum auftreten. Laut einer Studie der Universität Freiburg müssten bis 2020 jährlich 494.000 Wohnungen gebaut werden, um die steigende Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen - alleine 174.000 Wohneinheiten pro Jahr nur für Flüchtlinge. Im Jahr 2015 wurden aber nur ca. 300.000 Wohnungen fertig gestellt.

Zudem werden Flüchtlinge mit schlecht qualifizierten Deutschen und Migranten der zweiten und dritten Generation um Arbeitsplätze konkurrieren, die nur geringe berufliche Qualifikationen voraussetzen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit haben gut 70% der Flüchtlinge keine abgeschlossene Berufsausbildung; viele haben nur wenige Jahre lang eine Schule besucht. So werden sie zumeist nur als Hilfskräfte in Gastronomie, Reinigung, Sicherheitsdienst und Handel geeignet sein. Erfahrungsgemäß haben nach fünf Jahren erst rund 50% der Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter eine Stelle. So werden sie lange Zeit auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein. So waren Ende 2016 rund 30% aller Hartz IV-Empfänger Ausländer. Insbesondere wenn sich sozial schwache Deutsche und vor längerer Zeit zugewanderte Menschen auch noch bei Sozialleistungen als benachteiligt erleben oder von Kürzungen derselben betroffen sein sollten, dürften Ressentiments gegenüber Asylanten zunehmen.

Einen Überblick über die derzeit vorherrschenden Befürchtungen bietet die repräsentative R+V-Studie "Die Ängste der Deutschen", die 2016 bereits zum 25. Mal durchgeführt wurde. Die Forscher erschreckte, dass viele Ängste innerhalb eines Jahres in die Höhe geschnellt sind. Der Angstindex stieg sprunghaft um 10% an und erreichte mit 49% ein besonders hohes Niveau. Von den abgefragten 20 Ängsten waren folgende 10 vorherrschend:

Die Ängste der Deutschen 2016
Angst vor... 2016 2015
...terroristischen Anschlägen 73% 52%

...politischem Extremismus

68% 49%

...Spannungen aufgrund des weiteren Zuzugs von Ausländern

67% 49%

...Überforderung der Behörden durch Flüchtlinge

66% 50%

...hohen Kosten für Steuerzahler durch die Euro-Schuldenkrise

65% 64%

...Überforderung der Politiker

65% 48%

...Pflegefall im Alter

57% 49%

...einer schweren Erkrankung

55% 47%

...steigenden Lebenshaltungskosten

54% 48%

...einem Krieg mit deutscher Beteiligung

54% 41%

Ob soziale Unterschiede in den kommenden Jahren größer oder kleiner werden, wird weitgehend von der Wirtschaftsentwicklung abhängen, aber auch von politischen Entscheidungen. Auf jeden Fall werden sich viele Menschen immer mehr einschränken müssen. So prognostiziert der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski ein Umdenken vom quantitativen hin zum qualitativen Wachstum, also einen Einstellungswandel vom materiellen "Immer-Mehr" hin zum immateriellen "Immer-Besser". Nicht mehr die Lebensstandardsteigerung werde vorrangiges Ziel sein, sondern die Lebensqualität. Ehe, Kinder und Freunde würden für die Menschen wieder wichtiger werden, da diese mehr persönliche Lebenserfüllung gewähren als der Konsum. Auch die Religion würde wieder an Bedeutung gewinnen.

Allerdings werden die Katholische und die Evangelische Kirche vermutlich von dieser Entwicklung wenig profitieren - im Gegensatz zu Sekten oder "Feel-Good-Religionen" (Matthias Horx). Insbesondere für viele junge Menschen ist der christliche Glaube bedeutungslos geworden: Laut der 17. Shell-Jugendstudie von 2015 ist für 68% der 12- bis 25-Jährigen in Ostdeutschland und für 45% der Jugendlichen in Westdeutschland der Glaube an Gott unwichtig. Zudem verlieren die großen christlichen Kirchen schon seit Jahren Mitglieder: So wird die Katholische Kirche in 20 Jahren vermutlich nur noch 20 Millionen und die Evangelische Kirche 17 Millionen Mitglieder haben. Das wären insgesamt 21 Millionen weniger als heute. In Deutschland gehören weniger als drei Fünftel der Einwohner noch einer der beiden Konfessionen an; im Jahr 2025 könnten die Nicht-Gläubigen bereits in der Mehrheit sein. In Ostdeutschland sind schon jetzt die meisten Menschen konfessionslos. So dürfte nur bei einem kleinen Teil der deutschen Bevölkerung eine stärkere Religiosität zu erwarten sein.

Diese Aussagen gelten aber nicht für die weiter zunehmende Zahl von Mitbürgern, die dem Islam angehören. Die meisten von ihnen werden auch in Zukunft (sehr) religiös sein. Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage von 2015/16 schätzten sich z.B. 62% der Türkischstämmigen der ersten in Deutschland lebenden Generation als religiös ein und sogar 72% der Befragten der zweiten und dritten Generation. Allerdings besuchten Letztere seltener wöchentlich die Moschee (23% versus 32%) und verrichteten auch seltener mehrfach am Tag das persönliche Gebet (35% versus 55%). Die Hälfte der gut 1.200 interviewten Türkischstämmigen waren der Meinung, dass es nur eine wahre Religion gäbe; 42% hielten die Befolgung der Islam-Gebote für wichtiger als die deutschen Gesetze; 13% wiesen ein verfestigtes fundamentalistisches Weltbild auf.

Hinsichtlich der eigenen Lebensgestaltung wird das Individuum eher noch größere Freiräume als heute haben; tradierte Lebensformen oder in der Jugend übernommene Denk- und Orientierungsmuster werden an Bedeutung verlieren. So werden Menschen vermehrt durch eigene Anstrengung soziale Strukturen aufbauen bzw. individuelle Wertvorstellungen und Denkweisen entwickeln müssen. Dies kann mit Ängsten und Orientierungslosigkeit verbunden sein - aber auch zum Rückzug in die vertraute Heimat führen, sodass entsprechende Identitäten und kulturellen Besonderheiten bewahrt werden. Bei anderen Menschen besteht hingegen eine große Weltoffenheit. Dazu trägt die ungebrochen große Reiselust der Deutschen bei: Im Urlaub, aber auch beruflich, werden andere Kulturen kennen gelernt. Oft werden dann Elemente aus ihnen übernommen oder sogar "multikulturelle" Persönlichkeiten entwickelt.

Allerdings könnten die ungelösten gesellschaftlichen und politischen Probleme auch zu einer zunehmenden Radikalisierung in Deutschland führen. So zeigte eine Studie der Universität Leipzig mit dem Titel "Die enthemmte Mitte", dass im Jahr 2015 mehr Menschen eine ablehnende Haltung gegenüber Muslimen, Sinti und Roma, Asylsuchenden und Homosexuellen aufwiesen als im Jahr zuvor. Inzwischen seien es bis zu 50%; rund ein Fünftel der Befragten wäre ausländerfeindlich. Zudem steige die Gewaltbereitschaft insbesondere in rechtsextremen Kreisen. Bei immer mehr Menschen sinke das Vertrauen in die Parteien und staatliche Institutionen wie z.B. die Polizei. Aus einer gewissen Demokratieverdrossenheit heraus wachse das Interesse an populistischen Positionen. So ist es nicht verwunderlich, dass z.B. bei der Bundestagswahl 2017 die AfD 12,6% der Zweitstimmen erhielt.

So erleben sich viele Menschen mit Migrationshintergrund als sozial nicht anerkannt. Beispielsweise fühlte sich laut der bereits erwähnten Emnid-Unfrage von 2015/16 gut die Hälfte der Zuwanderer aus der Türkei und ihrer Nachkommen als Bürger zweiter Klasse. Insgesamt 65% der Türkischstämmigen der ersten Generation erlebten sich als durch die Mehrheitsgesellschaft abgelehnt; bei der zweiten und dritten Generation waren es aber "nur" noch 43%. Obwohl Letztere besser integriert waren, waren sie jedoch weniger bereit als die Einwanderer der ersten Generation, sich an die deutsche Kultur anzupassen (52% versus 72%), wollten sie häufiger selbstbewusst zur eigenen Herkunft stehen (86% zu 67%). Die weitaus meisten Befragten fühlten sich sowohl mit Deutschland (87%) als auch mit der Türkei (85%) verbunden.

Lebensgestaltung

Genauso wie sich die technische Entwicklung und der soziale Wandel beschleunigen, wird auch das Leben der Menschen hektischer werden: Sie werden immer mehr Dinge gleichzeitig tun (Multitasking) und zunehmend Angst haben, etwas zu verpassen - seien es Informationen, Events oder der Anschluss an Freunde. Laut einer Studie an der Universität Bonn, bei der 2015 die Handynutzung von 60.000 Menschen untersucht wurde, wird im Durchschnitt 88-mal am Tag bzw. alle 18 Minuten das Smartphone verwendet - auch um zu erfahren, was Bekannte gerade machen, welche Freizeitaktivitäten sie planen, was sie lesen, was sie gerade gekauft haben, welche Filme sie anschauen usw. Inzwischen beschäftigen sich 17- bis 25-Jährige drei Stunden am Tag mit dem Handy, wobei sie vor allem WhatsApp, Facebook und Spiele nutzen. Die dauernde Unterbrechung anderer Aktivitäten durch das Smartphone führt zu einer zunehmenden Fragmentierung des Alltags, zu weniger Konzentration und abnehmender Produktivität.

Die Menschen werden laut der Studie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien", die u.a. von der Deutschen Telekom AG herausgegeben wurde, in den nächsten 15 Jahren weiterhin klassische Printmedien nutzen. Jedoch werden in Deutschland - wie schon in den USA - viele Zeitungen und Zeitschriften nicht überleben, zumal sie zunehmend im Internet gelesen werden. Bücher werden auch immer mehr Konkurrenz durch E-Books erfahren. Es wird nur selten für eine längere Zeitdauer gelesen werden, sondern eher in Pausen oder in "Häppchen".

Laut der vorgenannten Studie wird das Internet im Jahr 2025 das Unterhaltungsmedium Nummer eins sein; mehr als 95% der Deutschen werden es regelmäßig nutzen. Jeder zweite wird sich dann auch in virtuellen Welten und Communities bewegen. Immer mehr Menschen werden Filme und Texte sowohl auf dem Fernseher bzw. dem PC-Bildschirm als auch auf dem Smartphone, Notebook oder Tablet anschauen. Das Angebot an Videos und komplexen Computerspielen wird weiter wachsen. Ferner können immer mehr Orte und Institutionen via Internet aufgesucht werden - bereits jetzt besucht mehr als die Hälfte der Menschen eher virtuelle als physische Museen. Auch das soziale Leben wird zunehmend durch das Internet bestimmt werden: Es wird weniger persönliche Kontakte vor Ort und mehr virtuelle geben. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen besteht dann die Gefahr, dass kommunikative und interpersonale Kompetenzen nur noch unzureichend entwickelt werden.

Bei der Mediennutzung wird die Unterhaltung weiterhin dominieren, wobei oberflächlicher konsumiert wird: Das Fernsehen wird zunehmend nebenher laufen, während die Menschen anderen Beschäftigungen nachgehen, oder es wird fortwährend zwischen Sendern gezappt, kaum eine Sendung zu Ende angesehen oder nur kurze Filme angeschaut werden. Außerdem werden zunehmend seichte, oberflächliche und gewalttätige Sendungen ausgewählt.

Ferner wird die Freizeit stärker strukturiert und fokussiert gestaltet werden. Die hier entstehenden Kosten werden ansteigen, da die Menschen mehr für Freizeitaktivitäten (z.B. für Besuche in Fitness-Studios, Thermen usw., für Internetnutzung, Streaming etc., für notwendige Ausstattungen wie Bikes, Sportbekleidung usw.), für kulturelle Angebote, Events und Kurzreisen ausgeben werden. Haustiere wie Hunde und Katzen werden seltener gehalten werden, weil Kinder und Erwachsene ganztags außer Haus sind, eine artgerechte Haltung aufgrund des abnehmenden Zugangs zu Grünflächen (inkl. eigener Gärten) - bedingt durch die Urbanisierung - schwieriger werden wird sowie sich das gerade skizzierte Freizeitverhalten nur schwer mit der Tierhaltung vereinbaren lässt. Ein eher kurzzeitiges, individuell und flexibel gestaltbares soziales Engagement wird zunehmen, während die Bereitschaft zu einer längerfristigen Bindung - z.B. in der Form von ehrenamtlichen Vorstandstätigkeiten bei Verbänden und Vereinen - weiter zurückgehen dürfte.

Aus Angst vor dem Alter, vor Krankheit und Pflegebedürftigkeit werden Menschen immer mehr Wert auf eine gesunde Lebensführung legen. So werden sie Sport treiben bzw. regelmäßig in ein Fitness-Studio gehen, einen Kuraufenthalt buchen oder Wellness-Angebote nutzen. Sie werden mehr "Health Food" und Nahrungsergänzungsmittel sowie mehr Lebensmittel mit gesundheitsfördernden Bestandteilen essen - Curry mit Power-Algen, Hamburger mit mikroverkapselten Vitaminen, Tomatensalat mit Krebsprophylaxe. Ferner werden sie mehr Bio-Produkte und mehr Lebensmittel aus der Region verzehren. Außerdem wird die Zahl der Vegetarier bzw. Veganer weiter ansteigen.

Jedoch werden sich auch in Zukunft viele Menschen eher ungesund ernähren. So dürfte der Konsum von Fertiggerichten, Tiefkühlkost und Snacks weiter ansteigen, werden Lieferdienste zunehmend genutzt, suchen mehr Menschen Kantinen und Imbisse auf. Immer häufiger wird auf das Frühstück verzichtet; "Mobile Eating" (Essen im Gehen) ist auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule angesagt.

Die Menschen werden weiterhin in Supermärkten einkaufen, allerdings immer öfters bargeldlos - und dank RFID ohne Personal an den Kassen. Für Kaufentscheidungen werden Websites, auf denen User Produkte bewerten, immer wichtiger werden. So werden die Menschen als Kunden souveräner agieren, da sie über Preise und Qualität der sie interessierenden Produkte und Dienstleistungen gut informiert sind.

Die Kleidung wird aus neuartigen Materialien bestehen, die sich dem Wetter anpassen sowie atmungsaktiv, feuchtigkeitsabweisend und schmutzresistent sind. Sie wird die Energie von Bewegungen in Elektrizität umwandeln und diese speichern, bis sie z.B. für das Aufladen eines Akkus benötigt wird. Manche Kleidungsstücke werden als Display dienen, Körperfunktionen überwachen und bei Unfällen automatisch einen Notruf auslösen.

Wohnen

Laut einer Prognose des Forschungsinstituts empirica AG im Auftrag der Landesbausparkassen wird die Pro-Kopf-Wohnfläche im Westen von 47 Quadratmetern im Jahr 2010 auf 54 Quadratmeter im Jahr 2030 steigen - im Osten hingegen von 43 auf 55 Quadratmeter. Die Zahl der Haushalte wird bis 2020 noch um über 1 Million zunehmen, da immer mehr Menschen alleine leben. Bis 2030 müssten rein rechnerisch mehr als 200.000 Wohneinheiten pro Jahr erstellt werden - bei Berücksichtigung des Ersatzbedarfs sogar annähernd 300.000 Einheiten.

Bei Neu- und Umbauten werden Häuser immer besser wärmeisoliert und nutzen zunehmend erneuerbare Energien. So könnte das Solarhaus bis 2030 Baustandard werden. Dann werden Solarkollektoren und Fotovoltaikmodule (eventuell auch Wärmepumpen) miteinander kombiniert sowie die Be- und Entladetechnik großer Speicher optimiert werden. Die Sonne wird bis zu 100% des Wärmebedarfs abdecken.

In den kommenden Jahren werden die Wohnungen "intelligenter" werden: Heizung, Klimaanlage und viele andere Geräte werden von einem Computer gesteuert werden. Die Bewohner können zunehmend über das Internet auf sie zugreifen, also z.B. die Heizung erst kurz vor ihrem Eintreffen höher stellen. So wird rund 30% weniger Energie als heute verbraucht werden.

Laut dem Zukunftsforscher Matthias Horx wird die klassische Raumaufteilung der Wohnungen bald der Vergangenheit angehören. Das Wohnzimmer wird zu einer "hochgerüsteten Technikzentrale" mit allen modernen Medien werden. In Eigenheimen und größeren Apartments wird jeder Bewohner ein eigenes Zimmer haben, in das er sich zurückziehen kann, um sich zu entspannen, um mit Freunden zu interagieren, für die Schule zu lernen, Berufliches zu erledigen oder sich weiterzubilden. Die Küchen werden kleiner sein und häufig offen in den Wohnbereich integriert werden. Es wird immer weniger "klassisch" gekocht werden.

Vereinzelt wird es neue Wohnkonzepte wie Mehr-Generationen-WGs oder Communities Gleichgesinnter geben. Da Senioren immer häufiger alleine leben und da nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts 30% der über 75-Jährigen im Alltag nicht mehr allein zurechtkommen, wird dem altengerechten Wohnen eine größere Bedeutung zukommen. Hier kann der Flachbildschirm als Fernseher, Computer und Bildtelefon dienen, ermöglicht also auch den Kontakt zu Pflegern, Ärzten und Verwandten. Zudem werden Waage und Blutdruckgerät mit dem Bildschirm gekoppelt sein, können somit Blutdruck, Gewicht, Körperfett, Wasserhaushalt und Muskelmasse überwacht werden. Sensoren werden biometrische Daten wie z.B. die Atem- und Pulsfrequenz automatisch erfassen. Werden Toleranzwerte über- oder unterschritten, wird Alarm ausgelöst. Nachts werden von Bewegungssensoren gesteuerte Lichtstreifen den Weg zur Toilette zeigen. Auch könnte im Medikamentenschrank ein Licht aufleuchten, wenn es Zeit für Tabletten ist. In der Küche werden Arbeitsplatte und Herd auf die gewünschte Höhe abgesenkt werden können, sodass sich selbst Rollstuhlfahrer eigenständig versorgen können. Ferner wird es automatische Notruffunktionen, eine Einbruchsalarmierung sowie eine Überwachung des Raumklimas geben.

Ehe und Familie

Viele der bereits skizzierten Zukunftsentwicklungen haben große Auswirkungen auf das Zusammenleben von Menschen. So wird aufgrund der zurückgehenden Geburtenzahl der Anteil der Haushalte mit Kindern weiter schrumpfen. Damit wird sich ein schon seit längerer Zeit zu beobachtender Trend fortsetzen: Während die Zahl der Privathaushalte laut Statistischem Bundesamt zwischen 1991 und 2015 von 35,3 Millionen auf 40,8 Millionen gestiegen ist, ging die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,27 auf 1,99 Personen zurück. Der Anteil der Zweigenerationenhaushalte sank von 39% auf knapp 27%. Nur in 0,5% der Haushalte lebten drei Generationen zusammen.

Bis 2035 soll die Zahl der Privathaushalte auf 43,2 Millionen ansteigen. Während die Zahl der Haushalte in den westdeutschen Flächenländern voraussichtlich um 7% und in den Stadtstaaten sogar um 13% wachsen wird, wird sie in Ostdeutschland um circa 3% sinken. Die Zahl der Menschen, die in Ein- oder Zweipersonenhaushalten leben, dürfte von rund 45 Millionen im Jahr 2015 auf etwa 50 Millionen im Jahr 2035 zunehmen, wobei knapp 26 Millionen dann 60 Jahre oder älter sein werden. Hingegen wird die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Mitgliedern, die vor allem aus Familien mit Kindern bestehen, von 9,9 auf 8,8 Millionen zurückgehen.

In den kommenden Jahren wird es aber nicht nur weniger Haushalte mit Kindern geben, sondern in ihnen werden auch weniger "klassische" Familien (ein verheiratetes Ehepaar mit leiblichen Kindern) leben. Hingegen werden hier mehr nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende und Stieffamilien wohnen, vermutlich auch mehr "Regenbogenfamilien" (mit gleichgeschlechtlichen Eltern) und Familien mit Partnern aus unterschiedlichen Kulturen. Beispielsweise sank der Anteil der Familien an allem Haushalten mit Kindern von 71% im Jahr 2008 auf 68% im Jahr 2016, während sich gleichzeitig der Anteil der Lebensgemeinschaften von 4% auf 8% verdoppelte.

Die durchschnittliche Kinderzahl beträgt derzeit zwei Kinder; sie ist etwas höher bei Migrantinnen und Frauen mit niedrigem Bildungsstand. In den kommenden Jahren könnte es zu einem Anstieg kinderloser Paare kommen - egal ob verheiratet oder unverheiratet, ob hetero- oder homosexuell. So geht der Kinderwunsch zurück - z.B. laut der 17. Shell Jugendstudie von 2015 möchten nur noch 64% der Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren Kinder haben (2010: 69%). Der Kinderwunsch ist bei jungen Männern mit 60% schwächer ausgeprägt als bei jungen Frauen mit 69%. Derzeit bleibt etwa ein Fünftel aller Frauen kinderlos - bei Akademikerinnen ist es sogar ein Viertel.

Insbesondere die Veränderungen in der Arbeitswelt werden in Zukunft die Partnersuche erschweren, die Familiengründung beeinträchtigen und Beziehungen brüchiger machen: Wenn Arbeitnehmer freiwillig oder gezwungenermaßen mobil sind, also ihren Arbeitsort häufiger wechseln oder viel auf längeren Dienstreisen sind, wird es schwieriger werden, Partnerschaften langfristig aufrechtzuerhalten oder sich für ein Kind zu entscheiden. Wenn viele junge Menschen (auch mit guten Berufs- und Hochschulabschlüssen) zwischen Langzeitpraktika, befristeten Stellen, Teilzeitjobs und Phasen der Arbeitslosigkeit wechseln und wenn gut dotierte Arbeitsplätze mit Festanstellung seltener werden, dann werden weniger Paare die für eine Familiengründung zumeist für notwendig gehaltene finanzielle Sicherheit verspüren. Hinzu kommt, dass laut dem "Deutsche Post Glücksatlas 2015" 69% der Befragten - und sogar 75% der Frauen zwischen 20 und 35 Jahren - der Meinung sind, dass es heute schwieriger sei, eine Familie zu gründen, da der Job stressiger wäre. Zudem werden Nachteile hinsichtlich der eigenen Karriere erwartet.

Wenn erwerbstätige Eltern aufgrund der gestiegenen Anforderungen immer mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen, ausgepowert nach Hause kommen und dann oft noch weiterarbeiten müssen, werden sie wenig Zeit für die Pflege der Paarbeziehung und gemeinsame Freizeitaktivitäten haben - Entfremdung, Stress und Konflikte werden die Partnerbeziehungen labiler machen, und so wird es häufig zu Trennung, Scheidung und Alleinerzieherschaft kommen. Viele Geschiedene (wie heute zumeist Väter) werden getrennt von ihren Kindern leben.

Eltern werden aufgrund der längeren Arbeitszeiten auch immer weniger Zeit für ihre Kinder und deren Erziehung haben. Nicht nur Väter werden aufgrund der beruflichen Anforderungen länger an ihrem Arbeitsplatz sein, sondern auch Mütter. Zudem wird sich der Trend fortsetzen, dass immer mehr Mütter immer früher nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten gehen und häufiger Vollzeit erwerbstätig sind. Im Jahr 2014 waren bereits rund 58% der Mütter mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren im Haushalt erwerbstätig. Ehefrauen waren von allen Müttern mit 24% am seltensten vollzeitberufstätig. Deutlich höher waren die Vollzeitquoten der alleinerziehenden Mütter (39%) und der Lebenspartnerinnen (40%). Fast ein Drittel (32%) der Mütter, deren jüngstes Kind im Krippenalter von unter drei Jahren war, war berufstätig (Westdeutschland: 30%, Ostdeutschland: 39%). Erreichte das jüngste Kind das Kleinkindalter von drei bis fünf Jahren, gingen bereits fast doppelt so viele (63%) einer Erwerbstätigkeit nach.

Hinzu kommt oft ein langer Weg zur Arbeit - nicht nur bei Menschen in Großstädten (z.B. wegen vieler Staus oder mehrmaligen Umsteigens bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel), sondern auch bei Pendlern: Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat die Zahl der Pendler von 53% aller Arbeitnehmer im Jahr 2000 auf knapp 60% im Jahr 2016 zugenommen; die Länge der zurückzulegenden Strecke stieg im gleichen Zeitraum von 14,6 Kilometern auf 16,9 Kilometer. Besonders hoch ist die Pendlerquote in Großstädten mit hohen Immobilienpreisen und Mieten - z.B. arbeiten in München, der "Pendlerhauptstadt Deutschlands" 365.000 Menschen, die außerhalb der Stadtgrenze zu Hause sind. Das Pendeln ist aber nicht nur mit einem hohen Zeitaufwand verbunden - Zeit, die für die Familie fehlt -, sondern auch mit Stress.

Ferner werden Erwerbstätige zunehmend am Abend und an Wochenenden arbeiten müssen. Im Jahr 2016 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt schon 25% der Erwerbstätigen ständig oder regelmäßig auch an Samstagen und 14% an Sonntagen; 25% der Arbeitnehmer leisteten Abend- und knapp 9% Nachtarbeit. So entsteht eine paradoxe Situation: Einerseits verlangen Arbeitgeber eine große Flexibilität (und oft wird diese auch von den Arbeitnehmern gewünscht), andererseits erfordern Familienbeziehungen eine gewisse Stabilität und viel Zeit, um die Partnerschaft zu pflegen, um den Kindern eine verlässliche Lebenswelt zu bieten und um sie zu erziehen. Da kindliche Bedürfnisse aber mangels Zeit immer häufiger vernachlässigt werden, dürfte die Zahl von Kindern mit psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten weiter zunehmen.

Kleinkinder werden in den kommenden Jahren immer früher und immer länger in Tageseinrichtungen oder Tagespflege betreut werden. So werden die Betreuungsangebote für unter Dreijährige weiter ausgebaut werden, wird es mehr Ganztagsplätze geben, werden insbesondere in größeren Städten mehr Tagesstätten auch am Abend oder am Wochenende geöffnet haben. Schulen werden immer häufiger Ganztagsschulen sein oder eine verlässliche Nachmittagsbetreuung anbieten. Im Jahr 2014 gingen fast 38% aller Schüler/innen ganztags zur Schule - wobei es große Unterschiede zwischen den Bundesländern gab: Die Extreme waren 88% in Hamburg und 15% in Bayern. Ferner wird es mehr Betreuungsangebote für Schüler während der Schulferien geben. Immer mehr Eltern werden auch die Nachhilfe an Fachleute delegieren - schon jetzt geben sie fast 900 Millionen Euro pro Jahr dafür aus. Rund 14% aller Schüler/innen zwischen 6 und 16 Jahren erhalten derzeit Nachhilfestunden.

So wird in den kommenden Jahren die Bedeutung der Familienerziehung sinken, werden Sozialisation, Erziehung und Bildung von Kindern zunehmend von sozialpädagogischen Fachkräften und Lehrern übernommen werden. (Auf das Bildungswesen wird in der Rubrik "Technik und Wissen" genauer eingegangen. Die aus den Zukunftsentwicklungen zu ziehenden Konsequenzen für Familienerziehung, Kita und Schule werden auf der Website "Zukunftsorientierte Pädagogik" dargestellt.)

Wenn Eltern und Kinder immer weniger Zeit (gemeinsam) zu Hause verbringen - und diese oft noch in verschiedenen Zimmern -, werden die Familienbeziehungen lockerer werden. Da die Familienmitglieder zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen, werden sie nur selten gemeinsam speisen (und Tischgespräche führen), sondern sich zumeist selbst versorgen (z.B. mit Tiefkühlkost oder "Junk-Food") - sofern sie ihren Hunger nicht schon an ihrem Arbeitsort, in der Kindertageseinrichtung bzw. Schule oder auf dem Heimweg gestillt haben. Da Kinder immer früher selbständig werden, sind sie nach der Schule auch oft bei Freunden bzw. mit diesen unterwegs. So wird an vielen Tagen die Kommunikation mit den Eltern nur über das Handy oder per Video-Telefonie erfolgen. Das wird natürlich auch dann der Fall sein, wenn die Eltern zur Schlafenszeit der Kinder noch an ihrem Arbeitsplatz oder auf Dienstreisen sind.

Die Hausarbeit wird in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren - nicht nur weil immer mehr Aufgaben von Geräten und Robotern übernommen werden, sondern auch weil immer seltener für die ganze Familie gekocht werden muss: Laut der Marktforschungsgesellschaft GfK ist der Anteil der Verbraucher, die nie kochen, von 38% (2013) auf knapp 42% (2015) gestiegen; nur noch 34% kochen regelmäßig. Zudem werden immer mehr Arbeiten "ausgelagert" werden, indem z.B. die Wäsche in die Reinigung gebracht wird oder Pizzas und andere Gerichte bei Lieferdiensten bestellt werden. Hausfrauen wird es kaum noch geben; die Familienarbeit wird für Frauen im Vergleich zur Erwerbstätigkeit einen immer geringeren Stellenwert haben.

Das Glück der Menschen

Der rasante technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel wirkt sich kaum auf das Glücksempfinden der Menschen aus: Laut dem "Deutsche Post Glücksatlas 2017" stieg das Zufriedenheitsniveau von 6,7 (2004) auf 7,07 Punkte an; in Westdeutschland war es mit 7,11 Punkten etwas höher als in Ostdeutschland mit 6,89 Punkten. Betrachtet man verschiedene Lebensbereiche, so lag 2015 auf einer Skala von 0 bis 10 die Zufriedenheit mit der Arbeit bei 7,0 Punkten, mit dem persönlichen Einkommen bei 6,3 Punkten und mit dem Haushaltseinkommen bei 6,8 Punkten, mit der eigenen Gesundheit bei 6,5 Punkten sowie mit Wohnen und Freizeit bei 7,6 Punkten. Am höchsten war die Zufriedenheit mit der eigenen Familie mit 7,8 Punkten.

Einkommen und Vermögen der Deutschen sind relativ bedeutungslos für ihr Glücksempfinden. So hat die ökonomische Glücksforschung nachgewiesen, dass es weltweit nur bis zu einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 10.000 US $ pro Kopf eine starke Korrelation zwischen Steigerung des BIP und Zunahme der Zufriedenheit gibt; ab 20.000 $ pro Kopf ist kaum noch eine Korrelation gegeben. Hier zeigt sich, dass Glück von anderen Faktoren abhängt als von der eigenen finanziellen Situation - sofern die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind. Dann spielen der eigene Gesundheitszustand, die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, die Work-Life-Balance, die sozialen Beziehungen, die Qualität von Wohnraum und Umwelt, die Bildung, das Gefühl der Sicherheit und ähnliche Variablen eine größere Rolle.

So werden die meisten Deutschen auch in den kommenden Jahren glücklich sein - selbst wenn sich ihre finanzielle Situation aufgrund steigender Steuern, Sozialversicherungsabgaben und Lebenshaltungskosten verschlechtern oder das Wirtschaftswachstum niedriger als erwartet ausfallen sollte. Für ihr Glücksempfinden werden andere Faktoren ausschlaggebend sein...


Tabellarische Übersicht

Zeitraum Zukunftsentwicklungen

2010-2019

  • mehr Single-Haushalte
  • weiter ansteigendes Heiratsalter; mehr Eheschließungen zwischen Personen aus verschiedenen Ethnien; mehr gleichgeschlechtliche Paare
  • (karriereorientierte) Paare schieben Wunsch nach Kindern immer weiter hinaus
  • mehr Infertilität, mehr Reproduktionsmedizin
  • mehr "elternreiche" Kinder; mehr Wahlverwandtschaft
  • zunehmender Individualismus, noch mehr Optionen für die Lebensgestaltung
  • Wertewandel, weiter abnehmende Bedeutung tradierter Werte und Kulturformen; Religiosität weitgehend außerhalb der großen Kirchen
  • weiterhin kulturelle Spaltung der Gesellschaft
  • mehr inszenierte Kultur (z.B. Musikfestivals, Events, besondere Kunstausstellungen) und Massenkultur
  • aus Orientierungslosigkeit wachsendes Interesse an Sekten, extremen Gruppierungen oder radikalen politischen Bewegungen
  • weiter zurückgehendes Vertrauen in Staat und Politik; "Massenflucht" aus Parteien und Gewerkschaften setzt sich fort; mehr Einfluss von Nichtregierungsorganisationen
  • unsicherer Datenschutz, zunehmende Nutzung von Persönlichkeitsprofilen
  • abnehmende Privatheit (soziale Websites <-> Überwachungstechnologien)
  • Internet privat wenig zur Wissensbeschaffung genutzt: überwiegend für Entertainment und Kontaktpflege
  • mehr virtuelle soziale Kontakte, multiple Rollen/ Identitäten in virtuellen Welten und Communities
  • bis 2013: Betreuungsangebote für 35% der unter Dreijährigen
  • Rückgang der Schülerzahlen: Aufgabe von Schulstandorten (mit der Folge längerer Schulwege), Abbau von Mehrzügigkeit, Reduzierung des Bildungsangebots in bevölkerungsärmeren Regionen (weniger Spezialisierungsmöglichkeiten), an vielen Berufsschulen Zusammenfassen von Auszubildende in verschiedenen Berufen zu einer Klasse
  • Bildungssystem verliert weiter an Qualität: zu wenig Abiturienten, zu wenig Studierende, zu viele Studienabbrecher, zu wenig hochqualifizierter Nachwuchs (insb. in Natur- und Ingenieurswissenschaften)
  • etwas bessere Chancen für Kinder aus sozial schwachen Familien und mit Migrationshintergrund dank besonderer Förderprogramme
  • immer mehr universitäre und erwachsenenbildende Kurse (als Videokonferenzen) und Vorträge im Internet
  • mehr Frauen als Männer erreichen höhere Schul- und Hochschulabschlüsse
  • zunehmende Kluft zwischen "wissensnahen" und "wissensfernen" Gruppen
  • zunehmende Armut (Hartz4-Empfänger, Langzeitarbeitslose, Leiharbeiter, Scheinselbständige, Rentner u.a.); mehr überschuldete Haushalte; noch mehr Kinderarmut
  • 2017: knapp 50 Mrd. Euro an öffentlichen Mitteln für die Bewältigung der Flüchtlingskrise ausgegeben
  • 2018: Zahl der Wohnungslosen von 335.000 Personen (2015) auf 536.000 gestiegen
  • weniger Bedarf an - und Geld für - kulturelle Einrichtungen, außerschulische Bildungsstätten, Sport- und Erholungsanlagen
  • Vergötterung des Körpers: Sport, Fitness, Beauty, Wellness
  • weitere Ökonomisierung und staatliche Regulierung sozialer Dienstleistungen
  • bipolare Städte: zwischen Wohnungsnot und Wohnungsleerstand, zwischen Wohlstands- und prekären Stadtteilen, zwischen deutschen und ethnischen Quartieren
  • zunehmender Bedarf an altengerechten Wohnungen

2020-2029

  • 2020: Bundesländer dürfen keine Schulden mehr machen - außer in Notlagen
  • mehr strukturelle Kinderfeindlichkeit, da Kinder immer seltener werden
  • mehr Vier- und Fünfgenerationenfamilien: zunehmende Bedeutung vertikaler Beziehungen
  • 2020: die Hälfte der Deutschen nutzt soziale Netzwerke im Internet
  • 2020: Standardrente (nach 45 Arbeitsjahren mit Durchschnittseinkommen): ca. 1.280 Euro. Zunehmende Altersarmut
  • 2020: Rentenbeiträge liegen deutlich über 20%
  • Gesundheitszustand der (insb. älteren) Menschen verbessert sich weiter (gesunder Lebensstil, mehr Sport/ Fitness), aber mehr Übergewichtige
  • bis 2020: Ausgaben für Gesundheitsleistungen wachsen um 74%; Beschneidung der Ansprüche zu erwarten
  • bis 2020: Zahl der Pflegebedürftigen steigt von 2,13 Mio. (2005) auf 2,8 Mio. Menschen; höhere Beiträge zur Pflegeversicherung nötig
  • mehr geriatrische und gerontopsychiatrische Abteilungen und Pflegebetten in Krankenhäusern
  • immer mehr alte Menschen leben und sterben alleine: Herausforderung für Altenarbeit und Hospizbewegung
  • passive Sterbehilfe - und auch aktive?
  • mehr Alten- und Pflegeheime, mehr Tages- und Kurzzeitpflegeplätze, mehr Sozialstationen, mehr pflegerische, hauswirtschaftliche und Mahlzeitendienste
  • mehr Begegnungs-, Freizeit-, Kultur-, Service- und Beratungsstellen für Senioren
  • 2021: Sozialausgaben steigen auf rund 1,1 Billionen Euro (2016: 918 Mrd.)
  • bis 2020: rund 1,4 Millionen leerstehende Wohnungen müssen in Ostdeutschland abgerissen werden
  • zunehmender Wertverlust bei Eigenheimen und Eigentumswohnungen; viele können nicht mehr verkauft werden
  • 2025: Schuldenstand der Bundesrepublik Deutschland inklusive der Zahlungsverpflichtungen für Sozialversicherungen könnte von derzeit 70% auf knapp 100% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sein
  • 2025: nur noch 9.736.000 Schüler in Deutschland (2010: 11.485.000 Schüler)
  • bis 2025 schrumpfen immer mehr Städte und Gemeinden; in Ostdeutschland nimmt die Bevölkerung um bis zu 10% ab (die Zahl junger Erwerbstätiger sogar um bis zu 30%)
  • Wissen und das Beherrschen der Kulturtechniken werden immer weniger wichtig; Kreativität, Produktivität, Führungsfähigkeiten und interpersonale Kompetenzen werden wichtiger
  • 2025: mehr als 95% der Deutschen nutzen Internet
  • Ende der Privatsphäre: Unmengen an Daten (insbesondere aus dem Internet) über den einzelnen Menschen gespeichert; Aufenthaltsort bei eingeschaltetem Handy, Laptop oder Computer bekannt
  • 2025: viel mehr Diabetiker als heute; Kosten sind von 30 Mrd. (2009) auf ca. 240 Mrd. Euro gestiegen
  • bis 2025 könnte mehr als die Hälfte der Deutschen ohne Konfession sein (2005: jeder dritte Deutsche)
  • mehr soziale Spannungen zwischen Arm und Reich
  • Konflikte zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und neuen Migranten

2030-2039

  • Chancengleichheit zwischen West- und Ostdeutschland erst jetzt erreicht
  • 2030: 40% der Berufseinsteiger haben einen Migrationshintergrund
  • 2030: Menschen ab 55 Jahren bilden die Hälfte der Wählerschaft
  • 2030: der Altenquotient für das Renteneintrittsalter von 65 Jahren - die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen von 20 bis unter 65 Jahren - wird von derzeit 32 auf 50 oder 52 steigen
  • 2030: die Sozialabgaben werden auf mehr als 50% des Lohns ansteigen, wenn die Leistungen der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungen so hoch blieben wie 2010. Dazu kämen noch die Steuern...
  • bis 2030: Zahl der Pensionäre wird von 900.000 auf mehr als 1,5 Mio. steigen; stark reduzierte Pensionen zu erwarten
  • 2030: jeder vierte über 60-Jährige hat einen Migrationshintergrund (häufig Moslems)
  • immer mehr Menschen sind noch nach dem 65. Lebensjahr erwerbstätig
  • bis 2030 Anstieg der Zahl der Demenzkranken von 1 auf 1,5 Mio. Menschen
  • Zahl der Hautkrebsdiagnosen mit 280.000 pro Jahr doppelt so hoch wie 2009
  • 2030: rund 8 Mio. Menschen werden an Krankheiten sterben, die durch ihr Rauchen verursacht wurden
  • Google will bis 2030 alle Bücher, die keinen Urheberschutz haben, einscannen und ihre Nutzung kostenfrei anbieten
  • 2030: Zahl der Mitglieder der Katholischen Kirche auf rund 20 Mio. und der Evangelischen Kirche auf ca. 17 Mio. gesunken. Starker Rückgang der Kirchensteuereinnahmen, zumal ein höherer Prozentsatz der Mitglieder als 2010 im Rentenalter ist
  • überwiegend Patchworkfamilien
  • Neubestimmung der Lebensqualität: gut leben statt viel haben, lieber gesund und glücklich sein als reich
  • mehr Wellnessreisen, Ökotourismus und "Voluntourism" (soziales Engagement im Urlaub)

2040-2049

  • 2040: mehr als 50% der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund
  • 2040: rund 100.000 Hunderjährige leben in Deutschland
  • 2040: mehr als 70 Rentner auf 100 Erwerbstätige
  • 100% der Rente muss versteuert werden
  • weiter zunehmende Altersarmut, zumal Rentenniveau auf ca. 40% sinken dürfte
  • Sicherheit privater Altersvorsorge zunehmend abhängig von der Wirtschaftsentwicklung, dem Realwerterhalt und der Liquidierbarkeit von Kapitalanlagen
  • 2040: 3,4 Mio. Pflegebedürftige (2009: 2,2 Mio.)
  • weitere Beschneidung der Ansprüche gegenüber Kranken- und Pflegeversicherung zu erwarten
  • weniger als die Hälfte der Menschheit ist noch religiös

2050-2059

  • 2050: Zahl der Einwohner sinkt von 82,4 Mio. (2008) auf knapp 69 bis 74 Mio.
  • 2050: der Altenquotient für das Renteneintrittsalter von 65 Jahren - die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen von 20 bis unter 65 Jahren - wird von derzeit 32 auf 60 bis 64 steigen
  • bis 2050: Anstieg der Lebenserwartung von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer auf 88 Jahre für Frauen und 84 Jahre für Männer
  • bis 2050 Anstieg der Zahl der Ruheständler von rund 915.000 (2005) auf etwa 1,6 Mio. und der Pensionen von 34 Mrd. (2002) auf 91,5 Mrd. Euro
  • 2050: Zahl der Demenzkranken beträgt 1,5 bis 3 Mio. Menschen
  • 2050: mehr als 4 Mio. Personen sind pflegebedürftig
  • 2050: der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung könnte bei 24,1%, zur Krankenversicherung bei etwa 25% und zur Pflegeversicherung bei 2,5% liegen
  • 2050: bleibt der Bundeszuschuss bei einem Drittel der Ausgaben, wird die reale Monatsrente von Standardrentnern nur 1.170 Euro betragen - 12 Euro mehr als 2006
  • 2050: Schuldenstand der Bundesrepublik Deutschland inklusive der Zahlungsverpflichtungen für Sozialversicherungen könnte von derzeit 70% auf knapp 240% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen sein
  • 2059: Zahl der Einwohner auf 65 bis 70 Mio. gesunken; jeder Siebte ist 80 Jahre alt und älter