Demographischer Wandel

Ende 2018 lebten in Deutschland nach Schätzung des Statistischen Bundesamtes rund 83,0 Millionen Menschen. Am Jahresende 2017 waren es 82,8 Millionen Menschen gewesen. Die Zahl der geborenen Kinder war im Jahr 2017 mit 784.901 Babys um etwa 7.000 niedriger als im Jahr 2016. Dementsprechend sank die zusammengefasste Geburtenziffer von 1,59 auf 1,57 Kinder je Frau. Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit lag sie bei 1,45 und bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei 2,15. Das Durchschnittsalter der Mütter bei Geburt des Kindes war mit 31 Jahren und zwei Monaten um zwei Monate höher als im Jahr 2016. Im Jahr 2017 starben 932.272 Menschen; 2016 waren es nur 911.000 Personen gewesen. Seit 1972 sterben jedes Jahr mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Im Jahr 2017 lag die Differenz bei 147.371 Personen.

So beruht der Bevölkerungszuwachs ausschließlich auf der Migration: Im Jahr 2017 sind laut Statistischem Bundesamt rund 416.000 Personen mehr nach Deutschland zugezogen als aus Deutschland fortzogen. 2016 hatte der Wanderungsüberschuss noch ca. 500.000 Personen betragen. Von insgesamt 1,5 Millionen zugewanderten Personen hatten 89% einen ausländischen Pass; rund 885.000 ausländische Personen wanderten ab. Ende 2017 lebten ca. 9,7 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft (11,7% der Gesamtbevölkerung) und weitere 19,3 Millionen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Inzwischen hat fast ein Drittel aller Familien mit Kindern unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund, d.h. mindestens ein Elternteil hat ausländische Wurzeln.

Laut Variante 2A der aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes (Basis: Jahr 2015), die als die wahrscheinlichste der acht Varianten und drei Modellrechnungen gilt, wird die Bevölkerung im Jahr 2030 rund 82,9 Millionen Menschen umfassen und dann bis 2060 auf 76,5 Millionen zurückgehen. Bei dieser Prognose wird von einer gleich bleibenden zusammengefassten Geburtenziffer von 1,5 Kindern je Frau, einem moderaten Anstieg der Lebenserwartung von männlichen Neugeborenen auf 84,7 Jahre und von weiblichen Neugeborenen auf 88,6 Jahre im Jahr 2060 sowie von einem Rückgang der Zahl der Zuwanderer von 750.000 im Jahr 2017 auf 250.000 im Jahr 2020 ausgegangen. Für 2021 bis 2060 wird mit einem Wanderungsüberschuss von 200.000 Personen gerechnet.

Der prognostizierte Bevölkerungsrückgang wird unaufhaltsam sein, weil in den kommenden Jahren immer kleinere Geburtsjahrgänge Familien gründen werden. Bei gleich bleibender Geburtenhäufigkeit von 1,5 Kindern pro Frau wird deshalb die Zahl der Geburten bis 2060 stetig sinken. Da gleichzeitig immer mehr Menschen aus geburtenstarken Jahrgängen sterben werden, wird das Geburtendefizit, also der Überschuss der Sterbefälle über die Geburten, von knapp 150.000 auf 450.000 bis 500.000 im Jahr 2060 zunehmen. Der Bevölkerungsrückgang kann weder durch Zuwanderungsüberschüsse aus dem Ausland noch durch eine etwas höhere Kinderzahl je Frau nennenswert begrenzt werden.

Der größte Unsicherheitsfaktor bei Bevölkerungsprognosen liegt in den Annahmen zur jährlichen Nettozuwanderung. So will die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren immer mehr Fachkräfte im Ausland anwerben, um den bereits spürbaren Arbeitskräftemangel zu kompensieren (zurückgehende Zahl der Menschen im Erwerbsalter). Der Zuzug qualifizierter Arbeitnehmer soll im Jahr 2019 durch ein noch zu verabschiedendes Einwanderungsgesetz erleichtert werden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Zahl der Asylbewerber. So schwankte die Zahl der Asylerstanträge in den letzten Jahren zwischen 722.370 im Jahr 2016 und 161.931 im Jahr 2018.

In den kommenden Jahren werden also noch viele Ausländer zuwandern, da für Deutschland mehr Wirtschaftswachstum als für andere EU-Staaten erwartet wird, die politische und wirtschaftliche Situation in vielen vorderasiatischen und afrikanischen Ländern angespannt bleiben dürfte und mit mehr Klimaflüchtlingen zu rechnen ist. Asylanten und Flüchtlinge werden weiterhin hohe Kosten verursachen, die eine rasch alternde Gesellschaft immer schwerer aufbringen kann. Auch könnte der wachsende Anteil von Migranten an der Bevölkerung zu mehr Fremdenfeindlichkeit und Konflikten mit Deutschen führen.

Regionale Bevölkerungsentwicklung

Im Jahr 2017 lebten laut Statistischem Bundesamt 66,6 Millionen Personen (80,5%) im früheren Bundesgebiet; 16,2 Millionen Personen (19,5%) wohnten in den neuen Ländern und Berlin. In Westdeutschland lebten rund 5 Millionen Menschen mehr als zur Zeit der Wende (+8,2%). Dagegen ist die Einwohnerzahl in Ostdeutschland und Berlin im Vergleich zu 1990 um rund 2 Millionen (-11,0%) zurückgegangen. Von dem Bevölkerungsrückgang sind ländliche Regionen besonders betroffen, nicht aber Städte wie Potsdam, Dresden, Erfurt, Leipzig, Jena und Rostock. Da vor allem junge Menschen - und mehr Frauen als Männer - abwanderten, wird es in den kommenden Jahrzehnten zu einem zusätzlichen Geburtenrückgang kommen: Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung von 16,2 auf unter 9 Millionen fallen (Abwärtsspirale).

Demzufolge standen im Jahr 2015 in Sachsen-Anhalt 11,3%, in Sachsen 10,1% und in Thüringen 8,4% aller Wohnungen leer (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung). In vielen Dörfern gibt es schon jetzt keine Geschäfte, Ärzte, Apotheken und Kneipen mehr - das Wohnen dort ist nicht mehr "lebenswert". Aber sie sind mit neuen Straßen miteinander und mit den Städten verbunden. Andreas Knie, Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, fragt provokant, wer bei dem starken Bevölkerungsrückgang wohl in Zukunft die vielen Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in den neuen Ländern befahren soll...

Aber auch in Schleswig-Holstein, im Saarland sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens, Bayerns und Niedersachsens wird die Bevölkerung stark zurückgehen. Dies wird wie in Ostdeutschland zu fallenden Immobilienpreisen führen - viele Mietwohnungen werden leer stehen oder abgerissen werden, Eigenheime und Eigentumswohnungen werden immer schwerer und zumeist nur mit Verlust verkauft werden können. So werden dort lebende Menschen niedrigere Mieten als heute zahlen bzw. preisgünstiger Wohneigentum erwerben können. Allerdings werden auch hier Infrastruktur- und Dienstleistungen reduziert werden, während die Versorgungsgebühren ansteigen werden, da die Anlagen nicht mehr ausgelastet sind und weniger Einwohner für Reparaturen und Ersatzinvestitionen aufkommen. Zudem sind viele Orte schon jetzt nicht mehr an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden, was z.B. für Senioren, die nicht mehr Auto fahren können, ein großes Problem darstellt.

Hingegen werden die Ballungsräume Hamburg, Rhein-Main, Stuttgart, München, Hannover und Berlin in den nächsten Jahren eine weitere Bevölkerungszunahme erfahren. Hier wandern jüngere, besser qualifizierte Menschen zu, und so werden Unternehmen vor allem in diesen Wachstumszentren neue Arbeitsplätze schaffen (Aufwärtsspirale). Allerdings werden die Lebenshaltungskosten weit über dem Durchschnitt liegen. Auch die Immobilienpreise und Mieten werden weiterhin hoch bleiben oder sogar noch steigen. Allein in Bayern besteht nach einer Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ein Neubaubedarf von 46.600 Wohnungen pro Jahr für den Zeitraum 2021 bis 2025 und von 39.600 Wohnungen je Jahr für 2026 bis 2013. Diese Regionen werden im Gegensatz zu Ostdeutschland mit Straßen und Schienen völlig unterversorgt sein. So werden hier weiterhin hohe Staukosten entstehen.

Da die Berufsaussichten, die Einkaufsmöglichkeiten, die medizinische Versorgung und die Freizeitangebote in den Städten besser sind, wird die Urbanisierung weiter zunehmen. Zudem ziehen mehr Senioren in die Städte zurück, während für viele junge Paare das "Eigenheim im Grünen" nicht mehr die ideale Wohnform ist, weil sie beruflich mobil bleiben wollen und für sie die Vorteile des Stadtlebens überwiegen - selbst nach der Familiengründung (z.B. bessere Kinderbetreuungsangebote, mehr Schulformen, kürzere Wege zum Arbeitsplatz).

Aufgrund der zunehmenden Aufspaltung des Arbeitsmarktes in sehr gut und eher schlecht Verdienende werden auch die Städte "bipolar" werden: Es wird einerseits reiche Stadtteile sowie andererseits arme Viertel und soziale Brennpunkte geben. Vermutlich werden sich deutsche und ethnische Quartiere mit schon jetzt drastisch unterschiedlichen Lebensbedingungen noch stärker voneinander abgrenzen. Menschen mit Migrationshintergrund werden auch in Zukunft eher in Städten leben, häufiger in Miethaushalten wohnen und über weniger Wohnraum - mit einer schlechteren Ausstattung (z.B. im technischen Bereich) - verfügen als Deutsche. Die Bildungschancen ihrer Kinder werden sich aufgrund besonderer Förderprogramme verbessern, aber vor allem bei Zugehörigkeit zur Unterschicht weiterhin unterdurchschnittlich sein. Kinder mit Migrationshintergrund werden aufgrund der sozialräumlichen Polarisierung der Wohnviertel auch andere Kindertageseinrichtungen und (Grund-) Schulen besuchen als Kinder aus der Mittelschicht.

Alterung der Bevölkerung

In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Altersstruktur der Gesellschaft stark verändern. Laut Variante 2A der aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes (Basis: 2015) waren 49,8 Millionen Menschen (60,6% der Bevölkerung) im Jahr 2015 im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren. Ihre Zahl wird auf 45,9 Millionen (55,3%) im Jahr 2030 bzw. 42,3 Millionen (53,5%) im Jahr 2050 zurückgehen. Der Anteil von Menschen unter 20 Jahren wird hingegen erst nach 2030 abnehmen: von 15,1 Millionen (18,3% der Bevölkerung) im Jahr 2015 über 15,2 Millionen (18,3%) im Jahr 2030 bis 13,4 Millionen (16,9%) im Jahr 2030.

Hingegen wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren rasant ansteigen, weil nach 2020 die geburtenstarken Jahrgänge in dieses Alter kommen werden. Sie wird von 17,3 Millionen (21,1% der Bevölkerung) im Jahr 2015 auf 21,8 Millionen (26,3%) im Jahr 2030 bzw. 23,4 Millionen (29,6%) im Jahr 2050 zunehmen. Diese Entwicklung ist unausweichlich; eine Erhöhung der Zuwanderung über 200.000 Personen pro Jahr hinaus oder eine Steigerung der Geburtenrate auf über 1,5 Kinder pro Frau könnte nur zu einer geringen Abschwächung führen. Eine noch geringere Geburtenziffer oder ein schnellerer Anstieg der Lebenserwartung über die für 2060 angenommenen 84,7 Jahre für Männer bzw. 88,6 Jahre für Frauen hinaus würde hingegen den Trend verschärfen.

Prognose der Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland (Variante 2A der aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung)
Jahr unter 20-Jährige 20- bis 64-Jährige 65-Jährige und Ältere

Zahl

Anteil

Zahl

Anteil

Zahl

Anteil

2015

15,1

18,3%

49,8

60,6%

17,3

21,1%

2020

15,1

18,1%

50,1

60,0%

18,3

22,0%

2030

15,2

18,3%

45,9

55,3%

21,8

26,3%

2040

14,3

17,5%

43,6

53,7%

23,4

28,8%

2050

13,4

16,9%

42,3

53,5%

23,4

29,6%

2060

13,2

17,3%

39,6

51,8%

23,7

30,9%

Im Jahr 2060 wird nahezu jeder Dritte mindestens 65 Jahre alt sein - und jeder Siebte wird sogar 80 Jahre oder älter sein. Bedenkt man die hohe Lebenserwartung und den guten Gesundheitszustand vieler Senioren, so ist nicht verwunderlich, dass sich 67% der 65- bis 74-Jährigen laut der Generali Altersstudie von 2012 nicht als "alte Menschen" bezeichnen. Die meisten Senioren führen ein aktives Leben: Sie verbringen z.B. viel Zeit mit ihren Hobbys sowie mit ihren Kindern und Enkeln. Im Durchschnitt sind sie an fünf Tagen der Woche unterwegs. Außerdem sind rund 45% der Befragten für ca. vier Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig. Die meisten Senioren sind laut der Umfrage mit ihrer materiellen Situation, ihrer Wohnsituation und ihrem Leben zufrieden. In den kommenden Jahren wird sich die Gruppe der über 65-Jährigen weiter aufspalten: In "junge Senioren", "rüstig Gebliebene" und "Hochbetagte" - mit ganz unterschiedlichen Lebensstilen und -umständen.

Mit der Alterung der Bevölkerung wird der Altenquotient - die Anzahl der Menschen im Rentenalter je 100 Personen im Erwerbsalter - erheblich zunehmen. Im Jahr 2015 kamen laut Variante 2A der aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung 34,7 Senioren im Alter von 65 Jahren und mehr auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. Ihre Zahl wird auf 47,6 im Jahr 2030, 53,6 im Jahr 2040, 55,2 im Jahr 2050 und 59,7 im Jahr 2060 ansteigen. Im Jahr 2015 mussten 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter für 30,3 Kinder bzw. Jugendliche und 34,7 Senioren aufkommen. Es ist offensichtlich, dass sie schon 2030 nicht im gleichen Maße wie heute für dann 33,1 Kinder und 47,6 Senioren sorgen können - geschweige denn 2060 für 33,3 Kinder und 59,7 alte Menschen. Wenn man bedenkt, dass nicht alle Menschen zwischen 20 und 64 Jahren voll erwerbstätig sind, sondern manche noch eine Ausbildung machen oder studieren, andere arbeitslos sind oder nur wenig verdienen, und wieder andere sich in der Familienphase befinden, dann geht die Tendenz dahin, dass Mitte dieses Jahrhunderts ein Arbeitnehmer fast alleine für einen Rentner aufkommen müsste.

Dies ist natürlich nicht möglich. So ist es in den kommenden Jahrzehnten unausweichlich, dass Menschen weit über ihr 65. Lebensjahr hinaus arbeiten müssen - es wird nicht länger möglich sein, dass Senioren wie 2016 im Durchschnitt 19,6 Jahre lang Rente beziehen, und Seniorinnen sogar 21,6 Jahre lang. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) müsste deshalb das Renteneintrittsalter weiter erhöht werden: bis 2030 auf 69 Jahre und bis 2041 auf 73 Jahre.

Außerdem sind Rentenansprüche stark gekürzt worden. So wird das Standardrentenniveau von 48,1% (2016) auf 44,3% (2030) sinken. Für viele Senioren - insbesondere solche, die während ihrer Erwerbstätigkeit wenig verdient haben oder längere Zeit arbeitslos waren - wird die Rente dann nicht mehr ausreichen. Laut Recherchen des Westdeutschen Rundfunks werden im Jahr 2030 fast 50% der Menschen, die in den Ruhestand eintreten, eine Rente erhalten, die nicht über dem Hartz IV-Niveau liegen wird. Sie werden dann ein Recht auf Grundsicherung im Alter haben (Ende 2016 erhielten bereits fast 526.000 Rentner Grundsicherung). Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Ausgaben hierfür zwischen 2016 und 2020 von 6,5 auf 8,8 Milliarden Euro ansteigen werden, also um 35%.

Im Jahr 2016 galten laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) 14,8% aller Senioren als arm; ihr Anteil wird also weiter zunehmen. Immer mehr Senioren werden soziale Grundsicherung beantragen oder jobben müssen (im Jahr 2015 hatten bereits knapp 904.000 Rentner einen Minijob). Wer nicht privat vorgesorgt hat oder über Vermögen verfügt, wird sich mit einem geringeren Lebensstandard abfinden müssen. Aber auch Vermögende werden unter Umständen feststellen, dass sie für ihre Aktien und Immobilien weniger als erwartet bekommen, da es mehr Verkäufer als Käufer geben könnte - was die Preise drücken würde. So ist es nicht verwunderlich, dass sich laut dem Institut für Demoskopie Allensbach bereits 55% der Deutschen Sorgen machen, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. Besonders problematisch könnte in Zukunft die Situation von älteren Menschen mit niedrigen Renten sein, die von Behinderung, psychischer Erkrankung oder Demenz betroffen - also pflegebedürftig - sind, da hier zusätzliche Kosten entstehen.

Wie hoch die Renten in Zukunft sein werden, wird weitgehend von der Wirtschaftsentwicklung abhängen. Verläuft sie positiv, könnten nahezu alle Menschen im erwerbsfähigen Alter berufstätig sein, also Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Selbst dann werden schon um das Jahr 2025 herum die Rentenversicherungsbeiträge auf 20% und um 2030 herum auf 22% steigen - und auch die Beiträge für Krankenkassen und Pflegeversicherung werden erhöht werden müssen, da die wachsende Anzahl älterer Menschen mehr Kosten verursachen wird.

Hinzu kommt, dass aufgrund der zurückgehenden Zahl der Erwerbstätigen auch die Steuereinnahmen sinken dürften. So geht das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln davon aus, dass z.B. das Einkommensteueraufkommen - gemessen in heutigen Preisen - von 281 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 263 Milliarden Euro im Jahr 2035 abnehmen wird. Im gleichen Zeitraum dürften die Sozialbeiträge von 330 auf 322 Milliarden Euro sinken. Sollten die Staatsausgaben steigen - z.B. wegen höherer Zuschüsse zu den Sozialversicherungen oder einer wachsenden Zahl von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen - könnten Steuererhöhungen zum Ausgleich des Defizits nötig werden.

So werden die Menschen ab 2020 weniger Geld für den Konsum haben: Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung könnten die Konsumausgaben 2050 mit 935 Milliarden Euro unter dem heutigen Niveau liegen. Damit wird die innerdeutsche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sinken. Die Unternehmen werden die steigenden Sozialversicherungsbeiträge in die Preise hinein rechnen müssen, was den Export in außereuropäische Länder erschweren dürfte. Die zurückgehende Nachfrage, sinkende Investitionen sowie die mangels junger, kreativer Arbeitskräfte geringere Innovationsfähigkeit und kaum noch wachsende Produktivität könnten dazu führen, dass viele Unternehmen abwandern und die Wirtschaft stagniert oder sogar schrumpft.

Krankheiten und Pflegebedürftigkeit

Die Alterung der deutschen Bevölkerung wird laut Fritz Beske, Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel, dazu führen, dass bis 2050 die Zahl der Menschen mit Lungenentzündung um 149%, mit altersbedingter Makuladegeneration um 125%, mit Demenz um 104%, mit Oberschenkelhalsfrakturen um 88%, mit Herzinfarkt um 75%, mit Schlaganfall um 62%, mit Krebs um 27%, mit Osteoporose um 26% und mit Diabetes mellitus um 22% gegenüber dem Jahr 2007 ansteigen wird. So gehen Schätzungen davon aus, dass die Zahl der Belegungstage in Krankenhäusern zwischen 2009 und 2030 um 13% zunehmen wird - trotz gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang.

Dementsprechend ist mit höheren Kosten im Gesundheitswesen zu rechnen. Für Menschen, die 65 Jahre alt und älter sind, müssen die Krankenkassen derzeit knapp 7.000 Euro pro Jahr aufbringen, für die jüngeren Versicherten nur 1.900 Euro. Da die Zahl der Rentner rasant zunehmen wird, müsste der Beitragssatz laut der Deutschen Aktuarvereinigung bis 2030 auf 17% und bis 2050 auf bis zu 20% ansteigen, falls alle die gleichen Leistungen wie heute beanspruchen. Dies wird für die Arbeitnehmer nicht akzeptabel sein, da sie - wie bereits erwähnt - auch mehr Rentenversicherungsbeiträge zahlen müssen. So werden die Leistungen der Krankenkassen wahrscheinlich reduziert werden.

Die Alterung der Gesellschaft wird zu einem rasch wachsenden Bedarf an sozialen Einrichtungen und Diensten für ältere und hochbetagte Menschen führen - an Begegnungs-, Freizeit-, Kultur-, Service- und Beratungsstellen. So ist die Zahl der Pflegebedürftigen bereits von 2,5 Millionen im Jahr 2013 auf 3,4 Millionen zum Jahresende 2017 angestiegen - und wird laut Bundesministerium für Gesundheit auf 4,1 Millionen im Jahr 2030 und 5,3 Millionen im Jahr 2050 zunehmen. Viele von ihnen werden auf öffentliche Unterstützung angewiesen sein, da immer häufiger Partner oder erwachsene Kinder fehlen werden, die bisher in zwei Dritteln der Fälle die Pflege übernahmen. In Zukunft werden Kinder auch häufiger an weit entfernten Orten wohnen oder Vollzeit erwerbstätig sein. Dementsprechend werden mehr geriatrische und gerontopsychiatrische Abteilungen in Krankenhäusern, mehr Alten- und Pflegeheime, mehr Tages- und Kurzzeitpflegeplätze sowie mehr ambulante pflegerische, hauswirtschaftliche und Mahlzeitendienste benötigt werden. Laut Statista wird die Zahl der Pflegeheimplätze von 903.000 im Jahr 2013/14 auf 1,2 Millionen im Jahr 2030 erhöht werden müssen. Bis 2030, so eine Bertelsmann-Studie, werden 500.000 Pflegekräfte fehlen.

In den kommenden Jahren müssen sich Pflegeheime und ambulante Dienste zunehmend für Menschen mit Migrationshintergrund öffnen - selbst wenn ältere Migranten häufiger als deutsche Senioren mit jüngeren Familienangehörigen zusammenleben und von diesen im Bedarfsfall gepflegt werden. Im Jahr 2030 wird jeder Vierte der über 60-Jährigen in Deutschland ein Einwanderer sein - die meisten von ihnen Muslime. Werden sie pflegebedürftig und können nicht von Verwandten versorgt werden, muss die Altenpflege für sie besondere Konzepte entwickeln (z.B. Lamm statt Schwein beim Mittagessen oder ein eigener Gebetsraum im Heim mit der Möglichkeit für rituelle Waschungen). Auch müssen Pfleger ausgebildet werden, die Sprache und Kultur der Muslime kennen. Hier könnte auf Personen mit einem entsprechenden Migrationshintergrund zurückgegriffen werden.

Bei der skizzierten Entwicklung ist damit zu rechnen, dass auch die Pflegeversicherung schon bald an ihre Grenzen stoßen wird - zumal die Zahl der Beitragszahler im Jahr 2050 um ein Drittel kleiner sein wird als heute. Die Ausgaben für Pflege werden laut einem Gutachten von Professor Reinhold Schnabel, Universität Duisburg-Essen, im Jahr 2030 bei nahezu 48 Milliarden Euro liegen, von denen die gesetzliche Pflegeversicherung lediglich 32 Milliarden Euro übernehmen wird. Die übrigen Kosten müssen privat oder von den Kommunen aufgebracht werden. Dementsprechend werden sich diese Selbstbeteiligungs- und Sozialhilfeausgaben bis zum Jahr 2050 verfünffachen. Zugleich müsste der Beitragssatz der gesetzlichen Pflegeversicherung laut der Deutschen Aktuarvereinigung bis 2030 auf über 3% und bis 2050 auf ca. 5% steigen.

Soziale Spannungen

Viele Menschen haben Angst vor sozialen Spannungen, da die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer werden. So hat laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zwischen 1991 und 2013 die Unterschicht von 24% auf 27% der erwachsenen Bevölkerung zugenommen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Einkommensstarken von 10% auf 13%. Dies führt zu einer schrumpfenden Mittelschicht: Ihr Anteil sank von 66% auf 61%. Noch krasser sind die Veränderungen, wenn man die Einkommensschichtung in Westdeutschland aus dem Jahr 1983 heranzieht: Damals gehörten nur 23% der erwachsenen Bevölkerung zur Unterschicht und 9% zur Oberschicht, aber 69% zur Mittelschicht. Die Mitte bricht also immer mehr weg - und so hat im Gegensatz zu früher auch das Bürgertum Angst vor dem sozialen Abstieg, da immer häufiger Mittelschichtsangehörige arbeitslos werden oder schlechter bezahlte Stellen annehmen müssen.

Ein weiteres Indiz für die Spaltung der deutschen Gesellschaft ist, dass die Reichen immer vermögender werden: 1970 besaßen die reichsten 10% der Privathaushalte 44% des gesamten Netto-Vermögens - jetzt sind es laut der Credit Suisse 65%. Das reichste Prozent verfügt sogar über 31,5%, während die unteren 50% lediglich auf 2,4% des Gesamtvermögens kommen. Laut Stern besitzen die 32 reichsten Privathaushalte genauso viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung (41 Millionen Menschen). Hinzu kommt, dass auch in den Vorstandsetagen großer Unternehmen die Gehälter stark gestiegen sind. Diese neoliberalen Trends könnten zu einer Gefahr für die soziale Marktwirtschaft werden - und für die Demokratie, wenn immer mehr Menschen die Politik für die zunehmende Spaltung der Gesellschaft verantwortlich machen sollten.

Hingegen waren zum Jahresende 2017 laut Statistischem Bundesamt 16,1% der Menschen in Deutschland - 13,1 Millionen Personen - armutsgefährdet, d.h., dass z.B. ein Ehepaar mit zwei Kindern unter 14 Jahren über weniger als 2.302 Euro im Monat verfügte. Im Jahr 2018 waren rund 10% der Erwachsenen in Deutschland - 6,9 Millionen Menschen - überschuldet, wobei die durchschnittliche Schuldenhöhe ca. 30.000 Euro betrug. Ein Jahr zuvor kam es in rund 94.000 Fällen zu Privatinsolvenzen. Ende 2017 erhielten knapp 7,6 Millionen Menschen soziale Mindestsicherungsleistungen (9,2% der Bevölkerung). Darunter befanden sich ca. 469.000 Asylbewerber. Laut Bundesregierung gibt es derzeit rund 335.000 Wohnungslose - inkl. 29.000 Kinder.

Besonders Kinder sind von Armut betroffen. Im Jahr 2017 lebten laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) 20,4% aller Kinder in Armut - und zwar 12,8% der Kinder und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, 54,3% der eingewanderten Kinder und 28,2% der hier geborenen Kinder mit Migrationshintergrund. Die Bundesagentur für Arbeit bezifferte die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Ende 2017 von Hartz IV lebten, auf 2,03 Millionen. Darunter seien knapp 600.000 Kinder aus ausländischen Familien. Viele der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen haben schlechtere Bildungs- und Lebenschancen - egal ob sie einen deutschen oder einen ausländischen Pass besitzen...

Ob soziale Unterschiede in den kommenden Jahren größer oder kleiner werden, wird weitgehend von der Wirtschaftsentwicklung abhängen, aber auch von politischen Entscheidungen. Auf jeden Fall werden sich viele Menschen immer mehr einschränken müssen. So prognostiziert der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski ein Umdenken vom quantitativen hin zum qualitativen Wachstum, also einen Einstellungswandel vom materiellen "Immer-Mehr" hin zum immateriellen "Immer-Besser". Nicht mehr die Lebensstandardsteigerung werde vorrangiges Ziel sein, sondern die Lebensqualität. Ehe, Kinder und Freunde würden für die Menschen wieder wichtiger werden, da diese mehr persönliche Lebenserfüllung gewähren als der Konsum. Auch die Religion würde wieder an Bedeutung gewinnen.

Deutsche, Migranten und Flüchtlinge

Aufgrund des Zuzugs Hunderttausender Flüchtlinge befürchten viele Deutsche große Konflikte zwischen Einheimischen, Migranten und Flüchtlingen bzw. zwischen Christen und Muslimen sowie eine Zunahme rechtsradikaler und terroristischer Gewaltakte. Zudem wird die weitere Integration von Flüchtlingen vor allem den unteren sozialen Schichten aufgebürdet, da sich neue Zuwanderer in deren Wohnvierteln (und nicht in von der Mittelschicht bewohnten Stadtteilen) ansiedeln werden. Dort werden Flüchtlinge als Konkurrenten um preiswerten Wohnraum auftreten.

Zudem werden Flüchtlinge mit schlecht qualifizierten Deutschen und Migranten der zweiten und dritten Generation um Arbeitsplätze konkurrieren, die nur geringe berufliche Qualifikationen voraussetzen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit haben gut 70% der Flüchtlinge keine abgeschlossene Berufsausbildung; viele haben nur wenige Jahre lang eine Schule besucht. Auch ist rund die Hälfte der Flüchtlinge bei den Abschlussprüfungen (Sprachniveau B1) der vom Bund mit 1,2 Milliarden Euro (2017) bezuschussten Deutschkurse durchgefallen. So werden sie zumeist nur als Hilfskräfte in Gastronomie, Reinigung, Sicherheitsdienst und Handel geeignet sein. Ende 2017 hatten erst 200.000 Flüchtlinge eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Aufgrund bisheriger Erfahrungen wird davon ausgegangen, dass nach fünf Jahren nur knapp 50% und nach 15 Jahren fast 70% der Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter eine Stelle haben werden. So werden Flüchtlinge und andere Migranten aus außereuropäischen Ländern lange Zeit auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein. Insbesondere wenn sich sozial schwache Deutsche und vor längerer Zeit zugewanderte Menschen auch noch bei Sozialleistungen als benachteiligt erleben oder von Kürzungen derselben betroffen sein sollten, dürften Ressentiments gegenüber Flüchtlingen zunehmen.

Zudem erleben sich viele Menschen mit Migrationshintergrund als sozial nicht anerkannt. Beispielsweise fühlte sich laut einer repräsentativen Emnid-Unfrage von 2015/16 gut die Hälfte der Zuwanderer aus der Türkei und ihrer Nachkommen als Bürger zweiter Klasse. Insgesamt 65% der Türkischstämmigen der ersten Generation erlebten sich als durch die Mehrheitsgesellschaft abgelehnt; bei der zweiten und dritten Generation waren es aber "nur" noch 43%. Obwohl Letztere besser integriert waren, waren sie jedoch weniger bereit als die Einwanderer der ersten Generation, sich an die deutsche Kultur anzupassen (52% versus 72%), wollten sie häufiger selbstbewusst zur eigenen Herkunft stehen (86% zu 67%). Die weitaus meisten Befragten fühlten sich sowohl mit Deutschland (87%) als auch mit der Türkei (85%) verbunden.

Derartige ungelöste gesellschaftliche und politische Probleme könnten zu einer zunehmenden Radikalisierung in Deutschland führen. So zeigte eine Studie der Universität Leipzig mit dem Titel "Die enthemmte Mitte", dass im Jahr 2015 mehr Menschen eine ablehnende Haltung gegenüber Muslimen, Sinti und Roma, Asylsuchenden und Homosexuellen aufwiesen als im Jahr zuvor. Inzwischen seien es bis zu 50%; rund ein Fünftel der Befragten wäre ausländerfeindlich. Zudem steige die Gewaltbereitschaft insbesondere in rechtsextremen Kreisen. Bei immer mehr Menschen sinke das Vertrauen in die Parteien und staatliche Institutionen wie z.B. die Polizei. Aus einer gewissen Demokratieverdrossenheit heraus wachse das Interesse an populistischen Positionen. So ist es nicht verwunderlich, dass z.B. bei der Bundestagswahl 2017 die AfD 12,6% der Zweitstimmen erhielt.

Die Ängste der Deutschen

Es ist nicht verwunderlich, dass Menschen in einer Gesellschaft, die sich so rasant verändert und die so viele Probleme vor sich her schiebt, immer mehr Angst haben. So befürchten manche, dass die sich bei Kranken- und Pflegeversicherung abzeichnenden Sparzwänge dazu führen werden, dass nicht mehr allen Menschen eine gute medizinische Versorgung garantiert werden kann und dass notwendige Operationen und Behandlungen - insbesondere bei älteren Menschen - nicht mehr durchgeführt werden. Sie rechnen damit, dass dann auch festgelegt werden wird, wie lange das Leben eines Hochbetagten verlängert werden darf und in welchen Fällen Euthanasie angezeigt ist. In den Benelux-Staaten ist inzwischen nicht nur die passive, sondern auch die aktive Sterbehilfe erlaubt.

Auch die Angst, Opfer von Straftätern oder gar von Terroristen zu werden, nimmt zu. In den letzten Jahren ist in vielen Regionen Deutschlands die Zahl der Wohnungseinbrüche rasant angestiegen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2017 listet 2,1 Millionen Straftaten im Bereich der Diebstahls- und mehr als 1,2 Millionen Straftaten im Bereich der Straßenkriminalität auf. Insgesamt wurden 5,8 Millionen Straftaten erfasst bzw. 5,6 Millionen Straftaten ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht. Ein Großteil der Tatverdächtigen (736.265 von 2.112.715 Personen) war nichtdeutsch - rechnet man ausländerrechtliche Verstöße heraus, betrug die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger 599.357. Darunter befanden sich 167.268 Zuwanderer. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger war besonders hoch bei Gewaltverbrechen (40,3% bei Raubdelikten, 37,0% bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung, 37,8% bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie 34,7% bei Straftaten gegen das Leben) - aber z.B. auch bei Urkundenfälschung (55,4%), Diebstahl (38,4%) und Betrug (34,5%). Ferner nimmt die Zahl potenzieller Terroristen zu - auch von solchen mit deutschem Pass. So rechnen viele Experten mit einem Anstieg von Terrorakten.

Zudem nimmt die Angst vor einer Wohlstandswende zu, da eine alternde Arbeitnehmerschaft immer weniger mit den jungen und dynamischen Arbeitskräften in den Schwellenländern konkurrieren könne, da zu wenig Geld für die Forschung und die Entwicklung von Zukunftstechnologien ausgegeben werde, da das Bildungssystem in Deutschland im Vergleich zu denjenigen in anderen OECD-Ländern schlechter sei und somit unzureichend auf die Wissensgesellschaft vorbereite, da sichere Stellen und solche mit einem guten Einkommen immer seltener werden und da die Bürger einen immer größer werdenden Anteil ihrer Einkünfte für Steuern und Sozialabgaben verwenden müssten. Zur letztgenannten Angst trägt bei, dass die derzeit noch wachsenden Staatsschulden - Mitte Februar 2019 lagen sie laut Bund der Steuerzahler bei 1,9 Billionen Euro bzw. bei 23.260 Euro pro Person - die von immer weniger werdenden Erwerbstätigen bzw. Steuerpflichtigen zurückbezahlt werden müssen. Und dabei war 2017 die Steuer- und Abgabenlast bei alleinstehenden Durchschnittsverdienern mit 49,7% des Arbeitseinkommens in Deutschland schon die zweithöchste im Vergleich mit 34 anderen OECD-Ländern (Durchschnitt: 35,9%). Hinsichtlich der Steuer- und Abgabenlast eines Ehepaars mit zwei Kindern kam Deutschland mit 34,5% auf den 9. Platz (OECD-Durchschnitt: 26,1%).

Einen Überblick über die derzeit vorherrschenden Befürchtungen bietet die repräsentative R+V-Studie "Die Ängste der Deutschen", die 2018 bereits zum 27. Mal durchgeführt wurde. Der Angstindex - der Durchschnitt der abgefragten Sorgen - stieg zwischen 2015 und 2018 von 64 auf 69%. Von den berücksichtigten 20 Ängsten waren in den letzten Jahren folgende vorherrschend:

Die Ängste der Deutschen
Angst vor... 2018 2017 2016 2015
...gefährlichere Welt durch Trump-Politik 69% - - -
...Spannungen aufgrund des weiteren Zuzugs von Ausländern 63% 61% 67% 49%
...Überforderung der Behörden durch Flüchtlinge 63% 57% 66% 50%
...Überforderung der Politiker 61% 55% 65% 48%
...terroristischen Anschlägen 59% 71% 73% 52%
...politischem Extremismus 57% 62% 68% 49%
...Naturkatastrophen 56% 56% 52% 53%
...hohen Kosten für Steuerzahler durch die Euro-Schuldenkrise 58% 58% 65% 64%
...Schadstoffen in Lebensmitteln 55% 58% 57% 57%
...Pflegefall im Alter 52% 52% 57% 49%
...steigenden Lebenshaltungskosten 49% 50% 54% 48%

Im Jahr 2018 verschreckte die Politik des amerikanischen Präsidenten die Deutschen am meisten. Viele Bürger hatten auch große Ängste hinsichtlich der Folgen der Zuwanderung und der Überforderung von Politikern.

Religion und Werthaltungen

Allerdings werden die Katholische und die Evangelische Kirche vermutlich von der zunehmenden Verunsicherung vieler Menschen wenig profitieren - im Gegensatz zu Sekten oder "Feel-Good-Religionen" (Matthias Horx). Insbesondere für viele junge Menschen ist der christliche Glaube bedeutungslos geworden: Laut der 17. Shell-Jugendstudie von 2015 ist für 68% der 12- bis 25-Jährigen in Ostdeutschland und für 45% der Jugendlichen in Westdeutschland der Glaube an Gott unwichtig. Zudem verlieren die großen christlichen Kirchen schon seit Jahren Mitglieder: So wird die Katholische Kirche in 20 Jahren vermutlich nur noch 20 Millionen und die Evangelische Kirche 17 Millionen Mitglieder haben. Das wären insgesamt 21 Millionen weniger als heute. In Deutschland gehören weniger als drei Fünftel der Einwohner noch einer der beiden Konfessionen an; im Jahr 2025 könnten die Nicht-Gläubigen bereits in der Mehrheit sein. In Ostdeutschland sind schon jetzt die meisten Menschen konfessionslos. So dürfte nur bei einem kleinen Teil der deutschen Bevölkerung eine stärkere Religiosität zu erwarten sein.

Diese Aussagen gelten aber nicht für die weiter zunehmende Zahl von Mitbürgern, die dem Islam angehören. Die meisten von ihnen werden auch in Zukunft (sehr) religiös sein. Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage von 2015/16 schätzten sich z.B. 62% der Türkischstämmigen der ersten in Deutschland lebenden Generation als religiös ein und sogar 72% der Befragten der zweiten und dritten Generation. Allerdings besuchten Letztere seltener wöchentlich die Moschee (23% versus 32%) und verrichteten auch seltener mehrfach am Tag das persönliche Gebet (35% versus 55%). Die Hälfte der gut 1.200 interviewten Türkischstämmigen waren der Meinung, dass es nur eine wahre Religion gäbe; 42% hielten die Befolgung der Islam-Gebote für wichtiger als die deutschen Gesetze; 13% wiesen ein verfestigtes fundamentalistisches Weltbild auf.

Hinsichtlich der eigenen Lebensgestaltung wird das Individuum eher noch größere Freiräume als heute haben; tradierte Lebensformen oder in der Jugend übernommene Denk- und Orientierungsmuster werden an Bedeutung verlieren. So werden Menschen vermehrt durch eigene Anstrengung soziale Strukturen aufbauen bzw. individuelle Wertvorstellungen und Denkweisen entwickeln müssen. Dies kann mit Ängsten und Orientierungslosigkeit verbunden sein - aber auch zum Rückzug in die vertraute Heimat führen, sodass entsprechende Identitäten und kulturellen Besonderheiten bewahrt werden. Bei anderen Menschen besteht hingegen eine große Weltoffenheit. Dazu trägt die ungebrochen große Reiselust der Deutschen bei: Im Urlaub, aber auch beruflich, werden andere Kulturen kennen gelernt. Oft werden dann Elemente aus ihnen übernommen oder sogar "multikulturelle" Persönlichkeiten entwickelt.

Lebensgestaltung

Genauso wie sich die technische Entwicklung und der soziale Wandel beschleunigen, wird auch das Leben der Menschen hektischer werden: Sie werden immer mehr Dinge gleichzeitig tun (Multitasking) und zunehmend Angst haben, etwas zu verpassen - seien es Informationen, Events oder der Anschluss an Freunde. Laut einer Studie an der Universität Bonn, bei der 2015 die Handynutzung von 60.000 Menschen untersucht wurde, wird im Durchschnitt 88-mal am Tag bzw. alle 18 Minuten das Smartphone verwendet - auch um zu erfahren, was Bekannte gerade machen, welche Freizeitaktivitäten sie planen, was sie lesen, was sie gerade gekauft haben, welche Filme sie anschauen usw. Inzwischen beschäftigen sich 17- bis 25-Jährige drei Stunden am Tag mit dem Handy, wobei sie vor allem WhatsApp, Facebook und Spiele nutzen. Die dauernde Unterbrechung anderer Aktivitäten durch das Smartphone führt zu einer zunehmenden Fragmentierung des Alltags, zu weniger Konzentration und abnehmender Produktivität.

Die Menschen werden laut der Studie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien", die u.a. von der Deutschen Telekom AG herausgegeben wurde, in den nächsten 15 Jahren weiterhin klassische Printmedien nutzen. Jedoch werden in Deutschland - wie schon in den USA - viele Zeitungen und Zeitschriften nicht überleben, zumal sie zunehmend im Internet gelesen werden. Bücher werden auch immer mehr Konkurrenz durch E-Books erfahren. Es wird nur selten für eine längere Zeitdauer gelesen werden, sondern eher in Pausen oder in "Häppchen".

Laut der vorgenannten Studie wird das Internet im Jahr 2025 das Unterhaltungsmedium Nummer eins sein; mehr als 95% der Deutschen werden es regelmäßig nutzen. Jeder zweite wird sich dann auch in virtuellen Welten und Communities bewegen. Immer mehr Menschen werden Filme und Texte sowohl auf dem Fernseher bzw. dem PC-Bildschirm als auch auf dem Smartphone, Notebook oder Tablet anschauen. Das Angebot an Videos und komplexen Computerspielen wird weiter wachsen. Ferner können immer mehr Orte und Institutionen via Internet aufgesucht werden - bereits jetzt besucht mehr als die Hälfte der Menschen eher virtuelle als physische Museen. Auch das soziale Leben wird zunehmend durch das Internet bestimmt werden: Es wird weniger persönliche Kontakte vor Ort und mehr virtuelle geben. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen besteht dann die Gefahr, dass kommunikative und interpersonale Kompetenzen nur noch unzureichend entwickelt werden.

Bei der Mediennutzung wird die Unterhaltung weiterhin dominieren, wobei oberflächlicher konsumiert wird: Das Fernsehen wird zunehmend nebenher laufen, während die Menschen anderen Beschäftigungen nachgehen, oder es wird fortwährend zwischen Sendern gezappt, kaum eine Sendung zu Ende angesehen oder nur kurze Filme angeschaut werden. Außerdem werden zunehmend seichte, oberflächliche und gewalttätige Sendungen ausgewählt.

Ferner wird die Freizeit stärker strukturiert und fokussiert gestaltet werden. Die hier entstehenden Kosten werden ansteigen, da die Menschen mehr für Freizeitaktivitäten (z.B. für Besuche in Fitness-Studios, Thermen usw., für Internetnutzung, Streaming etc., für notwendige Ausstattungen wie Bikes, Sportbekleidung usw.), für kulturelle Angebote, Events und Kurzreisen ausgeben werden. Haustiere wie Hunde und Katzen werden seltener gehalten werden, weil Kinder und Erwachsene ganztags außer Haus sind, eine artgerechte Haltung aufgrund des abnehmenden Zugangs zu Grünflächen (inkl. eigener Gärten) - bedingt durch die Urbanisierung - schwieriger werden wird sowie sich das gerade skizzierte Freizeitverhalten nur schwer mit der Tierhaltung vereinbaren lässt. Ein eher kurzzeitiges, individuell und flexibel gestaltbares soziales Engagement wird zunehmen, während die Bereitschaft zu einer längerfristigen Bindung - z.B. in der Form von ehrenamtlichen Vorstandstätigkeiten bei Verbänden und Vereinen - weiter zurückgehen dürfte.

Aus Angst vor dem Alter, vor Krankheit und Pflegebedürftigkeit werden Menschen immer mehr Wert auf eine gesunde Lebensführung legen. So werden sie Sport treiben bzw. regelmäßig in ein Fitness-Studio gehen, einen Kuraufenthalt buchen oder Wellness-Angebote nutzen. Sie werden mehr "Health Food" und Nahrungsergänzungsmittel sowie mehr Lebensmittel mit gesundheitsfördernden Bestandteilen essen - Curry mit Power-Algen, Hamburger mit mikroverkapselten Vitaminen, Tomatensalat mit Krebsprophylaxe. Ferner werden sie mehr Bio-Produkte und mehr Lebensmittel aus der Region verzehren. Außerdem wird die Zahl der Vegetarier bzw. Veganer weiter ansteigen.

Jedoch werden sich auch in Zukunft viele Menschen eher ungesund ernähren. So dürfte der Konsum von Fertiggerichten, Tiefkühlkost und Snacks weiter ansteigen, werden Lieferdienste zunehmend genutzt, suchen mehr Menschen Kantinen und Imbisse auf. Immer häufiger wird auf das Frühstück verzichtet; "Mobile Eating" (Essen im Gehen) ist auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule angesagt.

Die Menschen werden weiterhin in Supermärkten einkaufen, allerdings immer öfters bargeldlos - und dank RFID ohne Personal an den Kassen. Für Kaufentscheidungen werden Websites, auf denen User Produkte bewerten, immer wichtiger werden. So werden die Menschen als Kunden souveräner agieren, da sie über Preise und Qualität der sie interessierenden Produkte und Dienstleistungen gut informiert sind.

Die Kleidung wird aus neuartigen Materialien bestehen, die sich dem Wetter anpassen sowie schmutzresistent, atmungsaktiv und feuchtigkeitsabweisend bzw. wasserdicht sind. Sie wird die Energie von Bewegungen in Elektrizität umwandeln und diese speichern, bis sie z.B. für das Aufladen eines Akkus benötigt wird. Manche Kleidungsstücke werden als Display dienen, Körperfunktionen überwachen und bei Unfällen automatisch einen Notruf auslösen. Kleidung und Schuhe werden zunehmend aus recycelten bzw. recycelbaren Materialien hergestellt werden. Zudem werden mehr Bestandteile biologisch abbaubar sein.

Wohnen

Laut einer Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung müssten zwischen 2021 und 2025 jährlich 229.000 Wohnungen und von 2026 bis 2030 ca. 180.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden, da die Zahl der Haushalte weiter steigen würde. Die Eigentümerquote wird bis 2030 auf rund 50% zunehmen. Die Pro-Kopf-Wohnfläche wird auf ca. 47 Quadratmeter steigen - bei Eigentümerhaushalten um jeweils rund fünf Quadratmeter auf 54 Quadratmeter in den alten Ländern und auf 49 Quadratmeter in den neuen Ländern sowie bei Mieterhaushalten um jeweils rund drei Quadratmeter auf 43 Quadratmeter in den alten Ländern und 41 Quadratmeter in den neuen Ländern.

Bei Neu- und Umbauten werden Häuser immer besser wärmeisoliert und nutzen zunehmend erneuerbare Energien. So könnte das Solarhaus bis 2030 Baustandard werden. Dann werden Solarkollektoren und Fotovoltaikmodule (eventuell auch Wärmepumpen) miteinander kombiniert sowie die Be- und Entladetechnik großer Speicher optimiert werden. Die Sonne wird bis zu 100% des Wärmebedarfs abdecken.

In den kommenden Jahren werden die Wohnungen "intelligenter" werden: Heizung, Klimaanlage und viele andere Geräte werden von einem Computer gesteuert werden. Die Bewohner können zunehmend über das Internet auf sie zugreifen, also z.B. die Heizung erst kurz vor ihrem Eintreffen höher stellen. So wird rund 30% weniger Energie als heute verbraucht werden.

Laut dem Zukunftsforscher Matthias Horx wird die klassische Raumaufteilung der Wohnungen bald der Vergangenheit angehören. Das Wohnzimmer wird zu einer "hochgerüsteten Technikzentrale" mit allen modernen Medien werden. In Eigenheimen und größeren Apartments wird jeder Bewohner ein eigenes Zimmer haben, in das er sich zurückziehen kann, um sich zu entspannen, um mit Freunden zu interagieren, für die Schule zu lernen, Berufliches zu erledigen oder sich weiterzubilden. Die Küchen werden kleiner sein und häufig offen in den Wohnbereich integriert werden. Es wird immer weniger "klassisch" gekocht werden.

Vereinzelt wird es neue Wohnkonzepte wie Mehr-Generationen-WGs oder Communities Gleichgesinnter geben. Da Senioren immer häufiger alleine leben und da nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts 30% der über 75-Jährigen im Alltag nicht mehr allein zurechtkommen, wird dem altengerechten Wohnen eine größere Bedeutung zukommen. Hier kann der Flachbildschirm als Fernseher, Computer und Bildtelefon dienen, ermöglicht also auch den Kontakt zu Pflegern, Ärzten und Verwandten. Zudem werden Waage und Blutdruckgerät mit dem Bildschirm gekoppelt sein, können somit Blutdruck, Gewicht, Körperfett, Wasserhaushalt und Muskelmasse überwacht werden. Sensoren werden biometrische Daten wie z.B. die Atem- und Pulsfrequenz automatisch erfassen. Werden Toleranzwerte über- oder unterschritten, wird Alarm ausgelöst. Nachts werden von Bewegungssensoren gesteuerte Lichtstreifen den Weg zur Toilette zeigen. Auch könnte im Medikamentenschrank ein Licht aufleuchten, wenn es Zeit für Tabletten ist. In der Küche werden Arbeitsplatte und Herd auf die gewünschte Höhe abgesenkt werden können, sodass sich selbst Rollstuhlfahrer eigenständig versorgen können. Ferner wird es automatische Notruffunktionen, eine Einbruchsalarmierung sowie eine Überwachung des Raumklimas geben.

Ehe und Familie

Viele der bereits skizzierten Zukunftsentwicklungen haben große Auswirkungen auf das Zusammenleben von Menschen. So wird aufgrund der zurückgehenden Geburtenzahl der Anteil der Haushalte mit Kindern weiter schrumpfen. Damit wird sich ein schon seit längerer Zeit zu beobachtender Trend fortsetzen: Während die Zahl der Privathaushalte zwischen 1991 und 2015 von 35,3 Millionen auf 40,8 Millionen gestiegen ist, ging die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,27 auf 1,99 Personen zurück. Der Anteil der Zweigenerationenhaushalte sank von 39% auf knapp 27%. Nur in 0,5% der Haushalte lebten drei Generationen zusammen.

Nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Privathaushalte von 40,8 Millionen im Jahr 2015 auf 43,2 Millionen im Jahr 2035 ansteigen. Während die Zahl der Haushalte in den westdeutschen Flächenländern voraussichtlich um 7% und in den Stadtstaaten sogar um 13% wachsen wird, wird sie in Ostdeutschland um circa 3% sinken. Die Zahl der Ein- oder Zweipersonenhaushalte dürfte von rund 30,8 Millionen im Jahr 2015 auf etwa 34,4 Millionen im Jahr 2035 zunehmen. Hingegen wird die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Mitgliedern, die vor allem aus Familien mit Kindern bestehen, von 9,9 auf 8,8 Millionen zurückgehen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße wird dann nur noch 1,90 Personen betragen.

In den kommenden Jahren wird es aber nicht nur weniger Haushalte mit Kindern geben, sondern in ihnen werden auch weniger "klassische" Familien (ein verheiratetes Ehepaar mit leiblichen Kindern) leben. Hingegen werden hier mehr nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende und Stieffamilien wohnen, vermutlich auch mehr "Regenbogenfamilien" (mit gleichgeschlechtlichen Eltern) und Familien mit Partnern aus unterschiedlichen Kulturen. Beispielsweise sank der Anteil der Familien an allem Haushalten mit Kindern von 71% im Jahr 2008 auf 68% im Jahr 2017, während gleichzeitig der Anteil der Lebensgemeinschaften von 4% auf 9% zunahm.

Die durchschnittliche Kinderzahl beträgt derzeit zwei Kinder; sie ist etwas höher bei Migrantinnen und Frauen mit niedrigem Bildungsstand. Nur in 12% der Familien lebten im Jahr 2016 mindestens drei Kinder. In den kommenden Jahren könnte es zu einem Anstieg kinderloser Paare kommen - egal ob verheiratet oder unverheiratet, ob hetero- oder homosexuell. So geht der Kinderwunsch zurück - z.B. laut der 17. Shell Jugendstudie von 2015 möchten nur noch 64% der Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren Kinder haben (2010: 69%). Der Kinderwunsch ist bei jungen Männern mit 60% schwächer ausgeprägt als bei jungen Frauen mit 69%. Im Jahr 2016 sind 21% der 42- bis 49-jährigen Frauen kinderlos geblieben - bei Akademikerinnen waren es sogar 27%.

Insbesondere die Veränderungen in der Arbeitswelt werden in Zukunft die Partnersuche erschweren, die Familiengründung beeinträchtigen und Beziehungen brüchiger machen: Wenn Arbeitnehmer freiwillig oder gezwungenermaßen mobil sind, also ihren Arbeitsort häufiger wechseln oder viel auf längeren Dienstreisen sind, wird es schwieriger werden, Partnerschaften langfristig aufrechtzuerhalten oder sich für ein Kind zu entscheiden. Wenn viele junge Menschen (auch mit guten Berufs- und Hochschulabschlüssen) zwischen Langzeitpraktika, befristeten Stellen, Teilzeitjobs und Phasen der Arbeitslosigkeit wechseln und wenn gut dotierte Arbeitsplätze mit Festanstellung seltener werden, dann werden weniger Paare die für eine Familiengründung zumeist für notwendig gehaltene finanzielle Sicherheit verspüren. Hinzu kommt, dass laut dem "Deutsche Post Glücksatlas 2015" 69% der Befragten - und sogar 75% der Frauen zwischen 20 und 35 Jahren - der Meinung sind, dass es heute schwieriger sei, eine Familie zu gründen, da der Job stressiger wäre. Zudem werden Nachteile hinsichtlich der eigenen Karriere erwartet.

Wenn erwerbstätige Eltern aufgrund der gestiegenen Anforderungen immer mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen, ausgepowert nach Hause kommen und dann oft noch weiterarbeiten müssen, werden sie wenig Zeit für die Pflege der Paarbeziehung und gemeinsame Freizeitaktivitäten haben - Entfremdung, Stress und Konflikte werden die Partnerbeziehungen labiler machen, und so wird es häufig zu Trennung, Scheidung und Alleinerzieherschaft kommen. Viele Geschiedene (wie heute zumeist Väter) werden getrennt von ihren Kindern leben.

Eltern werden aufgrund der längeren Arbeitszeiten auch immer weniger Zeit für ihre Kinder und deren Erziehung haben. Nicht nur Väter werden aufgrund der beruflichen Anforderungen länger an ihrem Arbeitsplatz sein, sondern auch Mütter. Zudem wird sich der Trend fortsetzen, dass immer mehr Mütter immer früher nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten gehen und häufiger Vollzeit erwerbstätig sind. Laut Mikrozensus waren 2016 rund 68% der Mütter mit minderjährigen Kindern (und Partner) erwerbstätig - aber nur zu 9%, wenn ein Kind unter einem Jahr im Haushalt lebte (44% in Mutterschutz/Elternzeit, 46% nicht erwerbstätig), zu 44% bei einem Kind im Alter von einem Jahr und zu 58% bei einem zweijährigen Kind. Während berufstätige Väter zu 94% in Vollzeit tätig waren, arbeiteten 69% der Mütter Teilzeit. Alleinerziehende Mütter mit minderjährigen Kindern gingen zu 70% einer Erwerbstätigkeit nach (7% bei einem Kind unter einem Jahr, 29% bei einem Kind unter drei Jahren); von ihnen arbeiteten 42% Vollzeit..

Hinzu kommt oft ein langer Weg zur Arbeit - nicht nur bei Menschen in Großstädten (z.B. wegen vieler Staus oder mehrmaligen Umsteigens bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel), sondern auch bei Pendlern: Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat die Zahl der Pendler von 53% aller Arbeitnehmer im Jahr 2000 auf knapp 60% im Jahr 2016 zugenommen; die Länge der zurückzulegenden Strecke stieg im gleichen Zeitraum von 14,6 Kilometern auf 16,9 Kilometer. Besonders hoch ist die Pendlerquote in Großstädten mit hohen Immobilienpreisen und Mieten - z.B. arbeiten in München, der "Pendlerhauptstadt Deutschlands" 365.000 Menschen, die außerhalb der Stadtgrenze zu Hause sind. Das Pendeln ist aber nicht nur mit einem hohen Zeitaufwand verbunden - Zeit, die für die Familie fehlt -, sondern auch mit Stress.

Ferner werden Erwerbstätige zunehmend am Abend und an Wochenenden arbeiten müssen. Im Jahr 2016 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt schon 25% der Erwerbstätigen ständig oder regelmäßig auch an Samstagen und 14% an Sonntagen; 25% der Arbeitnehmer leisteten Abend- und knapp 9% Nachtarbeit. So entsteht eine paradoxe Situation: Einerseits verlangen Arbeitgeber eine große Flexibilität (und oft wird diese auch von den Arbeitnehmern gewünscht), andererseits erfordern Familienbeziehungen eine gewisse Stabilität und viel Zeit, um die Partnerschaft zu pflegen, um den Kindern eine verlässliche Lebenswelt zu bieten und um sie zu erziehen. Da kindliche Bedürfnisse aber mangels Zeit immer häufiger vernachlässigt werden, dürfte die Zahl von Kindern mit psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten weiter zunehmen.

Kleinkinder werden in den kommenden Jahren immer früher und immer länger in Tageseinrichtungen oder Tagespflege betreut werden. So werden die Betreuungsangebote für unter Dreijährige weiter ausgebaut werden, wird es mehr Ganztagsplätze geben, werden insbesondere in größeren Städten mehr Tagesstätten auch am Abend oder am Wochenende geöffnet haben. Schulen werden immer häufiger Ganztagsschulen sein oder eine verlässliche Nachmittagsbetreuung anbieten. Im Jahr 2016 besuchten laut Kultusministerkonferenz 42,5% der Schüler allgemeinbildende Schulen ganztags - wobei es große Unterschiede zwischen den Bundesländern gab: Die Extreme waren 92,6% in Hamburg und 22,1% in Bayern. Ferner wird es mehr Betreuungsangebote für Schüler während der Schulferien geben. Immer mehr Eltern werden auch die Nachhilfe an Fachleute delegieren - laut Bertelsmann Stiftung geben sie fast 900 Millionen Euro pro Jahr dafür aus. Rund 14% aller Schüler/innen zwischen 6 und 16 Jahren erhalten derzeit Nachhilfestunden.

So wird in den kommenden Jahren die Bedeutung der Familienerziehung sinken, werden Sozialisation, Erziehung und Bildung von Kindern zunehmend von sozialpädagogischen Fachkräften und Lehrern übernommen werden. (Auf das Bildungswesen wird in der Rubrik "Technik und Wissen" genauer eingegangen. Die aus den Zukunftsentwicklungen zu ziehenden Konsequenzen für Familienerziehung, Kita und Schule werden auf der Website "Zukunftsorientierte Pädagogik" dargestellt.)

Wenn Eltern und Kinder immer weniger Zeit (gemeinsam) zu Hause verbringen - und diese oft noch in verschiedenen Zimmern -, werden die Familienbeziehungen lockerer werden. Da die Familienmitglieder zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen, werden sie nur selten gemeinsam speisen (und Tischgespräche führen), sondern sich zumeist selbst versorgen (z.B. mit Tiefkühlkost oder "Junk-Food") - sofern sie ihren Hunger nicht schon an ihrem Arbeitsort, in der Kindertageseinrichtung bzw. Schule oder auf dem Heimweg gestillt haben. Da Kinder immer früher selbständig werden, sind sie nach der Schule auch oft bei Freunden bzw. mit diesen unterwegs. So wird an vielen Tagen die Kommunikation mit den Eltern nur über das Handy oder per Video-Telefonie erfolgen. Das wird natürlich auch dann der Fall sein, wenn die Eltern zur Schlafenszeit der Kinder noch an ihrem Arbeitsplatz oder auf Dienstreisen sind.

Die Hausarbeit wird in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren - nicht nur weil immer mehr Aufgaben von Geräten und Robotern übernommen werden, sondern auch weil immer seltener für die ganze Familie gekocht werden muss: Laut dem Ernährungsreport 2019 kochen 10% der Deutschen nie, 5% weniger als einmal pro Woche, 8% einmal und 37% zwei- bis dreimal pro Woche; nur noch 40% kochen jeden Tag. Zudem werden immer mehr Arbeiten "ausgelagert" werden, indem z.B. die Wäsche in die Reinigung gebracht wird oder Pizzas und andere Gerichte bei Lieferdiensten bestellt werden. Hausfrauen wird es kaum noch geben; die Familienarbeit wird für Frauen im Vergleich zur Erwerbstätigkeit einen immer geringeren Stellenwert haben.

Das Glück der Menschen

Der rasante technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel wirkt sich kaum auf das Glücksempfinden der Menschen aus: Laut dem "Deutsche Post Glücksatlas 2018" stieg das Zufriedenheitsniveau von 6,7 (2004) auf 7,05 Punkte an; in Westdeutschland war es mit 7,09 Punkten etwas höher als in Ostdeutschland mit 6,89 Punkten. Betrachtet man verschiedene Lebensbereiche, so lag 2016 die Zufriedenheit mit der Arbeit auf einer Skala von 0 bis 10 bei 7,04 Punkten, mit dem persönlichen Einkommen bei 6,4 Punkten und mit dem Haushaltseinkommen bei 6,8 Punkten, mit der eigenen Gesundheit bei 6,6 Punkten sowie mit Wohnen und Freizeit bei 7,61 Punkten. Am höchsten war die Zufriedenheit mit der eigenen Familie mit 7,8 Punkten.

Einkommen und Vermögen der Deutschen sind relativ bedeutungslos für ihr Glücksempfinden. So hat die ökonomische Glücksforschung nachgewiesen, dass es weltweit nur bis zu einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 10.000 US $ pro Kopf eine starke Korrelation zwischen Steigerung des BIP und Zunahme der Zufriedenheit gibt; ab 20.000 $ pro Kopf ist kaum noch eine Korrelation gegeben. Hier zeigt sich, dass Glück von anderen Faktoren abhängt als von der eigenen finanziellen Situation - sofern die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind. Dann spielen der eigene Gesundheitszustand, die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, die Work-Life-Balance, die sozialen Beziehungen, die Qualität von Wohnraum und Umwelt, die Bildung, das Gefühl der Sicherheit und ähnliche Variablen eine größere Rolle.

So werden die meisten Deutschen auch in den kommenden Jahren glücklich sein - selbst wenn sich ihre finanzielle Situation aufgrund steigender Steuern, Sozialversicherungsabgaben und Lebenshaltungskosten verschlechtern oder das Wirtschaftswachstum niedriger als erwartet ausfallen sollte. Für ihr Glücksempfinden werden andere Faktoren ausschlaggebend sein...